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Vier Deutsche im Gebiet des Großvenedigers nahezu unverletzt gefunden!

Die vier Schneeschuhwanderer, die seit Samstagabend im Großvenedigergebiet vermisst waren, wurden Dienstagmorgen gefunden!

Die ÖBRD Ortsstellen Matrei, Prägraten und Neukirchen waren im Einsatz.

Lawinen- und Spaltengefahr im Venedigergebiet (Foto Sepp Schiefer)

Die seit Samstag im Großvenediger-Gebiet vermissten vier deutschen Schneeschuhwanderer - unter ihnen der Baubürgermeister von Pforzheim (Baden-Württemberg), Alexander Uhlig  - sind Dienstag früh wohlbehalten unterhalb der Venediger Scharte vom Hubschrauber des Innenministeriums der Flugeinsatzstelle Klagenfurt "Libelle FLIR" geborgen und zu Tal geflogen worden.
In Biwak drei Nächte auf Gletscher überlebt
Die vier Bergsteiger verdanken ihr Leben ihrer guten Ausrüstung und ihrem Verhalten. Nachdem sie sich am Großvenediger verirrt hatten, bauten sie eine Schneehöhle. Nach der Rettung wurden sie zur Beobachtung ins Krankenhaus nach Lienz gebracht, wo ihre wahrscheinlich eher leichteren Erfrierungen sowie ihre Unterkühlung behandelt werden. 
    
Drei Nächte am Gletscher waren für das Quartett eine enorme Herausforderung, die sie bestmöglichst gemanagt haben. 
Die vier erfahrenen Bergsteiger im Alter von 40 bis 50 Jahren errichteten sich in ca. 3.500 Metern Seehöhe ein Not-Biwakquartier, nachdem sie beim Abstieg vom Großvenediger unterhalb der Venediger Scharte vom Wetter überrascht worden waren und sich im Nebel verirrt hatten.
Die Bergsteiger hätten mit den Kräften sehr gut hausgehalten. Die Urlauber haben sich die Getränke und das Essen kameradschaftlich aufgeteilt, so der Landesleiter der Bergrettung Salzburg, Estolf Müller. "Sie haben sich hervorragend verhalten und ihr Not-Biwakquartier aufgestellt - da dürfte ihnen ihre Bergerfahrung sehr zugute gekommen sein."
Auch die Bergausrüstung sei sehr gut gewesen, denn ansonsten hätten sie bei diesen Wetterverhältnissen (Neuschnee, starker Wind und eisige Kälte) nicht so gut überlebt (die Vier sind Mitglieder des DAV´s).
Außer ein paar Erfrierungen und einer Unterkühlung sind sie nicht verletzt. Psychisch geht es den vier Deutschen sehr gut.

Lichtzeichen und Winken
Das nördliche Gebiet unterhalb des Gipfels ist sehr spaltenreich. Als die vier Vermissten den Hubschrauber am Dienstagvormittag gehört hätten, hätten sie sich mit Lichtzeichen und Winken bemerkbar gemacht.

Die Vier wurden vom Hubschrauber aus entdeckt – sie waren bereits aus dem Not-Biwak gekrochen machten sich mit Winkzeichen, Lampen und Schaufeln bemerkbar. Gegen 7.25 Uhr waren alle sicher und wohlbehalten im Tal gelandet.

Nach den deutschen Bergsteigern wurde seit Samstagabend gesucht.


3 Nächte im Biwak auf knapp 3500 m

Laut Polizeiinformationen
hatten sie auf einer Seehöhe von etwa 3.420 m zwischen Großvenediger und Rainerhorn in der Rainerscharte biwakiert. Beim Abstieg vom Gipfel des Großvenedigers in Richtung Venedigerscharte wollten sie ursprünglich zu ihrem Ausgangspunkt Kürsingerhütte absteigen. Im Bereich der Venedigerscharte gerieten die Personen in Nebel und verfehlten die Scharte und stiegen irrtümlicherweise in Richtung Neue Pragerhütte ab. Als sie ihren Irrtum bemerkten drehten sie um und stiegen wieder bergwärts in der Meinung die Venedigerscharte zu erreichen. Die Männer gerieten aber bei immer schlechter werdenden Verhältnissen in Richtung Rainertörl bzw. Rainerhorn. Als sie die Orientierung vollends verloren hatten, entschlossen sie sich gegen 17.00 Uhr aufgrund des immer stärker werdenden Sturms und Schneefalls ein Not-Biwak zu errichten, um sich vor dem Wetter zu schützen.


Zur vergangenen Suchaktion - Archiv:

Suchaktion seit Samstag
Die vier deutschen Bergsteiger im Alter zwischen 40 und 50 Jahren werden seit Samstag, 3. April, im Gebiet des Großvenedigers vermisst. Da das Quartett aus dem Raum Pforzheim bis zum Abend nicht vom Großvenediger zur Kürsingerhütte zurückkehrte, wurde von einem dort wartenden Freund die Bergrettung Neukirchen alarmiert. Die großangelegte Suchaktion nach den vier Männern verlief bislang ergebnislos.

Die vier Deutschen - Mitglieder des Deutschen Alpenvereins - waren am Samstag von der Kürsingerhütte zum Gipfel des 3.662 Meter hohen Großvenedigers aufgebrochen. Um 12.30 Uhr erreichten sie den Gipfel, und 14.00 Uhr wurden sie zum letzten Mal von einer anderen Bergsteigergruppe gesehen. Im Nebel stieg das gut ausgerüstete Quartett in Richtung Osttirol ab und ging in Richtung Prager Hütte. Gegen 19.00 Uhr startete die Bergrettung eine Suchaktion nach den Männern - sowohl von Salzburger als auch von Osttiroler Seite. Diese Suche blieb bis 23.30 Uhr allerdings ergebnislos.

Keine Spuren gefunden

Am Sonntag waren 20 Männer der Bergrettungen Neukirchen und 54 Osttiroler Bergretter aus Matrei und Prägraten sowie Alpinpolizisten im Einsatz. Die Suche wurde Sonntagnachmittag auf das gesamte Großvenedigergebiet im Grenzraum zwischen Salzburg und Osttirol ausgeweitet, aber durch widrige Witterung, Lawinen- und Spaltengefahr behindert.
Da die Prager Hütte nicht bewirtschaftet ist und keinen Handyempfang hat, stiegen Osttiroler Bergretter auf, um eventuell dort die Vermissten zu finden. Doch diese Hoffnung blieb unerfüllt.
Das Suchgebiet ist riesig, nach den Deutschen wurde etwa mögliche Strecken Richtung Defreggerhaus oder Johannishütte bereits abgesucht.

„Wir konnten auf der Salzburger Seite keinerlei Spuren im Schnee von den Vermissten entdecken“, schildert der Ortsstellenleiter der Bergrettung Neukirchen, Hanspeter Stotter.
Auch ein Suchflug konnte aufgrund der Wetterverhältnisse nicht geflogen werden.
Weiters erschwerend ist, dass sich das Wetter weiter verschlechtert und dass an der Ostseite des Großvenedigers im Bereich der Prager Hütte durch den nächtlichen Schneefall die Lawinengefahr stark angestiegen ist. Der Bereich zwischen der Prager Hütte und dem Talboden innerhalb Innergschlöss konnte bei den herrschenden Lawinen- und Sichtbedingungen aus Sicherheitsgründen nicht abgesucht werden.
Am Montag, 5. April wird die Suchaktion wieder fortgeführt, so der Ortsstellenleiter der Bergrettung Neukirchen, Hanspeter Stotter.

Suchaktion Montag
Am Montag, 5. April, waren die Wetterbedingungen für eine ausgedehnte Suchaktion nach den Vermissten äußerst schlecht. 
Von der Salzburger Seite aus wurde zwar ab 14:30 Uhr wieder nach den deutschen Bergsteigern gesucht, doch leider verhinderten Nebel und starke Föhnböen größere Suchaktionen auch mittels Hubschrauber. Im Grenzgebiet des Großvenedigers hätte versucht werden sollen, Signale von Lawinenverschüttetensuchgeräten zu orten. Es wird vermutet, dass sich die Deutschen im Gebiet der Venediger Scharte im Nebel verirrt haben und eventuell in eine falsche Richtung abgestiegen sind.
Gegen 20.00 Uhr musste die Suche wieder abgebrochen werden.

Neuschnee und Lawinengefahr
Der bis zu 20 Zentimeter hohe Neuschnee hat mittlerweile alle Spuren verdeckt. Die Lawinengefahr hat sich erhöht (Stufe 3 und teilweise noch höher).
Am Montagnachmittag brachten die Neukirchener Bergretter den fünften Bergsteiger der deutschen Gruppe, der auf das Quartett in der Kürsingerhütte gewartet hatte, ins Tal.
Am frühen Dienstagmorgen, 6. April, wird – sofern es die Wetterbedingungen zulassen – wieder mit der Suche gestartet. Gehofft wird, dass eventuelle Signale von LVS-Geräten vom Hubschrauber aus geortet werden können. Suchtrupps der Bergrettung stehen jedenfalls samt Hundeführer in Bereitschaft.

480 Geborgene Personen
(2020 aktuell)
574 Einsätze
(2020 aktuell)
1432 aktive Einsatzkräfte
im Land Salzburg (2020 aktuell)