Einsatz Bergrettung Kleinarl: Familie auf Ennskraxn verirrt

14.09.26 Einsätze

Schwieriger Einsatz bei Dunkelheit und Regen.

Eine dreiköpfige Familie aus Wien, zwei Frauen und ein Mann, setzte am Sonntag, 13. September, um 20 Uhr einen Notruf ab. Sie waren erst um 14 Uhr zu einer anspruchsvollen Bergtour auf die Ennskraxn (2.410 Meter Seehöhe) gestartet, kehrten dann aber um, weil sie der Schwierigkeit der Tour nicht gewachsen waren. Sie stiegen durch wegloses, absturz- und steinschlaggefährdetes Gelände entlang einer Rinne ab, bis sie auf 1.930 Meter Seehöhe nicht mehr weiterkonnten. 

„Es war finster, es regnete, es war nebelig, der Wind wehte stark“, schildert der Einsatzleiter der Bergrettung Kleinarl, Alois Langegger. Die drei, die in kurzen Hosen und leichten Bergschuhen unterwegs waren, waren unverletzt, aber erschöpft, durchnässt und unterkühlt. „Sie haben nicht mehr weiter gewusst und auch großes Glück gehabt, dass ihnen beim Abstieg durch die gefährliche Rinne nichts passiert ist. Sie waren sich der Gefahr nicht bewusst, in die sie sich begeben haben.“ 

Standort konnte zunächst nicht lokalisiert werden

Der Rettungseinsatz gestaltete sich aufgrund des schlechten Wetters, der Dunkelheit und des vorerst unklaren Aufenthaltsortes der Familie schwierig. Ihr Standort konnte zunächst nicht lokalisiert werden, da die mit dem Notruf übermittelten GPS-Daten nicht mit dem tatsächlichen Standort der Wiener übereinstimmten. 

20 Kleinarler Bergretter rückten zum Sucheinsatz aus, der vom Team des Polizeihubschraubers Libelle Flir unterstützt wurde. Mehrmals konnte mit den Verirrten per Handy ein Kontakt aufgenommen werden, der aber immer wieder abriss. Es gelang aber, Fotos von der Stelle, wo sie sich befanden, zu übermitteln. 

Schließlich konnte der tatsächliche Standort der Familie geortet werden. „Im Zuge des Einsatzes konnten wir über die Einsatz-App moPS mittels Standortabfrage den genauen Aufenthaltsort der vermissten Personen ermitteln“, berichtet Gerhard Kremser, Bezirksleiter der Bergrettung Pongau. „Der dadurch ermittelte Standort konnte in weiterer Folge durch den Polizeihubschrauber Libelle Flir bestätigt werden.“ 

C14 führte Windenbergung durch

Die drei Personen wurden vom Team des nachtflugtauglichen Notarzthubschraubers C14 per Seilwinde aufgenommen und zum Zwischenlandeplatz beim Jägersee in Kleinarl geflogen. Von dort wurden sie nach einem Gesundheitscheck von Rot-Kreuz-Helfern mit dem Rettungswagen zu ihrem Hotel gebracht. Der Einsatz endete um 23.25 Uhr. 

Die Bergrettung weist erneut darauf hin, vor einer Bergtour eine sorgfältige Tourenplanung vorzunehmen, welche auch die Wegstrecke, die zu bewältigenden Höhenmeter, die Schwierigkeit und Dauer der Tour sowie die Wetterprognose beinhaltet. Die Familie aus Wien war laut dem Einsatzleiter für die Tour auf die Ennskraxn, die einen hochalpinen Charakter aufweist, Trittsicherheit in dem felsigen Gelände und Bergerfahrung erfordert, auch nicht entsprechend ausgerüstet. Zudem war der Zeitpunkt des Startes um 14 Uhr zu spät gewählt.

Für die Bergrettung Kleinarl war dieser Einsatz bereits der zweite innerhalb eines Tages, zuvor wurde eine erschöpfte, unverletzte Person am Tappenkarseeweg geborgen. Mittlerweile absolvierte die Bergrettung Kleinarl in diesem Jahr bereits 15 Einsätze und damit mehr als in den Vergleichszeiträumen der Jahre zuvor.  

Professionelle Zusammenarbeit von allen Einsatzkräften

Bezirksleiter Gerhard Kremser bedankt sich bei allen Einsatzkräften einschließlich den Besatzungen des Polizeihubschraubers und des C14 sowie bei der Polizei für die professionelle Zusammenarbeit, und auch bei der Flugrettung Heli Austria, die eine Betankung des C14 ermöglichte und damit einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft ermöglichte. „Das Team des C14 hat eine Meisterleistung vollbracht“, sagte Einsatzleiter Alois Langegger. Im Einsatz waren auch die Freiwillige Feuerwehr Kleinarl, die Alpinpolizei und First Responder. 

Fotos: Bergrettung Kleinarl