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Hoher Blutzoll in den Bergen

Seit Anfang Juni war die Bergrettung 57 Mal im Einsatz. In den ersten zwei Augustwochen starben in Salzburgs Bergen bereits vier Menschen.

57 Einsätze gab es seit Anfang Juni – und allein im August bereits vier Tote. (Foto: Bergrettung Salzburg)

Heinz Bayer/Salzburger Nachrichten

2,5 Millionen Urlauber kommen Sommer für Sommer nach Salzburg. Damit herrscht auch in den Bergen Hochsaison. Das lässt sich an der Einsatzbilanz der Bergrettung Salzburg erkennen. 57 Einsätze gab es seit Anfang Juni – und allein im August bereits vier Tote.
Nicht große Unfälle in spektakulären Kletterwänden halten die Bergretter auf Trab. Es sind vor allem Routineeinsätze, ausgelöst durch Touristen und Wanderer mit wenig Bergerfahrung. Seit Anfang August kamen die Retter trotz großen Engagements vier Mal zu spät:

- Montag, 11. August: Ein 64-jähriger Brite bricht kurz vor dem Gipfelkreuz auf dem Hundstein in Maria Alm zusammen. Er stirbt neben seinen Begleitern, der Tochter und dem Schwiegersohn, an Erschöpfung.

- Sonntag, 10. August: Zwei Alpinisten finden im Gemeindegebiet von Göriach auf dem Steig zwischen Piendlhütte und Piendlsee in 1950 Metern Seehöhe einen 54-jährigen Grieskirchner (OÖ). Der Mann ist tot. Er dürfte eine Lungenembolie erlitten haben. Die alarmierten Einsatzkräfte können nicht mehr helfen.

- Mittwoch, 6. August: Ein 55-jähriger Wiener kehrt von einer Bergtour im Gebiet des Rauriser Sonnblicks nicht mehr zurück. Frau und die Kinder warten bis 17 Uhr vergebens im Urlaubsquartier, dann schlagen sie Alarm. 21 Bergretter brechen auf. Sie finden die Leiche des Wieners knapp vor Mitternacht in 2700 m Seehöhe. Der Mann war nach einem 30-Meter-Sturz in eine steile Rinne gestorben.

- Mittwoch, 6. August: Eine 62-jährige Wienerin verirrt sich mit ihrem Mann auf dem Weg zur Bischofsmütze. Ein etwa 300 Kilo schwerer Stein löst sich und streift die Frau. Sie erliegt ihren schweren Verletzungen wenige Stunden später im KH Schwarzach. Estolf Müller, Landesobmann der Bergrettung Salzburg: „Stolpern, Ausrutschen, Erschöpfung. Das sind sehr häufig Auslöser für Unfälle. Nach wie vor mangelt es an Aufklärung. Viele sind sich der Gefahren in den Bergen nicht bewusst. Die Kooperation mit den Fremdenverkehrsverbänden ist nicht, wie sie sein sollte. Der Tourismus beschützt seine Gäste zu wenig.“

In der Unfallbilanz nehmen Stürze auf Wegen und Steigen, durch Ausrutschen oder Stolpern mit 75 Prozent den ersten Platz ein. 13 Prozent der Unfallopfer landen im Krankenhaus oder auf dem Friedhof, weil sie sich überschätzen und die Strapazen zugleich unterschätzen.

„Die hochalpinen Wege verludern immer mehr“
Der Kapruner Alpinarzt Franz Berghold: „Zu wenig Kondition und Selbstüberschätzung. Die Dinge wiederholen sich. Aktuell entsteht eine neue Gefahr, weil es die alpinen Vereine wirtschaftlich und personell nicht mehr schaffen, die hochalpinen Wege so in Schuss zu halten wie in den letzten Jahrzehnten. Diese Wege verludern. Das Fatale daran: Die Tourismusverbände fühlen sich nicht zuständig und die alpinen Vereine sind längst am Limit.“

© SN/SW (Heinz Bayer)

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