Altschneefelder und Lawinen: Die unterschätzte Gefahr im Frühjahr

Klaus Wagenbichler, Lawinenreferent des ÖBRD, informiert über Gefahren in der Übergangszeit

Alljährlich zu Beginn der Skitourensaison sind Verletzte und Tote durch Lawinenunfälle zu beklagen. Jedoch auch der Beginn der Sommersaison, der Übergang vom Spätwinter zum Frühsommer, fordert alljährlich Verletzte und Tote.

Im April und Mai 2021 kam es in den Hochlagen, sowohl der Ost- und Westalpen mehrmals zu massiven Neuschneemengen. Einsetzende jahres- und tageszeitliche Erwärmung führten/führen zu einer überdurchschnittlichen Anzahl von Lawinenabgängen. Lawinen sind jedoch nicht ausschließlich ein Problem der Wintermonate. Unter entsprechenden Bedingungen wie etwa schlechte Bindung oder Durchnässung der Schneeschichten können bis weit in den Sommer hinein Lawinen abgehen. (Bild 1)

Die ab etwa 2.000 Höhenmeter aufwärts noch mächtige Schneedecke verdeckt noch einige Zeit die Wegmarkierungen, erschwert somit das Orientieren und fordert erhöhten Krafteinsatz bzw. ausreichende Kondition bei Bergtouren in diesem Bereich. (Bild 2)

Mit den aktuellen Schneebedingungen verbunden ist eine angepasste Bekleidung (wärmend, wind- u. wasserdicht). Nicht zu vergessen sind Haube und Handschuhe und geeignete Ausrüstung (feste Bergschuhe/Wanderstöcke). Um bei tiefem Schnee das Eindringen von Schnee/Wasser in die Schuhe und in weiterer Folge Erfrierungen zu verhindern sind Gamaschen, gleich welcher Machart (als Einzelteil oder in die Berghose integriert), sinnvoll.

Sturz / Stolpern / Ausrutschen / Abgleiten und Abstürzen sind, nach dem Herz-/Kreislaufproblem, die zweithäufigste Unfallursache beim Wandern und Bergsteigen. Ein großer Teil der Unfälle entfällt dabei auf das Abgleiten / Abstürzen auf hartem Schnee / gefrorenen Schneefeldern. (Bild 3)

Bergschuhe mit festem / hartem Sohlenaufbau (damit man mit der Sohlenkannte ausreichend große Tritte in den Schnee schlagen kann) und wenn nötig Steigeisen und Pickel sowie eine entsprechende Ausbildung über richtiges Verhalten beim Abgleiten können Verletzungs- und sogar Todesfolgen verhindern. (Bild 4)

Eine Bergtour wird umso sicherer und dadurch erlebnisreicher, wenn sie entsprechend geplant und vorbereitet wurde. Eine „Touren-Planung“ sollte neben der Streckenlänge, den Höhenmetern und dem Schwierigkeitsgrad auch die Information über Hüttenöffnungszeiten, Wegezustand/-bedingungen, aktueller Schnee- und Wettersituation, den Zeitbedarf für die gesamte Tour (Anfahrt / Tour / Rückfahrt), eventuelle Ausweichziele sowie die Überlegungen zur notwendigen Ausrüstung (Bekleidung / Orientierungsmittel / Alpine Erste Hilfe / Biwaksack etc.) und über den / die Teilnehmer und deren Anzahl beinhalten. (Bild 5)

In Österreich bieten alle Alpinen Vereine, alle Bergsteigerschulen und Bergsportführer Ausbildungen zum Thema Sicherheit am Berg an.

Eine schöne Sommersaison in den Bergen wünscht
Klaus Wagenbichler, Berg-&Skiführer, LL Stv. LO Salzburg, ÖBRD - Referat Lawinen

Bilder: ÖBRD