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Wenn Bergretter reisen: Die Ama Dablam

Im November 2019 war es soweit. Mike Schweiger, Bergretter aus St. Johann, bestieg die in Nepal gelegene 6.814 Meter hohe Ama Dablam. Die „Mutter und ihre Halskette“ ist einer der formschönsten Berge in der Khumbu Region. Der Berg wird auch als „Matterhorn Nepals“ bezeichnet. Mike Schweiger berichtet.

Ongcchu, Mike, Kerstin und Pempa: Ankunft in Namche Bazar

der Südwestgrat der Ama Dablam

Advanced Base Camp, 5400Hm

High Camp 2 auf 6200 Hm, Ongcchu und Mike in Kletter- passagen nach dem Grauen Turm

Die Mushroom Ridge auf 6500 Hm, letzter ebener Platz von dem noch Seilbergungen durchgeführt werden. Blick Richtung Süden

Gipfel der Ama Dablam, Ongcchu und Mike, im Hintergrund Everest, Lhotse und Nuptse

Kerstin im Abstieg, im Hintergrund High Camp 2

Namche Bazar

Eines Abends, bei einem kitschigen Sonnenuntergang auf der Werfener Hütte, entstand der Plan, dass Kerstin, Prakash Pemba und ich eine Bergtour zur Ama Dablam starten. Prakash Pemba, immer wieder auf der Werfener Hütte zum Arbeiten, hatte sich in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Climbing Sherpas entwickelt. Er war unter anderem 2 mal am Gipfel des Mount Everest und der Ama Dablam. Dabei hat er alle seine Klienten sicher rauf und runter gebracht , 100 % Quote.

Nach anfänglichen Zweifeln betreffend unserer technischen Möglichkeiten für die Besteigung dieses Berges ( kombiniertes Eis- und Felsgelände im V. Schwierigkeitsgrad ) konnten diese von Pemba ausgeräumt werden und wir begannen mit dem Training und der Planung für unsere Expedition

Der Aufbruch

Im November 2019 war es soweit. Wir flogen nach Nepal. Nach einem Tag Aufenthalt in Kathmandu und organisatorischer Erledigungen flogen wir am nächsten Tag per Helikopter nach Lukla ( 2750 Hm ). In den nächsten 6 Tagen wanderten wir via Namche Bazar- Tengboche-Dingboche- in das Base Camp mit Lodge der Ama Dablam auf 4600 Hm. Immer wieder wurden während der Tagesetappen noch kurze Wanderungen mit Höhengewinn durchgeführt unter dem Motto  „ Climb high-sleep low „.

Nach einem Ruhetag im Base Camp begann die eigentliche Akklimatisation und Vorbereitung auf die technischen Schwierigkeiten- immer wieder wurde in Etappen auf die nächsten Camps aufgestiegen, genächtigt, trainiert und wieder ins Base Camp abgestiegen. Dies erfolgte zum ABC auf 5400 HM,  High Camp 1 auf 5800 Hm, High Camp 2 auf 6200 Hm.

Zwischen HC 1 und HC 2  wurde der Gelbe Turm und in weiterer Folge ab HC 2 der Graue Turm mehrfach geklettert, dies vor allem auch auf Grund der Tatsache, weil der Gipfeltag um 23.00 Uhr vom HC 2  startete und dabei diese schwierigen Kletterstellen bei Dunkelheit bewältigt werden mussten. Es sind zwar durchgehend Fixseile angebracht und die Sicherung erfolgt mit einer Steigklemme ( Petzl Ascension ) trotzdem ist es mit Rucksack und Expeditionsschuhen kein leichtes diese Kletterpassagen zu überwinden.

Die Besteigung

Nach insgesamt 9 Tagen des Trainings und der Akklimatisation folgten 2 Ruhetage und das Wetter war uns gnädig- ein Wetterfenster von 4 Tagen mit geringen Temperaturen ( - 17 Grad auf 6200 Hm ) und geringer Windgeschwindigkeit ( 35-40 km/h ) wurden prognostiziert. Somit stand einem Gipfelversuch nichts im Wege.

Es ist nicht selbstverständlich, gesund zu bleiben und die Akklimatisationstage sowie die danach benötigten Gipfeltage so perfekt zu bekommen. In dieser Höhe gibt es kein Wunschkonzert, nur Dankbarkeit und Demut wenn dies der Fall ist.

Nach einer Nacht im HC 1 und einem weiteren kurzen Abend im HC 2 startete mein Gipfeltag um 00:30 Uhr.Von den ersten 6 Stunden des Aufstieges kann ich nicht viel erzählen, es war kalt, windig und unangenehm, keine Momente die ich irgendwie als angenehm in Erinnerung habe. Erst als die Morgendämmerung eine erste Sicht auf den Gipfel freigab kam ein Gefühl der Erleichterung, der Wärme durch die ersten Sonnenstrahlen- und um 08:03 Uhr, am 05.11.2019, war es dann so weit.

Gipfelglück

Sechs der 14 Achttausender und der Blick in das tibetische Hochland sind nur ein Teil des faszinierendes Rundumblicks von einem der schönsten Berge der Welt bei minus 35 Grad (mit Windchill). Einige Fotos und ein Telefonat mit meiner Lebensgefährtin in Österreich- ein Hurra auf unser digitalisiertes Zeitalter.

Beim Abstieg in den nächsten Stunden noch einmal volle Konzentration - jedes Mal kontrollieren ob das Abseilgerät ( ATC Guide ) richtig eingelegt ist- ein kleiner Fehler kann fatale Folgen haben.

Erst wenn man wieder im High Camp 2 angelangt ist kann man den Gipfelerfolg genießen. Am Weg nach unten treffe ich Kerstin, per Funk habe ich am Gipfel ihre Gratulationen entgegen genommen- sie ist motiviert und ich wünsche ihr viel Glück. Um 14.00 Uhr komme ich ins ersehnte HC 2- endlich den Rucksack ablegen, die Füße ausstrecken und loslassen- Erleichterung- Demut-Stolz- sicher zurück- Danke.

Nach Tee und Tomatensuppe kommen meine Lebensgeister wieder zurück, mittlerweile habe ich per Funk auch den Gipfelerfolg von Kerstin vernommen und um 17.00 Uhr ist auch sie gemeinsam mit Pemba wieder im HC 2.

Nach einer weiteren Nacht im HC 2 beginnen wir am nächsten Tag erschöpft aber glücklich den Abstieg ins Base Camp wo wir am Abend mit einem „Summit Cake „ und einer kleinen Feier überrascht werden.

Etwa 200 Alpinisten pro Jahr am Gipfel

Laut vor Ort erhältlichen Informationen erreichen nur ca. 200-250  Alpinisten pro Jahr den Gipfel der Ama Dablam in der 2 monatigen Saison, dies vor allem auf Grund der technischen Schwierigkeiten und der extremen Kälte. Die Ausfallsquote liegt bei 40 %,  15 Seilbergungen mussten diese Saison durchgeführt werden.

Bericht & BIlder: Mike Schweiger

87 Geborgene Personen
(2020 aktuell)
124 Einsätze
(2020 aktuell)
1407 aktive Einsatzkräfte
im Land Salzburg (2020 aktuell)