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Wenn Bergretter reisen: Skiabenteuer im Iran

Es ist der 6. April. Wir brechen in den Iran auf und planen dort den höchsten Berg, den 5.671 Meter hohen Demavand, zu besteigen. Wir, das sind vier Bergretter und drei Freunde, die bereits den ganzen Winter für diese Reise trainiert haben.

Voll beladen

Skitransport im Iran

Aufstieg Sarachtal

Aufstieg DemavandBargah-e-Sevom

Aufsteig auf den Demavand

Am Changiz Chal

Reisen in den Iran sind nicht ganz so „einfach“ zu organisieren wie etwa Skitourenausflüge in Europa, nach Nordamerika oder in das an Bergsteiger gewöhnte Indien. Es wird schon interessant, wenn man versucht, das Geld für die Bergführer zu überweisen - durch die internationalen Sanktionen fast ein Ding der Unmöglichkeit! Ein Visum etwa bekommt man nur mit der Einladung eines Einheimischen.

Über Wien erreichen wir Teheran. Ahmad, der für uns die Einladung ausgesprochen hat, damit wir ein Visum bekommen, wartet schon auf uns. Er bringt uns in das 60 Kilometer entfernte Teheran in die Wohnung von Hassan, unserem Bergführer. Wir machen es uns in seiner Wohnung gemütlich, genießen die obligatorische Eierspeise mit Tomaten und das typische mit Sesam bestreute Fladenbrot.

 Steile und exponierte Abfahrten

Am nächsten Morgen starten wir ins Alborz Gebirge und den Ort Shemshak, wo unsere ersten Skitouren starten. Im näheren Umkreis liegen die rassigen Viertausender Sarak Chal und Kolum Bastak. Die Ski stecken wir bei der Anfahrt zum Berg einfach durch die offenen Fensterscheiben, Skiträger gibt es keine. Unsere Skier ragen über die Autodächer hinaus, ein recht witziges Bild. Die Anstiege messen bis zu 45 Grad. Ohne Harscheisen wäre das Gehen nicht möglich. Bei den Abfahrten belohnen wir uns mit steilen und exponierten Varianten, die Hassan nur ein Kopfschütteln kosten. Skifahren ist im Iran definitiv eine Randsportart.

Wir sind mittlerweile recht gut akklimatisiert und wollen es nun wissen. Der Wechsel von Shemshak in die östlich gelegene Ortschaft Rhine geht problemlos über die Bühne. Gegen Abend beziehen wir unser neues Quartier mit dem Klo im Außenhof und der Dusche im Ölkeller.

 Europäer sind herzlich willkommen

Das Wetter zeigt sich in den nächsten beiden Tagen von seiner instabilen Seite. Wir legen also einen Rasttag ein und erkunden das Dorf. Die Gegend ist sehr karg, die Leute extrem freundlich und interessiert. Sie stellen uns immer wieder Fragen über unsere Herkunft und wie denn die Amerikaner so sind. Wir Europäer sind aber herzlich willkommen und eine angenehme Abwechslung in ihrem Alltag.

Für die zwei folgenden Tage ist die Wettervorhersage dann stabil und bietet ein kurzes Zeitfenster für die Besteigung des Demavand. Wir entscheiden uns für eine zügige Besteigung mit nur einer Übernachtung auf der Bargah Sewom Hütte. Die Tour startet unter der Moschee Gusfandsara auf einer Seehöhe von 2.750 Metern. Die Hütte auf 4.250 Meter ist extrem kalt und ungemütlich. Wir ziehen alle unsere Sachen an und legen uns sofort in die Schlafsäcke.

Nach einem kurzen Frühstück starten wir um 5.00 Uhr, die Bewegung tut uns allen gut. Es ist eine unfreundliche Gegend mit Kälte und Sturm. Die Höhe macht sich bei allen bemerkbar. Es ist sehr steil und ein über uns gehender Skitourengeher rutscht aus und kommt uns die Flanke herunter entgegen. Im 40 Grad steilen Gelände kommt er 20 Meter vor mir zu liegen. Hilfe nimmt er keine an und beginnt hinter uns wieder mit dem Aufstieg. Auf 5.300 Meter drehen dann zwei von uns um. Die Höhe und die schlaflose Nacht haben sie geknickt.

 Orientierung mit GPS

Auf 5.450 Meter deponieren wir die Ski und gehen zu Fuß weiter. Wir sehen maximal 20 Meter weit und orientieren uns mit dem GPS. Nach sechseinhalb Stunden erreichen wir den Gipfel und beginnen nach dem Gipfelfoto mit dem Abstieg.

Zurück beim Skidepot wird die Sicht besser und wir können zur Hütte abfahren. Wir rasten dort nur kurz und fahren dann bei perfekten Schneeverhältnissen bis ins Tal ab. Eine 2.500 Höhenmeter-Abfahrt an einem Tag von einem 5.671 Meter hohen Berg: ein geniales Gefühl macht sich breit.

 Mittlerweile sind unsere zehn Tage im Iran wie im Flug vergangen. Wir sind wieder reisefertig und bereit nach Hause zu fahren. Mit vielen Eindrücken im Gepäck sind wir mehr als zufrieden. Ein anderes Skibergsteigen als in unserem wunderbaren Europa. Ein Skibergsteigen ohne genaues Kartenmaterial, ohne organisierte Berg- und Flugrettung, mit ein wenig Zurückhaltung.

Teilnehmer: Die Bergretter Wolfgang und Kati Farkas, Andreas Kappacher und Daniel Haslinger. Sowie Christian Mühlberger, Klaus Strasser, Barbara Kappacher

Text und Bilder: Andreas Kappacher

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