72. Landesversammlung in Grödig

So viel Einsätze wie noch nie!

Am vergangenen Wochenende hielt die Bergrettung Salzburg in Grödig die 72. Landesversammlung ab und zog Bilanz: Die Einsätze steigen, während die Finanzsituation angespannt bleibt. LH-Stv. Christian Stöckl will die Förderrichtlinien für die Bergrettung auf „neue Füße stellen.“

Mit 694 Einsätzen im Jahr 2018 hatte die Bergrettung Salzburg so viele Einsätze wie noch nie zuvor (2017: 637 Einsätze, 2016: 535). Insgesamt leisteten die rund 1.400 Bergretter und Bergretterinnen im Vorjahr 9.754 Einsatzstunden.

Der Boom an Menschen, die ihre Freizeit in den Bergen verbringen, hält an. So gab es für die ersten Monate des Jahres 2019 bereits über 200 Einsätze zu verzeichnen. Die meisten Einsätze finden jedoch während der Sommermonate im Juli (101) und August (121) statt. Die häufigsten Unfallursachen sind nach wie vor das Ausrutschen, Stürzen und Stolpern im Wandergelände. 51 Prozent der Einsätze betrafen gestürzte und rund 14 Prozent verirrte Personen.

Der klassische Einsatz im Fels und Eis macht nur einen geringen Anteil der Einsätze aus, ebenso die Bergung von Lawinenopfern. Hier sind die Einsätze mit rund einem Prozent gegenüber dem Jahr 2017 gleichgeblieben. Bereits 20 Prozent aller Einsätze erfolgten in der Dunkelheit. 28 Menschen konnten im Jahr 2018 von den Bergrettern nur mehr tot geborgen werden. Im Jahr 2017 waren es mit 38 Toten um zehn mehr als 2018.

Wander- und Mountainbike-Boom spiegelt sich in Einsatzstatistik wider

Zahlreiche Ausrückungen betrafen die Bergung von verunglückten Skifahrern (rund 25 Prozent der Einsätze) und Wanderern bzw. Bergsteigern (rund 36 Prozent).  Auffallend ist, dass die Einsätze wegen verunglückter Wanderer bzw. Bergsteiger im Vergleich zum Jahr 2017 um vier Prozentpunkte gestiegen sind. In der Einsatzstatistik spiegelt sich auch der steigende Mountainbike-Trend. Die Einsätze stiegen hier von rund vier Prozent im Jahr 2017 auf rund zehn Prozent im Jahr 2018 an.

Verteilt auf die Bezirke waren die häufigsten Einsätze wieder im Pongau (285), gefolgt vom Pinzgau (245), Flachgau (98), Tennengau (37), Lungau  (29) zu leisten.
Auffallend im „Bezirksranking" ist der konstante Anstieg von Einsätzen für Wanderer in Bergnot im Flachgau.

Die Bergretter leisten neben den Einsätzen noch tausende ehrenamtliche Stunden (98.985 Stunden) für eine anspruchsvolle Aus- und Fortbildung. Ein fertig ausgebildeter Bergretter muss vier Kurse absolviert haben. „Wir sind stolz auf das hohe Niveau unserer umfassenden Ausbildung, die jeweils mit einer Prüfung abgeschlossen wird“, erklärte Landesleiter Balthasar Laireiter. So stehen in der Bergrettung Salzburg auch die unterschiedlichsten Spezialisten aus Hundeführern oder Canyoningrettern 24 Stunden in Einsatzbereitschaft.

Neuwahlen: 100 Prozent Zustimmung

Bei der Landesversammlung wurden auch der Landesleiter Balthasar Laireiter und sein Pinzgauer Stellvertreter Klaus Wagenbichler (mit 100 Prozent der Stimmen) wieder gewählt; genauso wie das Team der acht ehrenamtlichen Referenten (aus Ausbildung, Hundewesen, Medizin, Finanzen, EDV, Recht, Presse und Technik – ebenso mit 100 Prozent Zustimmung).

Ehrungen, Jubiläen, neue Funktionäre und Ehrengäste

Geehrt wurden der zurückgetretene Funktionär Coen Weesjes (ehem. Bezirksleiter Pongau) sowie für 50 Jahre Georg Eberharter (Krimml) sowie für 40 Jahre Bergrettungsdienst die anwesenden Ortsstellenleiter Roland Pfund (Bad Gastein), Peter Nothdurfter (Krimml) und für 25 Jahre Franz Waltl (Enzingerboden).

Gerhard Kremser freut sich auf sein neues Amt als Bezirksleiter des Pongaues. Markus Rettenwender übernimmt die Funktion des Ortsstellenleiters in Hüttschlag.

Als Ehrengäste begrüßte LL Laireiter LH Dr. Christian Stöckl, Mag. Reinhold Mayr (BezHauptmann Salzburg-Umgebung), HR. Mag. Burghard Vouk (LPD Stv. Salzburg), Johannes Neuhofer (OBR LFW Verband Salzburg), Richard Hemetsberger (BM Grödig), LL Monika Feichtner und LLStv. Hans Günther (Höhlenrettung), Ing. Estolf Müller (Alt Landesleiter), Coen Weesjes (Alt Bez. Leiter Pongau)

Angespannte Finanzsituation Bergrettung Salzburg

„Nach wie vor angespannt ist jedoch die finanziellen Situation für unsere Einsatzorganisation“, so der Finanzreferent der Bergrettung, Martin Malter. „Obwohl wir extrem sparen, wären dringend höhere Zuschüsse nötig, um die hochqualitative Arbeit weiterhin aufrecht erhalten zu können.“  Dazu Landesleiter Laireiter: „Die Bergretter finanzieren sich einen Großteil ihrer Ausrüstung selbst. Dass sie beispielsweise auch ihre privaten Fahrzeuge für Einsätze verwenden müssen, ist nicht mehr zeitgemäß.“ Hier wäre ein Zuschuss seitens der öffentlichen Hand sehr hilfreich. Für den Großteil an finanzieller Unterstützung kommen die Fördermitglieder und Sponsoren der Bergrettung auf.

Seit Jahren legt die Bergrettung Wert auf präventive Aufklärungsarbeit. „Ob es in der Wintersaison die Aufklärungsarbeit zu Risikomanagement im Bereich Lawinenkunde ist, oder ob es um Sicherheitsstandards am Berg geht - die Menschen schätzen erfreulicherweise unsere Informationen und nehmen sie auch ernst", betonte der Landesleiter, der auf einen wichtigen Punkt hinweist: „Leider sehen wir durch die ansteigenden Einsätze auch immer wieder Probleme der Verunglückten mit den Einsatzkostenverrechnungen. Gerade bei Sucheinsätzen oder wenn ein Hubschraubereinsatz nötig ist, sind schnell hohe Einsatzkosten erreicht.“

Um 28 Euro ist die ganze Familie versichert

Auch wenn alle Bergretter und Bergretterinnen ehrenamtlich arbeiten, erfordern eine fundierte Ausbildung und modernste Materialien einen stetig wachsenden, hohen finanziellen Einsatz. „Aus diesem Grund möchte ich unbedingt auf die Möglichkeit einer Förder-Mitgliedschaft bei der Bergrettung aufmerksam machen. Denn was viele Wanderer und Bergsportler immer noch nicht wissen: Für einen Unfall in den Bergen kommt nicht die normale Versicherung auf, es wird hierfür eine Zusatzversicherung bzw. eine Versicherung bei alpinen Vereinen benötigt“, so Laireiter.

Die Bergrettung Salzburg bietet hierfür eine Fördermitgliedschaft an: Für 28 Euro jährlich ist die komplette Familie versichert. Im Fels, im Eis, auf der Piste und am Wanderweg.

Wie finanziert sich die Bergrettung?

Die Finanzierung des ehrenamtlichen Bergrettungsdienstes steht derzeit auf fünf Säulen:
25 % öffentliche Hand (Gemeinden, Land)
30 % Förderer
20 % Bergekosten
15% Sponsoren und Spenden
10% eigene Veranstaltungen

Neuer Gesetzesentwurf geplant

„Ich plane einen Antrag für einen neuen Gesetztesentwurf im Landtag“, versprach LH-Stv. Christian Stöckl (ÖVP) der Bergrettung Salzburg. Stöckl ist seit Anfang des Jahres im Gesundheitsressort für die Bergrettung verantwortlich und besuchte gemeinsam mit dem Flachgauer Bezirkshauptmann Reinhold Mayer und weiteren Ehrengästen die Landesversammlung am Samstag in Grödig. „Die Förderungen für die Rettungsorganisationen sollen auf neue Füße gestellt werden.“

Bericht/Bilder: Maria Riedler