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Klettersteige - eine ungefährliche Möglichkeit für Gelegenheitskletterer?

Gedanken zu einer Sommerübung am Leoganger Klettersteig – Süd.

Was üben wir eigentlich? Sind es Techniken? (alle Bilder: Sepp Herzog und Hannes Hirschbichler, Bergrettung Salzburg)

Kapperbergung und Seilbahnbau oder noch viel mehr?

Seit ein paar Jahren gibt es ihn jetzt, den Leoganger Klettersteig.

Von Anfang an durch Mundpropaganda sehr beliebt, begannen spätestens nach dem Erscheinen im Klettersteigführer die Begehungszahlen ständig zu steigen.
Klettersteige – eine ungefährliche Möglichkeit, wie auch Gelegenheitskletterer das Gefühl in ausgesetztem Fels und überhängenden Wandstellen erleben können - oder??

Ein durchgehend gespanntes Stahlseil vermittelt Sicherheit und eigentlich kann nichts passieren…
Dass das nicht immer so sein muss, zeigte der tragische Unfall eines Kameraden, der sich schon beim Bau des Steiges 2005 ereignete.

Die steigenden Begehungszahlen sowie die Tatsache, dass sich oft auch Ungeübte oder zu wenig Trainierte in die schwierige Variante an der Südseite wagen waren die Hauptgründe dafür eine Übung am Leoganger Klettersteig „Süd“ durchzuführen.

Die Übungsannahme ist denkbar:
Ein ausgepumpter Klettersteigbegeher - nach einem kurzen aber harten Sturz in die Sicherung verletzt - ist nicht mehr in der Lage, die Schlüsselstelle, den Bergführerquergang im oberen Drittel der Wand, zu überwinden.
Weil die Bedingungen einen Hubschraubereinsatz nicht zulassen, bleibt nur eine Bergung von oben.
Dabei stellte sich die Frage, von wo aus eine Kapperbergung erfolgen kann und ob sich im unteren, flacheren Teil die Möglichkeit einer Seilbahn ergibt.
Der obere, überhängende Wandteil war, wie vorhergesehen, nur durch eine Kapperbergung zu überwinden.
Drei Mann brachten so den Verletzten problemlos zu den in der Wandmitte gelegenen Grasbändern, wo vier Mann der Mannschaft nach einer Möglichkeit für eine Seilbahn suchten und die Verankerung für die Bergstation vorbereitet und aufgebaut hatten.
Von dort aus war die gesamte restliche Strecke (etwa 150m) in einem Zug mit einer Stahlseil-Seilbahn zu überwinden.



Beim Seilbahnbau machten wir drei wichtige Erfahrungen:
1. Das Einhängen des Verletzten in die Seilbahn funktioniert nicht so leicht, wie man sich das vorstellt.
2. Latschen sind beim Stahlseilspannen genauso hinterlistig, wie wenn man bergauf irgendwo vom Weg abkommt…
3. Die Aufhängegurte unserer UT sind nicht auffindbar…

Etwa zwei Stunden nach dem Eintreffen beim Verletzten konnte dieser auf dem Zustiegsweg am Wandfuß übernommen werden.

Nach einer Übung wie dieser, mit einigen unbekannten Vorgaben, stellt sich vor allem eine Frage:
Was genau wird denn eigentlich geübt?
Ist es das vorschriftsmäßige, perfekte Abspulen von erlernten Bergungsverfahren, in diesem Fall Kapperbergung und Seilbahnbau?
Oder geht es darum, sich auf die vorhandenen Bedingungen einzustellen, gemeinsam mit den Kameraden zu improvisieren und dabei trotzdem auf der „sicheren Seite“ zu bleiben?

Wenn man mit erfahrenen Bergrettungskameraden redet, kann man eine Aussage immer wieder heraushören:

 Es kommt nie genau so, wie man es sich erwartet hat!
 (trifft meiner Meinung nach auch auf den Rest vom Leben zu…)

„Nichts läuft perfekt, man wird immer improvisieren müssen und sich auf das einstellen, was an Unvorhergesehenen daherkommt.

Genau das wurde am 19:07.08 am Leoganger Klettersteig geübt.

Hannes Hirschbichler

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