Werfen: Sommerübung mit Rettungsaktion nach einem Kletterunfall

05.07.26 Ausbildungen

Die Bergrettungs Ortststelle Werfen führte vergangenen Samstag ihre jährliche Sommerübung am Tauernkogel (2247m, Salzburger Tennengebirge) durch. Die Übungsannahme war durchaus anspruchsvoll.

Ein Teil der Mannschaft beübte eine aufwendige Rettungsaktion mittels Dyneemabergung nach einem Kletterunfall in der Klettertour „Baracuda“ (im 8. Grad, Westwand Tauernkogel).
Der zweite Teil der Mannschaft trainierte auf der Südseite das Errichten und Begehen eines Seilgeländers, Standplatzbau, sowie verschiedenste Möglichkeiten des Abseilens und Ablassen.

Szenario1: Kletterunfall Tauernkogel Westwand

Übungsannahme war ein Vorsteigersturz eines Kletterers, der sich dabei eine schwere Fußverletzung zugezogen hatte und terrestrisch geborgen werden musste. Um die Übung realitätstreu zu gestalten, stiegen zwei Bergretter in die Klettertour ein.

Die restliche Mannschaft, bestehend aus 12 Bergretter, stieg zu Fuß über die Tauernscharte auf den Gipfel des Tauernkogels auf. Nach dem Errichten eines Materialdepots und einer kurzen Übungsbesprechung wurde mit der eigentlichen Übung begonnen. Zunächst errichtete ein Teil der Mannschaft ein Seilgeländer und einen Standplatz mittels Bohrhaken. Zwischenzeitlich bereitete das restliche Team das Material für die bevorstehende Bergeaktion vor. Um die genaue Richtung der zu bergenden Kletterer in der mehr als 200 Meter hohen Felswand festzulegen, seilten sich zwei weitere Bergretter in den oberen Teil der Wand ab, um eine Umlenkung zu errichten und gegebenenfalls beim späteren Ablassen des Retter-Teams die Richtung noch leicht verändern zu können.

Bergung mit 200m Dyneemaseilen – unterstützt durch Drohne

Im Anschluss wurde mit der eigentlichen Bergung begonnen. Dabei wurden zwei Retter mittels zwei 200 Meter Dyneemaseilen zu den Verunglückten abgelassen, wobei diese durch ein Drohnenteam in der Tauernscharte samt Entfernungsmesser unterstützt wurden. Nach dem Erreichen des verletzten Kletterers wurde dieser gekappert. Im Anschluss wurde der zweite Retter am Standplatz des unverletzten Kletterers abgesetzt und das Ablassen des Retters samt dem Verletzen fortgesetzt. Dabei musste auch eine Verlängerung der 200m Seile mit weiteren zwei 100m Dyneemaseilen durchgeführt werden. 

Herausforderung Absturzgelände

Nach insgesamt 220 m Seillänge erreichte der Retter mit dem Patienten die Tauernscharte. Der unverletzte Kletterer seilte sich mit dem Bergretter in die Tauernscharte ab.
Eine besondere Herausforderung der Übung war – neben dem absoluten Absturzgelände – die Festlegung der Abseilrichtung, in Kombination mit der großen Abseilhöhe samt der Seilverlängerung.

 

Szenario 2: Seilgeländerbau, Standplatzbau und Abseilen

Für diese Gruppe galt es im alpinen Schroffengelände auf der Südseite des Tauernkogels ein Seilgeländer zu errichten und zu begehen. Dafür mussten Bohrhaken gesetzt werden. Zudem trainierte man die verschiedenen Möglichkeiten der Errichtung eines Seilgeländers. Nach Aufstieg beim Seilgeländer wurden die verschiedenste Arten von Standplätzen gebaut und besprochen. Nach der Errichtung eines Abseilstandplatzes seilten sich die Bergretter über eine ca. 40 Meter überhängende Felswand sicher ab.

Resümee: Nur mit „eingespielter Mannschaft“ möglich

Im Anschluss wurde eine Übungsnachbesprechung mit allen Teilnehmern der diesjährigen Sommerübung durchgeführt. Die Verantwortlichen waren über die mehr als gelungene Übung erleichtert und höchst zufrieden.

„Solche herausfordernden Übungen können nur mit einem sehr erfahrenen und eingespielten Team durchgeführt werden. Von jedem einzelnen Bergretter wird dabei die maximale Konzentration auf das Wesentliche erwartet“, so Stefan Koller, Einsatzleiter bei der Bergrettung Werfen.

Der Übungstag klang mit einem gemütlichen Beisammensein auf der Hütte „minimalisst“ aus.