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Ein halbes Jahrhundert für die Bergrettung

Seit 50 Jahren ist Walter Haggenmüller mit der Bergrettung in Mühlbach/Hochkönig „verheiratet“; fast zehn Jahre länger als mit seiner Frau. In dieser Zeit hat er Menschen in Bergnot geholfen, Einsätze und Schulungen durchgeführt und geleitet.

Ein halbes Jahrhundert im Dienst der Bergrettung. (Foto: Maria Riedler)

„Es war nach dem Krieg, in den späten 50er Jahren, da habe ich von Adi Sallaberger, der die Ortsstelle Mühlbach nach den Kriegsjahren wieder aufgebaut hat, meine ersten Bergrettungstechniken gelernt“, erzählt der jahrelange ehemalige Ortsstellenleiter von Mühlbach. Vor kurzem beschloss Walter Haggenmüller, dass es an der Zeit wäre, kürzer zu treten und übergab die Leitung der Ortsstelle an seinen Nachfolger Thomas Knöpfler. Mit einem Lächeln und nicht ohne Stolz blättert Haggenmüller beim Gespräch mit den PN in der 100-Jahre Chronik der Ortsstelle Mühlbach. „Die 100-Jahrefeier im letzten Jahr habe ich noch organisiert“, schildert Haggenmüller rückblickend.

Blick in die Geschichte der Ortsstelle
Auch er ist Teil der Geschichte der Ortsstelle. Der begeisterte Bergsteiger und Skilanglauf-Landesjugendmeister der 60er Jahre war nach dem Krieg immer mit dabei – bei den ersten Fels- und Eisausbildungskursen und vor allem auch bei den großen und schwierigen Einsätzen in dieser Zeit, wie etwa zu Pfingsten 1960: Ein Polizeischüler aus Wasserburg am Inn war im Bereich des Großen Bratschenkopfes abgängig gemeldet worden. Gemeinsam mit seinem Freund und Kletterkameraden Sepp Plenk und anderen Ortsstellenmitgliedern suchte Haggenmüller nach dem Abgängigen. Aus Tagen wurden Wochen und später Jahre. „Sogar Auspendler und Wahrsager versuchten ihr Glück, aber der junge Bergsteiger blieb verschollen. Mir ließ das einfach keine Ruhe und nach fast acht Jahren fanden Sepp und ich am Fuße des Bratschenkopfes skelettierte Überreste des Bergsteigers“.

Ohne Selbstsicherung unterwegs
Die Einsätze waren damals für die jungen Bergretter oft extrem schwierig und gefährlich. “Mit Hanfseil, selbstgebastelten Haken und Holztragen mussten wir Verletzte aus den steilen Wänden des Hochköniggebiets bergen. Das waren oft schweißtreibende und riskante Manöver, die das Letzte von uns forderten, “ erinnert sich Walter Haggenmüller. „Zum Teil waren wir ohne Selbstsicherung, Helm oder Seil bei Sucheinsätzen unterwegs. Einmal konnten wir aufgrund des einbrechenden dichten Nebels und der Dunkelheit den Birgkarausstieg nicht mehr finden, obwohl wir die Gegend wie unsere Westentasche kannten.“ 

Schon als junger Bursche lief Haggenmüller von Mühlbach aus in „seine“ Berge zum Klettern oder auch nur um bei Arbeiten am Matrashaus mitzuhelfen. Meist nur mit einem Eierspeisbrot als Tagesproviant machte sich der „Rotzlöffel“ (so seine Eltern) morgens auf den Weg um am frühen Abend wieder heimzukehren.

Einsatzbereit auch mit gebrochener Rippe
Die vielen folgenden ehrenamtlichen Stunden der Einsatzbereitschaft für den Dienst am Nächsten waren für ihn eine wertvolle Zeit der Kameradschaft, erzählt Haggenmüller. „Einmal habe ich meine aktiven Stunden für die Bergrettung in einem Jahr - für Aus- und Fortbildungen, Übungen und Versammlungen - notiert und bin auf 640 geleistete Stunden gekommen“, erzählt Walter Haggenmüller schmunzelnd. Wer allerdings glaubt, dass sich Walter Haggenmüller nun gänzlich zurückzieht, der irrt. „Am Wochenende haben wir wieder eine Übung. Da bin ich trotz meiner gebrochenen Rippe mit dabei“, lacht Haggenmüller. „Ich nehme halt einen Brustgurt, damit es nicht so weh tut.“

Selbstloser Einsatz für Menschen in Bergnot - mit Sicherheit keine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft. „Die Mitglieder der Ortsstelle Mühlbach bedanken sich bei Walter für seinen großartigen Einsatz “, meint sein Nachfolger, Thomas Knöpfler. „Walter war ein Perfektionist in Organisation und Vorbereitung.“

Maria Riedler/Pongauer Nachrichten


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