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Chirurg als Berufung

Der ehemalige Ortsstellenarzt der Bergrettung Bischofshofen, Robert Schachinger, leitet seit vergangenem Herbst in Nepal ein aus Spendengeldern finanziertes Krankenhaus. Er kämpft dort mit vielen Freiwilligen unter teilweise widrigsten Bedingungen als plastisch rekonstruktiver Chirurg.

Die Patienten, die zu ihm ins „Sushma Koirala Memorial Hospital" kommen, sind oftmals Patienten, die in den dortigen staatlichen Häusern eine Behandlung nicht bezahlen können. Die meisten nepalesischen Patienten suchen allerdings in dem kleinen Krankenhaus mit fünfzig Betten und zwei Operationsräumen um Hilfe beim plastisch rekonstruktiven Chirurgen Schachinger. In Nepal gibt es ansonsten keine Chirurgie auf diesem Niveau, und die um Hilfe suchenden Menschen leiden etwa an schrecklichen Folgen von Verbrennungen. In Nepal ist es noch üblich, in den Häusern mit offenem Feuer zu kochen und zu heizen. „Viele dieser Patienten kommen zu mir in einem jämmerlichen Zustand", erzählt Robert Schachinger. „Sie haben oft Hautverbrennungen bis zu 50 Prozent Körperoberfläche erlitten. Ich habe leider auch sehr oft kleine Kinder, die abends, todmüde von der Feldarbeit, am wärmenden Feuer einschlafen und direkt in die Glut oder in den kochenden Wasserkessel fallen. Viele versterben direkt vor Ort, andere werden dann Tage später – einfach weil die Anreise mehrere Tage dauert – im schlimmsten Zustand zu uns gebracht".

Letzter Ausweg für manche Patienten
Viele seiner Patienten sind auch vier bis fünfmal voroperiert und das mangelnde Ergebnis lässt sie Hilfe beim plastischen Chirurgen suchen. Neben diesen sehr aufwändigen Verbrennungsbehandlungen hilft Robert Schachinger auch bei ausgeprägten Missbildungen, wie Lippen-Kiefer-Gaumen Spalten oder Fehlstellungen an den Extremitäten und den immer häufiger werdenden Stromunfällen.
Sein Können ist bei zahlreichen medizinischen Problemen gefragt und sein Einsatz ist vielumfassend: „Erst kürzlich brachte man uns einen 23-jährigen Mann", schildert Schachinger. „Ein 1500 kg schwerer Stein ist ihm auf den Fuß gefallen und hat diesen völlig zermalmt". Durch eine äußerst aufwändige mikrochirurgische Operation half Schachinger. „Ich habe einen großen Muskel vom Rücken auf den Fuß verpflanzt und dort wieder an die Gefäße angeschlossen." Dem jungen Mann wurde damit eine Amputation erspart. Solche Operationen dauern allerdings oft acht bis 15 Stunden und sind unter den dortigen Umständen jedes Mal eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten.

Extreme Energiekrise in Nepal
„Momentan plagt uns vor allem die ausgeprägte Energiekrise. Wir haben tagsüber bis zu 18 Stunden Stromausfall", so Robert Schachinger. „Unsere Generatoren laufen auf  Hochtouren und kommen kaum mehr zum Stillstand - noch ist Diesel dafür erhältlich".
Die Temperaturen liegen derzeit in Nepal zwischen 0° und 15°. Das macht das Leben für die Patienten in den ungeheizten Zimmern und die Durchführungen der Operationen nicht leichter. "Leider mangelt es uns halt an Vielem", klagt er. „Wir sind natürlich darauf bedacht, die Patienten, die täglich vor der Tür stehen, ordentlich zu behandeln und annähernd westlich-medizinischen Standard zu bieten". Durch harte Kalkulation und durch Verwendung von wiederverwertbaren Materialienkostet etwa eine mittelgroße Operation mit einwöchigem, stationärem Aufenthalt 150 Euro!

Robert Schachinger hat immer wieder Freiwillige, die in ihrem Urlaub bei ihm mithelfen und in der Arbeit unterstützen. Das sind etwa Ärztekollegen, Krankenschwestern, Sprachtherapeuten, Physiotherapeuten und viele andere Freiwillige. Trotzdem wird das Krankenhaus hauptsächlich aus Spendengeldern finanziert. Schachinger und sein Team sind stolz darauf, dass sie bislang noch keine Patienten wegschicken mussten.
„Das ist so auch möglich, da in Nepal immer ein Angehöriger mit dem Patient im Krankenhaus bleibt und diesen mit Essen oder anderen privat notwendigen Dingen, versorgt", erzählt Schachinger. „Doch manche können sich nicht mal das tägliche Essen in der Krankenhauskantine leisten, sodass das dann im Servicepaket von uns voll übernommen wird. Allein die strahlenden Augen der Kinder, die wenige Tage nach der Operation leuchten, machen viele Mühen und Anstrengungen erträglich und lassen uns in eine hoffentlich stabiler werdende Zukunft in Nepal schauen".


Robert Schachinger freut sich über alle Besucher/innen aus Österreich -
Sollte jemand mit ihm in Kontakt treten (Expeditionsteilnehmer) wollen:
Nähere Infos bei
maria.riedler@bergrettung-salzburg.at

Spendenkonto für das SKM-Hospital in Nepal:
Bank: 
Allgemeine Sparkasse OÖ Bank AG
          KontoNr.:   32100-113251
          Blz.:   20320

Homepage:
http://www.nepalhospital.de/index.php/DE/nepal/home

 

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