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Ushba, 4698m, Kaukasien-Georgien

Es gibt viele Uebersetzungen  fuer den Namen „Ushba“. Von Wetterhexe bis Schreckensberg,... doch deuten sie alle auf die furchtbare Wildheit und Unnahbarkeit des wohl beruehmtesten Berges im Kaukasus hin.

 

Wir, zwei Mitglieder der Bergrettung Salzburg (Christian Nedomlel und Alex Gruber) sind gemeinsam mit dem Niederoesterreicher Hubert Hortschitz in eigener Organisation auf eine 10-taegige Expedition aufgebrochen um den 4.697m hohen Nordgipfel  zu besteigen.

 

Die Uebersetzung aus einem lokalen Fuehrer laeßt bereits einiges ueber dieses Unternehmen erahnen:

 

„ Ein Klassiker unter den Klassikern und nicht ueberraschend der Traum eines jeden Alpinisten an dem im russischen Raum wohl bekanntesten Berg. Es ist ein schwieriger Berg der nicht leicht zu besteigen ist. Gute Schneeverhaeltnisse machen die beiden ersten Eiswaende einfach, den darauffolgenden Grat allerdings umso schwieriger. Sommerliche Bedingungen haben meist die gegenteiligen Verhaeltnisse zur Folge. In jedem Fall muss ein langer, scharfkantiger und unglaublich exponierter - meist beidseitig ueberwaechteter - Gipfelgrat erklommen werden, wobei  beim Erreichen des Gipfels erst der halbe Weg geschafft ist. Der Rueckweg ueber die schwierig abzusichernde Aufstiegsroute  ist mindestens genau so anspruchsvoll.“

 

Nach unserer Anreise ueber Muenchen nach Tiflis fuehrte uns eine 10-stuendige Autofahrt in das einfache Bauerndorf Mazeri in Swanetien, in dem wir mit Familienanschluß uebernachteten. Tags darauf  folgten wir dem Dolra River flussaufwaerts bis im Norden der Ushba Gletscher sichtbar wurde. Nach kurzer Kontrolle durch das georgische Militaer stiegen wir bei bestem Wetter, beladen mit unseren schweren Rucksaecken einen steil ansteigenden Pfad hinauf. Dieser fuehrte uns zu  einem Bergsteigerdenkmal welches auf ca. 2.300m liegt.

 

Aus Gruenden der besseren Akklimatisation haben wir bereits hier unsere erste Nacht verbracht und konnten ueber den Nachmittag verteilt mehrere Versuche einer Helikopterbergung am Nord- bzw. Suedgipfel des Ushba beobachten. Von Rettungskräften konnten wir erfahren, dass auf der von uns geplanten Aufstiegsroute ein Armenischer Bergsteiger seit mehreren Tagen festsaß. Am Suedgipfel war hingegen ein russischer Kletterer in den Tod gestuerzt.

 

Am naechsten Tag folgten wir bei Regen der moderat ansteigenden Gletschermoraene in einer langen Linkskurve um nach kurzer Klettereinlage ueber steil ansteigendes Felsgelaende unseren naechsten Biwakplatz auf ca. 3300m zu erreichen. Die Gipfel des Ushba waren den ganzen Tag dicht in Wolken gehuellt.

 

Fruehzeitig am naechsten Morgen suchten wir uns - bei immer noch instabilem Wetter – einen Weg durch den unglaublich zerkluefteten Ushba-Gletscher, bis auf das sogenannte Ushba Plateau in 4.000m. Hier treffen der Ushba- und der mittlerweile nicht mehr begehbare Shkhelda-Gletscher aufeinander und man haette, bei entsprechenden Wetter-Verhaeltnissen, eine recht gute Sicht auf den nur rund 50km entfernten Elbrus.

 

Da uns dieser Anblick aufgrund von Nebel nicht moeglich war, stapften wir durch immer tiefer werdenden Schnee, vorbei an großen Gletscherspalten. Weiter ging es steil ansteigend in Richtung der 4.200m hohen Ushba-Schulter. Die Schulter diente als Ausgangspunkt fuer die Gipfeletappe. Biwakplaetze waren aufgrund bereits wieder abgestiegener russischer Alpinisten vorhanden, die allerdings allesamt den Gipfel nicht erreicht hatten. Am Abend traf noch eine weitere Seilschaft auf der Schulter ein. Ein russchischer Alpinist informierte uns ueber die prognostizierte stabile Wetterlage des naechsten Tages. Diese Information hatte er von seinen Kollegen im Tal erhalten, mit denen er ueber Funk in Kontakt stand.

 

Eigentlich wollten wir bereits gegen sechs Uhr morgens aufbrechen. Da es in der Nacht allerdings stark gestuermt und geschneit hatte, war frueh am Morgen, außer Nebel, nichts zu sehen. Wir blieben deswegen noch in unseren ohnehin zu duennen Schlafsaecken liegen und zitterten dem Sonnenaufgang entgegen. Eine gute Stunde spaeter, war der Himmel ploetzlich klar und wir machten uns verspaetet ans Wasserschmelzen. Die russische Seilschaft war bereits in Richtung erstes Eisfeld gestartet.

 

Kurz nach acht Uhr waren auch wir soweit und folgten der russischen Seilschaft in die Gipfeletappe. Die Russen hatten sich bereits bis zum Ende des ersten Eisfeldes hochgekaempft und machten sich gerade daran in das Zweite einzusteigen. Da wir nur mit leichtem Gepaeck unterwegs waren und das Eisfeld aufgrund guter Verhaeltnisse seilfrei kletterten, konnten wir die schwerer beladenen Russen bereits in der Mitte des zweiten Eisfeldes ueberholen. Von dort an spurten wir selbst dem ueberwaechteten Gipfelgrat entgegen.

 

Am Grat angekommen war bereits alles in dichten Nebel gehuellt, jedoch erst ein kleines Stueck der Strecke bewaeltigt. Wir seilten uns an und kletterten den steilen und ueberwaechteten Grat entlang in Richtung Gipfel. Der Schnee war teilweise grundlos, die Kletterei entsprechend anstrengend und anspruchsvoll.

 

Um ca. 13:00 Ortszeit erreichten wir dann die Spitze des Nordgipfels auf 4.698m. Hier wurden wir mit einem grandiosen Ausblick, ueber die Wolken hinweg, sowie einem freien Blick zum Suedgipfel belohnt.

 

Nach kurzer Rast machten wir uns dann auch schon auf den Rueckweg und erreichten nach 9 Stunden Kletterzeit wieder unsere Zelte. Hier wurde dann mit Vodka auf den Gipfel und Hubert´s 45ten Geburtstag angestoßen. Die zwei darauffolgenden Tage nutzten wir fuer einen gemuetlichen Abstieg nach Mazeri um noch rechtzeitig den Heimflug zu erreichen.

 

Fazit: Eine der Verhaeltnisse entsprechend anspruchsvolle Tour, auf einen nicht ganz einfachen 4.000er.

 

Danke auch an unseren Sponsor Vacon

 

Bericht und Fotos: Christian Nedomlel und Alex Gruber, August 2012

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