Bergrettung Mühlbach/Dienten: Wieder nächtliche Bergung aus Birgkar
Ein abgestürzter und schwer verletzter Tscheche musste in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in einem rund zehnstündigen Einsatz unter schwierigsten Bedingungen gerettet werden.
Die Ortsstelle Mühlbach wurde am Dienstag um 17.40 Uhr alarmiert: Ein 27-jähriger Tscheche war beim Abstieg vom Matrashaus (2941 m) durch das hochalpine, tiefwinterliche – und eigentlich gesperrte – Birgkar gestürzt und hatte sich schwer verletzt.
Da der Staatsbürger aus Tschechien angab, aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr weiterzukommen, alarmierte Einsatzleiter Wolfgang Haggenmüller auch die Kollegen der Ortsstelle Dienten, samt deren Bergrettungsarzt. Der Bergsteiger kam beim Abstieg im Birgkar auf etwa 2300 Metern Höhe zu Sturz und rutschte in eine Rinne. „Er hatte Glück, dass er dort zu liegen kam. Denn es geht in diesem Bereich noch weit runter über steile Felswände. Wir haben seinen Absturzort auf der Karte unseres Einsatzsystems gesehen“, sagt Ortsstellen- und Einsatzleiter Haggenmüller, „aber die aufsteigenden Bergretter konnten ihn im Gelände nirgends entdecken. Er war rund 180 Meter neben dem steilen, felsigen und verschneiten Birgkaraufstieg in einer kleinen Mulde zu liegen gekommen. Wir haben das Team nur durch Funkkontakt hingelotst. Es war äußerst schwierig zum Verletzten zu gelangen, wir mussten uns quer durch eine Wand vorarbeiten.“
Aufgrund des Absturzgeländes errichteten die Bergretter ein Seilgelände mit einem hohen Materialaufwand. „Immer wieder versuchten wir auch durch telefonischen Kontakt zum Verletzten, die genaue Position zu ermitteln. Trotz Stirnlampen konnte bis auf zehn Meter kein Sichtkontakt hergestellt werden.“ Um 22.30 Uhr erreichten die Bergretter schließlich den Verunglückten. „Er wurde durch unseren Bergrettungsarzt notärztlich versorgt. Er hatte schwere Verletzungen an beiden Händen, an Rippen und Wirbelsäule“, so der Einsatzleiter. „Er war sehr tapfer und wurde von uns zuerst mittels Dyneemaseilen mehrere Hundert Meter abgeseilt und ist sogar selbst gegangen, weil es nicht anders ging.“ Immer wieder versuchte die Einsatzleitung mit Bezirksleiter Gerhard Kremser einen Rettungshubschrauber zur Unterstützung zu bekommen, „aber leider konnte keiner aufgrund der dichten Nebeldecke im Tal starten.“ In einem schwierigen Abtransport durch Abseilen und notärztlicher Begleitung konnte der Verletzte schließlich ins Tal gebracht und der Rettung übergeben werden. Einsatzende war um 4.10 Uhr. Es standen 34 Bergretter aus Mühlbach und Dienten im Einsatz.
„Der Tscheche gab an, dass er in einer App diese Tour gesehen hätte“, sagt Bezirksleiter Gerhard Kremser: „Der angebliche Rundweg sei dort von der Mitterfeldalm zum Arthurhaus mit einem Abstieg über das Birgkar angegeben worden. Das Birgkar ist allerdings seit Längerem im oberen Teil – oberhalb des Notausstieges vom Königsjodler Klettersteig – gesperrt. Auch diesem Einsatz liegt eine offensichtlich mangelhafte Tourenplanung zugrunde. Erneut führte eine Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten und der geplanten Abstiegsroute zu einer lebensgefährlichen Situation. Die anschließende Rettung erforderte ein Abseilen über mehrere hundert Meter und einen enormen personellen und technischen Aufwand. Dass der Bergsteiger diesen Absturz überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Es zeigt sich einmal mehr, dass eine mangelhafte Tourenplanung nicht nur Menschenleben gefährdet, sondern auch unsere Einsatzkräfte in Situationen mit enormem Risiko bringt – trotz bestmöglicher Ausbildung, Erfahrung und Können, mit denen wir versuchen, die Gefahren bei jedem Einsatz auf ein Minimum zu reduzieren.“
Fotos: BR Mühlbach und Dienten






























