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Bergrettung
 

Kaukasus 2018

Steile Eisflanken und hohe Gipfel, so abgelegen, dass sie nur durch mehrtägigen Zustieg erreichbar sind. Am besten in einem uns unbekannten Land mit wenig Alpintourismus und Infrastruktur… Unsere Wahl fällt auf Georgien. Mit Hilfe unseres Kameraden Christian N. plant  Bergretterin Conny die Besteigung einiger lässiger 4.000er im Kaukasus.

 

Großes Interesse weckt vor allem ein gewaltiger Doppelgipfel, umringt von zerklüfteten Gletschern. Die Königin des Kaukasus - die Ushba! Da es bei dieser Besteigung an schlechten Verhältnissen und Gefahren nicht mangeln soll, sehen  wir uns natürlich auch nach genügend Alternativen um. Aber der Reihe nach:

Unser Ziel ist drei Wochen Bergsteigen auf eigene Faust, ohne Veranstalter und mit nur so viel Material, wie wir auch tragen können.

Nach einer guten Vorbereitung in der Schweiz, wo Conny und ich das Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn besteigen, ist es Anfang August endlich soweit.

Gemeinsam mit unserem Kameraden Florian und Simon, die nicht nur sehr gute Bergsteiger sind, sondern auch noch lustige Burschen (wichtig bei drei Wochen gemeinsam am Berg),  fliegen wir nach Tiflis. Dort startet die wirklich abenteuerliche und laaange Marschrutka Fahrt nach Mestia, die meiner Meinung nach sicher gefährlicher war als jede Kletterei die ich zuvor gemacht habe.

 

Als erstes Ziel setzen wir uns den Laila Peak 4.009m. Dieser dient zum Akklimatisieren und Materialtesten. Am meisten bleibt mir der über 3.300hm lange Abstieg mit schwerem Gepäck in Erinnerung...

Danach wagen wir uns an die Besteigung des Tetnuldi 4.858m. Eine wirklich sehr lohnende und facettenreiche Unternehmung. Unsere Strategie - minimales Gepäck und dafür längere Etappen -  geht uns gut auf. Und so stehen wir genau an Connys Geburtstag am Gipfel und genießen die herrliche Aussicht rüber zum Elbrus.

Nun stehen wir vor dem Problem, dass die Schönwetter-Fenster immer nur ein paar Tage andauern. Sollten wir schnell sein (sind wirJ), benötigen wir auf jeden Fall vier Tage, um auf die Ushba und retour zu kommen. Realistisch müssen wir mit fünf bis sechs Tagen rechnen.

Dass wir bei einem Gewitter nicht am Berg sein wollen, wussten wir zwar schon vorher, aber wie heftig die hier ausfallen können, sehen wir,  als ganz Mestia nach einem Gewitter ohne Strom ist und wir beinahe nichts zu essen bekommen an diesem Abend.

 

Wir schauen kurz bei unseren Kameraden der örtlichen Bergrettung vorbei: „everything is possible- depends how good you are; the glacier looks horrible and two missed people on ushab at the moment“… hört sich doch gut an! Weiters erfahren wir, dass einige Russen vor ein paar Tagen Richtung Ushba aufgebrochen sind und neun Tage dafür veranschlagt haben.

Am 20.8 starten wir also zum Ushba-Nordgipfel (4.698m). Nach dem Organisieren von Permit und Taxi machen wir uns auf den mühsamen Weg Richtung Ushba-Plateau. Die Wegfindung ist schwierig und die Nächte sind sehr kalt, aber damit mussten wir rechnen, wenn wir leichte Schlafsäcke mitnehmen…

Am Gipfeltag geht es dann richtig zur Sache - ich war noch nie auf so einem ernsthaften Berg - geil! Flo und Simon erreichen den Gipfel und drehen sofort wieder um - mächtig schwarze Wolken türmen sich auf. Conny und ich stehen vor einer schweren Entscheidung. Die schwierigen Stellen liegen hinter uns, und in nicht einmal 80 Höhenmeter würden wir am Gipfel stehen. Weitergehen oder richtig entscheiden und mit der anderen Seilschaft zusammenarbeiten, um schnellstmöglich abzuseilen?!?

 

Als der letzte den Tuber aushängt, donnert es schon und Schneefall setzt ein. Wir packen die Zelte von unserem Schlafplatz am Hochlager zusammen und schauen, dass wir aufs Plateau runter kommen. Dort gibt es einen geschützten Platz auf steinigem Untergrund. Unsere Unterlagsmatten sind den spitzen Steinen nicht gewachsen und so verbringen wir auf den Kletterseilen liegend eine stürmische Nacht.

Am nächsten Tag ist wieder bestes Wetter und der Gletscherbruch ist mit all seinen Spalten schön zugeschneit. Das macht den Abstieg nochmal wirklich spannend.

Nach vier Tagen Abenteuer erreichen wir gesund und müde das Tal. Bei einer Labstation gönnen wir uns erstmal ein Bier, während wir aufs Taxi warten. Wir warten sehr lange und sind dann auch schon entsprechend lustig, als wir abgeholt werden. Ich glaube diese Besteigung wird nicht nur uns lange in Erinnerung bleiben - auch wir haben einen legendären Eindruck hinterlassen bei dieser Labstation

 

Simon und Flo sind ein paar Tage länger in Georgien und nützen die hervorragende Akklimatisation um noch schnell auf den Kasbek zu laufen!

Danke für die gute Zeit!

 

Florian Valentic, Simon Stock, Cornelia Lajosch und Christian Lajosch (Text)