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Bergretter retten Rehkitze mit Drohne

Durch Drohnen mit Wärmebildkamera können kleine Rehkitze in hohen Wiesen ausfindig gemacht und vor dem Mähwerk geschützt werden. Bei diesem Projekt mit dabei sind auch Bergretter der Ortsstelle Werfen.

Das Projekt ist von Leader Region gefördert. Sechs Werfener Bergretter wurden dafür als Drohnenpiloten ausgebildet. Einer davon ist Herbert Deutinger, Leiter der Bergrettung Werfen. Der Einsatz für Drohnen ist allerdings vielfältig. "Es bietet sich natürlich an, dass wir diese Drohne auch für Sucheinsätze nützen. Ebenso für unsere Tätigkeit bei der Lawinenwarnkommission, oder als Assistenz bei Feuerwehreinsätzen, oder bei der Suche nach vermissten Almtieren", sagt Herbert Deutinger.

Hier der gesamte Bericht von unserer Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Maria Riedler (SN, Pongau).

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Quelle: www.sn.at/salzburg/chronik/mit-der-drohne-auf-rehkitzrettung-87594991 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2020

Mit der Drohne auf Rehkitzrettung

Die ehrenamtlich engagierten Drohnenpiloten sind früh aufgestanden und lassen ihre Drohne über die Wiesen von Andreas Seidl in Tenneck schweben. Mittels Wärmebildkamera trainieren sie die Rehkitz-Suche. Aufgrund der Infrarotkameras kommt die Drohnensuche bevorzugt vor Sonnenaufgang zum Einsatz, da zu diesem Zeitpunkt die Temperaturunterschiede am größten sind. Die Frühjahrsmahd fällt zusammen mit der Brut- und Setzzeit der Wildtiere, die in Wiesen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Denn um den Nachwuchs vor Fressfeinden zu schützen, wird er von den Geißen in hochgewachsenen Wiesen versteckt. Diese kommt nur zum Säugen, damit sie auf ihr Kleines nicht aufmerksam macht. Das Kitz duckt sich bei Gefahr noch tiefer ins Gras, auch wenn der laute Mähtraktor kommt. Sie werden übermäht, weil man sie übersieht.
 

Die Helfer haben heute zur Übung in der Wiese mehrere versteckte Reh-Attrappen mit Wärmflaschen ausgelegt, die zu finden sind. Die Piloten der Drohne fliegen in einem vorgegebenen Raster die Wiesen ab. An dem Fluggerät hängt eine Wärmebildkamera. Was durch sie gefilmt wird, können zwei andere Helfer auf zwei Bildschirmen - einem mobilen und einem statischen - verfolgen. "Ich habe vor zehn Jahren ein Rehkitz von Jägern zum Aufziehen bekommen", erzählt Irmgard Wimmer, die Obfrau des neuen Vereins Rehkitzrettung und Copterassistenz. Sie wohnt in einem Haus am Waldrand und hatte seit dem Auswildern "ihres" einstigen Kitzes noch immer eine sehr innige Beziehung und täglichen Kontakt mit ihm. Immer wieder hätten ihr auch Landwirte von schrecklichen Unfällen beim Mähen der Wiesen im Frühling erzählt, "auch wie die Geiß panisch war, als der Bauer das Rehkitz erschlagen musste und täglich auf der Wiese dann nach dem Kitz gesucht hat. Und wie man sich vorstellen kann, ist das auch für Bauern eine entsetzliche Situation." Wenn eine Drohne ein Kitz aufgrund des Temperaturunterschiedes aufgespürt hat, suchen die Freiwilligen an ebendieser Stelle. Die anderen Helfer lotsen den Suchenden mit einem Funkgerät zur Fundstelle. Vorsichtig wird das Rehkitz in eine Kiste gesetzt und an den Feldrand gebracht. Dabei ist es äußerst wichtig, die Kitze mit viel Gras in den Händen hochzuheben, damit sie keinen menschlichen Geruch aufnehmen. Sonst würden sie vom Muttertier verstoßen oder von Fressfeinden entdeckt. Sie bleiben dort und rufen instinktiv nach ihrer Mutter. Lebewesen geben mehr Wärme als ihre Umgebung ab - und diesen Unterschied bildet die Kamera ab. So lassen sich die Tiere aufspüren. Allerdings keine einfache Aufgabe, wie sich alle Beteiligten einig sind. Es braucht viel Praxis und deshalb sei es wichtig, so einen Einsatz öfter zu trainieren. Man weiß, dass herkömmliche Methoden zur Rehkitzrettung, wie etwa Vertreiben mit Scheuchen und Duftstoffen sehr zeitaufwendig und nicht immer erfolgreich sind. So wurde beobachtet, dass sich sehr junge Rehkitze nicht vertreiben lassen beziehungsweise Geißen aufgrund von Gewöhnung an viele Störreize die Kitze auch bei Verblenden nicht aus dem Feld holen.
 

Die Piloten des Vereins sind bereits rasch und punktgenau in ihrer Suche. Innerhalb kürzester Zeit haben sie alle ausgelegten Attrappen finden können. Die Drohnen und insbesondere die Wärmebildkamera sind allerdings recht kostspielig. "Aus diesem Grund haben wir uns mit mehreren Interessierten, auch aus der Bergrettung, vernetzt", sagt Wimmer. "Hinter dem Projekt der Rehkitzrettung stand die Idee, dass wir die Drohne auch für andere Zwecke nützen, immer in Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägern. Dass eine solche Suche gemeindeübergreifend und ressourcenschonend durch eine einsatzerfahrene und eingespielte kleine Crew für viele Zwecke genützt werden kann." Das Pilotenteam besteht aus sechs Personen, darunter erfahrene Mitglieder wie Manfred Schwaiger, früherer Leiter der Alpinpolizei im Pongau, auch ausgebildeter Berg- und Flugretter.

Dazu gehört auch Dirk Buchner, sonst beruflich als AUA-Kapitän unterwegs, oder auch Herbert Deutinger, der Leiter der Bergrettung Werfen. "Es bietet sich natürlich an, dass wir diese Drohne auch für Sucheinsätze nützen. Ebenso für unsere Tätigkeit bei der Lawinenwarnkommission. Oder als Assistenz bei Feuerwehreinsätzen, oder bei der Suche nach vermissten Almtieren", sagt Deutinger. Die Mitglieder des Vereins können jederzeit und so früh wie möglich telefonisch oder durch WhatsApp unter 0680/2489890 kontaktiert werden. "Wir melden uns umgehend zurück." Die Dienste der ehrenamtlichen Piloten sind kostenlos, der Verein finanziert sich hauptsächlich über Spenden. Die Rehkitzrettung wurde als Leader-Projekt ausgewählt und bekommt so noch zusätzliche finanzielle Unterstützung.

Quelle: www.sn.at/salzburg/chronik/mit-der-drohne-auf-rehkitzrettung-87594991 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2020

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