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Neues im Bereich Lawine

Alpine Mühlen malen langsamer! Fragen aus der Sicht eines Bergretters...

Klaus Wagenbichler, LL Stv. und Bundesreferent Lawine

Manche Erfindungen haben sich nach Jahrzehnten noch nicht in dem Umfang durchgesetzt, wie man es durchaus erwarten dürfte: Die Realität konfrontiert uns leider immer wieder damit, dass Schitourengeher (immer begründet mit dubiosen Ausreden) auf die inzwischen zum Standard gewordene Notfallausrüstung (LVS/Sonde/Schaufel) verzichten.
Wenn schon nur ein Teil der Tourengeher ihre „Lebensversicherung“ - sprich Notfallausrüstung - mitführt, wie sieht es dann wohl erst mit der Handhabung/Bedienung in der Stresssituation eines Lawinenabganges aus?
Die neueste Untersuchung des Schweizer Lawinenforschungsinstitutes zeigt eindeutig, dass die Überlebenschancen von Totalverschütteten durch die Verwendung von LVS-Geräten im Rahmen der Kameradenhilfegravierend steigen.
Parallel zu den Entwicklungen im Bereich der Ausrüstung (LVS Geräte digitaler Bauart, Airbags, Avalanche Balls…..) wurden Strategien (Stop or Go, SnowCard…..) für den Umgang mit der Lawinengefahr entwickelt.
Beschränkte Verwendung bekannter Strategien
Doch auch hier stellt sich die gleiche Frage wie bei der Notfallausrüstung:
Warum werden diese anwenderfreundlichen Strategien von jenen, für die sie geschaffen wurden, nur sehr beschränkt angewendet?
Will man lieber nicht wahrhaben (die Anwendung von „Stop or Go“ würde es ja eindeutig aufzeigen), dass die Situation unsicher oder sogar gefährlich ist?! Setzt man sich lieber einer tödlichen Gefahr aus, als auf eine Schitour zu verzichten?
Neues im Bereich Lawine
Vor Jahren wurde bereits nachgewiesen, dass bei Anwendung von „Stop or Go“ ein Großteil der Lawinenunfälle hätte vermieden werden können.
Weniger Lawinenunfälle, weniger zu Bergende und Verletzte und weniger Tote – weniger Arbeit für die Einsatzkräfte! Das Mitführen der Notfallausrüstung und die Ver- und Anwendung von Sicherheitsstrategien liegt also im Interesse jedes einzelnen Bergretters!
Seit kurzem erweitern neue Produkte die Sicherheitsausrüstung für Schitourengeher, die auch für uns Bergretter interessant sind:
 
Die Firma Snow Pulse bietet einen Airbag an, der durch Druckluft gefüllt wird, den Kopf einschließt und damit die Bildung einer Atemhöhle ermöglichen kann. Durch die Positionierung des Airbags um Schultern,  Kopf-  und Brustbereich sollen die Atemwege an der Lawinenoberfläche bleiben.
Information unter www.snowpulse.com


ORTOVOX 
hat gemeinsam mit dem Bayerischen Lawinenwarndienst„Check and Ride“ entwickelt. 
„Check and Ride“ ist keine risiko-strategische Entscheidungshilfe sondern stellt lediglich Informationen für eine individuelle Lawinenbeurteilung bereit.

Lawinenrelevante Faktoren (aus dem LLB) lassen sich einfach einstellen. Diese Daten stehen somit für eine Beurteilung jederzeit zur Verfügung. Exposition und Neigung können mittels eingebautem Kompass und Neigungsmesser festgestellt werden.

In kritischen Lawinensituationen könnte „Check and Ride“ die Entscheidung  erleichtern! 
Information unter www.ortovox.com



Schneedeckenuntersuchungen erfreuen sich nicht unbedingt großer Beliebtheit(meist nur bei Ausbildungskursen!). Auf Tour wird der Blick in die Schneedecke meist als zu zeitaufwändig erachtet. Dieser „Zeitaufwand“  trägt jedoch entscheidend zur Beurteilung der Lawinengefahr vor Ort bei.
 
Der „Kleine Rutschblocktest“ des Bayerischen Lawinenwarndienstes untersucht primär die Gleitfähigkeit zweier Schneeschichten zueinander.

Also die Möglichkeit des Abganges eines Schneebrettes. Der Zeitaufwand ist gering, Kenntnisse in Schnee- und Lawinenkunde sind natürlich hilfreich - aber nicht unbedingt erforderlich.

Information und Details zum „Kleinen Rutschblocktest“ finden sich in, Berg & Steigen/Österreichischer Alpenverein, Ausgabe  4/06, Systematische Schneedecken Diagnose.

Neben der standardmäßig mitgeführten Notfallausrüstung (LVS, Sonde/Schaufel) erhöhen Sicherheitsprodukte wie AirBag oder Avalanche Ball die Sicherheit der Retter. Da sie gleichzeitig eine visuelle Ortungshilfe darstellen reduzieren sie dadurch die Suchzeit.
Gerade für jene Einsatzkräfte, die bei kritischen Lawinensituationen als Erster die Situation vor Ort abklären müssen, stellt die Verwendung zusätzlicher Sicherheitsausrüstung eine Erweiterung/Verbesserung des Eigenschutzes dar.

Wagenbichler Klaus                       
Bundesverband ÖBRD                          
Referat Lawinen

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