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Schnell mal durch die Wand: Gedanken von Sepp Schiefer zum Klettersteigboom

Klettersteig gehen – Klettersteig klettern- oder Klettersteig hanteln – egal eben schnell mal durch die Wand: Das Instant-Abenteuer
Im Geschäftsleben läuft heute alles schneller, Ziele werden gesteckt, müssen sehr kurzfristig und punktgenau erreicht werden. Parallel dazu die Freizeit, auch hier: Wenn überhaupt, macht man schnell mal einen Alpinkurs, kauft sich eine tolle Ausrüstung und will gleich durch die „Eigerwand“ Wer sich auf solche Instant-Abenteuer einlässt, erleidet sehr oft Schiffbruch. Der  Mensch sucht aber geradezu den Kick, hascht nach Superlativen im Sinne von höher- schneller- weiter- ja sogar double und tripple 8000er Besteigungen werden ohne Rücksicht auf Verluste in Angriff genommen. Gewiss eine Frage der Ethik, welche die „Bersteigerschaft“ wie so oft in zwei Lager spaltet.

140

Gut - es muss nicht gleich ein Achttausender sein - da reicht für einen nach  Selbstverwirklichung strebenden „Zwangs-Dauer-Meer-Urlauber“ dann schon ein Klettersteig der Schwierigkeit E. Passieren soll halt nix - und wenn doch, dann wird halt schnell mal die 140 ins Handy getippt oder der Rettungshubi gerufen - wie jüngst im Bergführerquergang des Leoganger Süd Klettersteiges  

 

F-wie Freiwillige Lebensgefahr

Dem Himmel sei Dank - erbarmen sich immer wieder Gemeinden, Alpine Vereine oder Tourismusmanager dieser armen Spezies und nageln unsere Bergwelt, ja selbst schier unerreichbare Wände, mit Tonnen von Eisen voll.
Der Erste „F“ Hantelsteig wurde in der Steiermark konstruiert. 

Über die Sinnhaftigkeit dieser Extremstvariante wird noch heftig diskutiert werden, da dieser im Grunde für die meisten Klettersteiggeher uninteressant - oder wie es auf der Tafel vermerkt wird - sogar "lebensgefährlich" ist. Das erste „Klettersteigrennen“ Ferrata Race Dachstein fand von wenigen Wochen am Hunerkogel statt...

 

Eventgesellschaft

Freilich gab es stets eine Entwicklung und letztlich soll auch die Weitergabe des Feuers vor der Anbetung der Asche stehen, aber vielerorts wehrt man sich bereits gegen die Übererschließung - durch die meist findige Touristiker - aufgrund des allgemeinen Klettersteigbooms.
Auch wenn es schon lange Eisenwege wie z.B. in den Dolomiten gab/gibt (diese fanden ihren Ursprung als Versorgungswege im ersten Weltkrieg und hatten einen notwendigen Hintergrund) wurden damals nur wenige aus rein sportlichen Gründen gebaut.
Die Motive, Klettersteige zu errichten sind heutzutage nur sportliche - es geht nicht darum, begehrte Gipfel und Wege abzusichern und leichter begehbar zu machen, es geht darum mit dem Superlativ zu spielen und immer noch steilere, extremere, längere etc. Kletter/ Hantelsteige zu kreieren.
Bedeutet uns die landschaftliche Schönheit überhaupt nichts mehr; ist das einzig Ausschlaggebende, dass möglichst viele Klimmzüge gemacht und man sich ordentlich geplagt hat? Was soll das Ganze? Wo liegt die Grenze? Oder ist das eh alles normal und ich bin wieder einmal einer, der versucht mit der Spritzpistole einen Waldbrand zu löschen?

 

Mit diesen Fragen möchte ich schließen und euch liebe Bergretterinnen/retter einladen, eure Gedanken zum Thema an die Redaktion zu senden!

Sepp Schiefer/Redaktion Bergrettung Salzburg
Alle Bilder Sepp Schiefer - nur das letzte Bild ist von bergsteigen.at! Danke!

Gesammelte Antworten

Hallo Sepp!
 
Bevor du den Waldbrand mit deiner Spritzpistole allein löschen musst, nehm ich mir die Zeit und helfe dir.
Bin zwar, sag ich ganz ehrlich, bei deinen Beiträgen nicht immer der gleichen Meinung, soll eh so sein, aber mit der Klettersteigentwicklung triffst du den Nagel auf den Kopf.
 
Man kann bei allem was so um uns herum geschieht zuschauen und sagen, was geht’s mich an, interessiert mich nicht, oder halt doch gewisse Dinge aufzeigen.
 
Ich für meinen Teil beobachte die Entwicklung im Bergsport schon lange mit etwas gemischten Gefühlen, nicht nur bei den Klettersteigen, wo man von einer Entwicklung (Entwicklung ist für mich Fortschritt) ja gar nicht mehr reden kann.
 
Die Menschen werden immer bequemer, wollen das schnelle Fastfoodabenteuer ohne viel Aufwand.
Mache ich eine Tour in einem nicht überlaufenen, nicht versicherten einsamen Gebiet (welche es in unseren Bergen Gott sei Dank noch gibt), so muss ich mich ja damit schon im Vorfeld auseinandersetzen -Tourenplanung machen, Orientierung ist nicht so einfach wie am gespannten Seil, vielleicht auch noch die eine oder andere Stelle selber sichern, man ist alleine usw. da ist es doch viel einfacher mir im I-Net einen Klettersteig zu suchen - Wetter ist auch online - ab ins nächste Sportgeschäft Ausrüstung kaufen und auf geht’s. Ich brauche keine Tourenplanung (Schwierigkeitsbewertung kenn ich mich eh nicht aus), der Weg zum Einstieg ist super markiert und danach ins Drahtseil gehängt und schon ist man am Gipfel, und auf der Rückseite super - da ist auch ein Klettersteig wieder runter.
 
Dass da die Wirtschaft samt Touristiker, Seilbahnbetreiber, Hüttenbetreiber usw. aufspringen ist ganz klar, die sehen natürlich, dass mit diesem derzeitigen Trend ein Geschäft zu machen ist. Und wenn’s um Geschäft geht, mach’s lieber ich als der Nachbar (Nachbarort Nachbarhütte). Und wenn der Nachbar einen Klettersteig hat, dann bauen halt wir noch einen besseren und so schaukelt sich das Ganze hinauf - bis zu den jetzigen Auswüchsen. Ist doch alles ganz normal, das kennen wir ja aus vielen anderen Dingen des Lebens.
 
Bergsteigen hat für mich immer bedeutet, seinen Sport in der unberührten Natur auszuführen. Abzuwägen - bin ich gut genug trainiert, dass ich diesen Berg oder diese Tour machen kann - oder lass ich’s lieber und geh was Leichteres. Motivation war immer zu trainieren, sich zu verbessern um das eigene Können dem Berg anzupassen und nicht den Berg dem eigenen Können.
 
Das Schöne am Bergsteigen ist doch in der Natur unterwegs zu sein - egal welche Schwierigkeit die Tour hat. Eine schöne, einfache Gipfelbesteigung kann befriedigender sein, als eine schwere Tour, oder eine steile Klettersteigbegehung, wo man sich nur an Seilen hinaufzieht.
 
Klettersteige generell zu verbannen ist sicher nicht der richtige Weg (würde gleichbedeutend sein, wenn man uns Kletterern die Bohrhacken verbietet, wobei da auch gilt - oftmals bißl weniger ist mehr) -aber die derzeitige Entwicklung führt ganz sicher in eine Sackgasse. Man bringt Leute in Wände denen sie nicht gewachsen sind, Klettersteige sind nur mehr mit großem Kraftaufwand (Krafttraining) zu bewältigen, wer die Ausgesetztheit nicht gewohnt ist, kann schnell in Panik geraten - der kleinste Vorfall kann schwere Unfälle nach sich ziehen - mit den Klettersteigsets wird Sicherheit vermittelt, ein Sturz in dieses möchte ich allerdings nicht probieren. Man könnte diese Gegenargumentation lange fortführen.
 
Wäre es vielleicht nicht besser, alte vergessene Anstiege oder leichte Kletterrouten im 2-4 Schwierigkeitsgrad soweit zu sanieren, dass sie sicher zu begehen sind und dass schon noch ein bißl Eigenverantwortung bei der Sicherung und Wegfindung gefragt ist? Ich denke, dass derjenige, der sich an senkrechten Klettersteigen hinaufzieht, auch die Kraft und das Können hat solche Touren zu bewältigen und dabei sicher mehr Freude an seiner eigenen Leistung hat.
 
Wobei man immer im Kopf behalten soll: in die Berge geht man der Schönheit wegen. Die eigene Leistungsbefriedigung ist ein netter Nebeneffekt.
 
Tritscher Bernd/Ortsstellenleiter Bergrettung Saalfelden

Lieber Sepp,
 
herzliche Gratulation zu deinen kritischen Ausführungen zum heiklen Thema Klettersteig.
 
Ich stimme deinen Gedanken zu und sehe ebenfalls mit Besorgnis die Entwicklung auf diesem Sektor. Ja ich schäme mich für die Kurzsichtigkeit, die mangelnde Sensibilität und Ethik der für die Planung und Errichtung mancher Steiganlagen verantwortlichen Professionisten (die ja nicht selten aus "unserem" Lager kommen). Wie in allen Bereichen des Lebens setzt sich auch hier eine Maßlosigkeit durch die wohl erst durch einen ähnlichen Kollaps wie wir ihn aktuell in der Weltwirtschaft erleben aufgezeigt werden wird.
 
Mir fällt hier immer der "Zauberlehrling" ein: "die Geister die ich rief ....." - so oder ähnlich wird es wohl den zahlreichen und maßlosen Touristikern, den Seilbahnmanagern und auch so manchem, verantwortlichen alpinen Verein in Zukunft ergehen müssen, wenn man die Klettersteig-Entwicklung mancherorts mitverfolgt.
 
Das richtige Maß ist meines Erachtens hier schon lange mehr als überschritten!
 
Dabei wäre es so einfach, wenn sich die vielen Protagonisten einfach mal die Zeit nehmen würden über ihre wahren Werte und den Sinn ihres Tuns nachzudenken. Ehrlichkeit zu sich selbst, zum eigenen Tun und zu seiner eigenen Leistungsfähigkeit würde hier viele Probleme gar nicht erst aufkommen lassen.
 
Also, machen wir den Instantabenteurern die Wertlosigkeit und Oberflächlichkeit ihres Tuns bewusst und bringen wir sie dazu (wie auch immer?) endlich Verantwortung zu übernehmen und ehrliche, wahre Abenteuer zu er-leben!
 
Erst wenn auf die Skywalker mit dem Finger gezeigt wird und ihnen die Anerkennung nicht geschenkt wird, werden sie sich besinnen und es wird wieder Ruhe in den Bergen und Qualität im Bergsport einkehren.
 
Dir wünsche ich alles Gute - es ist immer wieder verblüffend, wie du Augenblicke mit deiner Kamera einfängst!
 
Einen herzlichen Gruß
 
Heini Lechner


Servus Sepp,
 
endlich haben wir auch was im Sommer zu schreiben.

Teile so ziemlich Deine Ansichten und die vom Heini. So wie es jetzt ist, reichts. Zumindest von den Schwierigkeiten. Sicher ist hier und da noch Platz für einen neuen Steig. Für manche Berghütten ist ein Steig sicher ein Gewinn, aber diesen Wahn, immer schwierigere Steige zu bauen, halte ich für bedenklich.
 
Jetzt gibt es ja schon die Kategorie F/G! Ist ja unglaublich. Wenn man nach der letzten Fahrt die Untersbergbahnseile als Klettersteig freigibt, hätte Salzburg sofort den schwierigsten der Welt - zumindest kurzzeitig! Kategorie V/W, ohne Exxen und Pause Y/Z. Müssens halt die Karabiner für die dicken Tragseile a bisserl aufbiegen. Die, die einen 7er oder höher klettern (wie im Topo gefordert), gehen nicht solche Klettersteige. Zumindest nicht die, die ich kenne. Die teilen alle ausnahmslos meine Meinung.

Klettersteigrennen. Wußte ich auch nicht, dass es sowas gibt. Halte ich für absoluten Schwachsinn. Wenn noch dazu die deutschen Großstädter und andere Fit-for-Fun-Bike-Transalp-Challenge-undwasweisichnoch-Fans davon Wind bekommen kannst drauf warten, bis was gröberes passiert. Wenn im Skywalk einer hängenbleibt ... viel Spaß beim drübersteigen! Und bei der Kontrolle des Einhängens. Dann ist wieder der Veranstalter schuld, oder? Siehe Zugspitzlauf. Aber vielleicht geht dieser auch bald über den Alpspitzklettersteig und Jubiläumsgrat. Eine Abfahrt mittels Flying Fox würd sich da auch noch anbieten.

Ach ja, apropos, wie wärs denn noch mit einem Bikerennen mit Klettersteigeinlage. Würd z. B. am Grünstein, Berchtesgaden gehen. Aber mindestens 3 Runden!

In diesem Sinn geh ich jetzt gleich in den Keller und bastel mir eine Klettergurthalterung fürs Bergradl. ... oder richt doch lieber meine Skier her.

Viele Grüße aus Bayern,

Andreas


servus sepp!
schön wieder was von dir zu hören. vor 40 jahren sprach man von der eisenzeit im alpinismus, und was haben wir heute? es steckt mehr stahl im fels als je zuvor. am berg und im tal wird munter darauf losgebaut und noch dazu mit sehr wenig fachlicher kompetenz. unter dem motto, jedes bergdorf braucht seinen klettersteig. alpine vereine und tourismusverbände bezahlen die errichter der klettersteige. anstatt die bestehenden steige dem heutigen stand der technik anzupassen werden immer wieder neue projekte durchgeführt und nach eingesessener art gebaut. seit einiger zeit beschäftige ich mich mit einem dynamik-vertikalsystem, das auf drei säulen steht und nach unzähligen tests in den letzten zwei monaten sehr viel versprechend ist. dieses system kann leicht bei sanierung von bestehenden klettersteigen eingesetzt werden. ich wünsche mir, dass ich mit meinem gedanklich geschützten system einen guten beitrag für die sicherheit der klettersteigbenützer leisten kann.
gute besserung und liebe grüsse
sepp brugger


Servus Sepp, noch einmal!

Weil ich gerade auf der Homepage geschmöckert habe und den Bericht über den Unfall am Königsjodler-Flying-Fox gelesen habe.
Vor 2 Jahren bin ich den Steig mal alleine durchgestiegen weil es mir auf die Nerven ging auf die Frage meiner Bergführerklienten, "was, du bist ursprünglich aus Bischofshofen, da kennst du doch sicher den Königsjodler (als gäbe es für einen Bergsteiger dort keine anderen Herausforderungen!)?" mit nein zu beantworten.
Mutterseelenallein unterwegs, irgendwann am Nachmittag eines schönen Spätherbsttages, erschien mir der Flying Fox zu riskant und ich bin abgeklettert - wie ich jetzt lese, war meine Einschätzung und Entscheidung richtig.
Ich frage mich also, was diese Fun Elemente an einem alpinen Klettersteig zu suchen haben - das grenzt schon an Beleidigung dem "Kinig" gegenüber - die Wegführung über die Grattürme ist doch spektakulär genug. Da zeugt es doch eher von Sensationsgier, Kurzsichtigkeit oder mangelndem Selbstvertrauen, hier noch extra "Event-Elemente" einzubauen.
Servas Heini

 

Frage der Perspektive?

Zunächst einmal danke Sepp, für den interessanten Diskussionsanstoss. 
Sicher denken alle ähnlich, die wie wir schon vor 25 Jahren in klassischen Routen an rostigen Haken (wenn überhaupt) gesichert haben....! :) Neue Entwicklungen werden halt immer sehr kritisch gesehen. Natürlich, mir missfällt auch die Vernagelung der Berge! Nur ist der Königsjodler wirklich ein schlechtes Beispiel: Hier kann man nämlich noch viel "frei" klettern, während die Karabiner am Drahtseil mitlaufen, ohne Metall anzufassen oder draufzusteigen. 

Wichtig: Auch am "Flying Fox" wird niemand gezwungen, umzukehren! Es führt nämlich eine leichte Ausweichroute drumherum.
Solange der Klettersteiggeher die Wahl hat, ist das doch durchaus in Ordnung!
Kletterer, die ab und an allein unterwegs sind, -  ohne Seilpartner, - haben mit Klettersteigen die ideale Möglichkeit, trotzdem in der Senkrechten unterwegs zu sein! Mein Mann ist aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, mitzukommen. Wie haben wir den Sonntag im Grossarltal genießen können, er mit dem Fernglas und dem Weinglas beim Hüttenwirt auf der Terrasse, wenige 100m Luftlinie entfernt ich im Klettersteig.
So hat eben jeder eine subjektive (egoistische?) Sicht auf die neuen Entwicklungen. Ich wünsche Euch, dass Ihr immer einen Seilpartner für Eure Unternehmungen habt!
Darüber hinaus muss man auch sehen, dass das Klettern sicherer geworden ist, und dass viel mehr Kletterer als früher unterwegs sind.
Wenn ich meinen Kindern zuschaue, die in der Halle oder im Klettergarten alle 3 m Bohrhaken benutzen, und daran denke, wie wir früher im gleichen Alter durch die Tofana-Südwand gestiegen sind.... 
dann bin ich froh über "mehr Eisen" in den neuen Routen. Ich weiss, dass man sich gerade im Klettersteig trotz ordentlicher Ausrüstung enormen Verletzungsgefahren aussetzt. Nur gilt doch auch hier, genau wie beim alpinen Freiklettern, der alte Wahlspruch von Paul Preuss; "Den Bergtouren, die wir unternehmen, sollten wir nicht gewachsen, sondern überlegen sein". Dann hat, wer's kann, auch Spass im "Flying Fox".

Nix für ungut und liebe Grüße,  
   
Uta Philipp



Grias Eich nomoi,

jetzt muss ich doch auch noch mal was loswerden, vor allem durch den letzten Eintrag. Mal gleich vorneweg: Der Heini ist staatlich geprüfter Bergführer. Zum Bestehen oder überhaupt zur Zulassung zur Bergführerprüfung wird u. a. ein alpiner 6er im Vorstieg .... mit Bergschuhen verlangt. Uta, Du kannst Dir sicher sein, dass ein Bergführer und auch andere Bergsteiger den Flying Fox locker bewältigen "können".

Darum gehts aber nicht. Bist Du Dir sicher, dass jeder Anker im Klettersteig korrekt sitzt? Die Anker sind zwar verzinkt, können aber bei der Montage oder auch sonst an der Oberfläche beschädigt werden und dadurch, vor allem im nicht sichtbaren Bereich rosten. Bist Dir sicher dass alle Schrauben korrekt angezogen sind. Bist Du Dir sicher, dass das Seil um die Ecke unbeschädigt ist? Es könnte ja beim Gewitter in der vorherigen Nacht durch Steinschlag beschädigt worden sein. Welcher Stahl wurde verwendet? Geprüfter Qualitätsstahl oder Wald- und Wiesenqualität? Wie sind die Schweißnähte? Sind die geprüft? Und und und ....
Fürchte, da kommt noch auf einiges auf uns zu. Aber vielleicht und hoffentlich täusch ich mich da. Sinnvoll wäre eine Art "TÜV" für Klettersteige. Aber da bin ich mir jetzt schon vieler Aufschreie sicher.

Generell weiß ich oft nicht, was in Texten mit "Kletterer" gemeint ist. Ich unterscheide zwischen Kletterern, die frei oder in Seilschaft klettern und Klettersteiggehern, die eben einen Klettersteig gehen. Ist meiner Meinung nach ein deutlicher Unterschied.

Uta, nach AV-Lehrmeinung dient ein Klettersteigseil nicht als Sicherung für freies Klettern im Fels, sondern man sollte sich daran auch festhalten. Falls beim Klettern einer stürzt, federt das Seil durch die Seildehnung den Sturz ab. Natürlich sind Vorstiegstürze trotzdem sehr gefährlich, ein Sturz im Nachstieg dagegen meist harmlos. Wenn Du beim Klettersteig stürzt, beschleunigst Du erst mal. Je steiler die Seilführung und je größer der Ankerabstand, desto größer wird auch Deine kinetische Energie, die Dein Klettersteigset aufnehmen muss. Ein Karabiner hält in Querrichtung je nach Ausführung ca. 6 - 8 kN. Diese Angaben gelten bei einer statischen Prüfung, also bei einem g, was einer Gewichtskraft rund 600 kg - 800 kg entspricht. Bei einen Sturz aus dem Stand erfährt der Körper schon eine Beschleunigung von 4,5 g. Die auftretenden Beschleunigungen bei einem ungebremsten Sturz aus 3 m Höhe betragen ca. 7g. Aus den 600 kg - 800 kg werden also 85 kg - 114 kg, wenn der Sturz nicht durch entsprechende Bremsen abgedämpft wird. Das betrifft vor allem die Spezialisten Spezialisten, die sich die paar Euro für ein Klettersteigset sparen und sich aus Bandschlingen, Reepschnüren und Seitstücken selbst was basteln...... Also samt kompletter Ausrüstung vor dem Start auf die Waage und dann die richtigen Karabiner aussuchen? :-) Trifft beim Sturz noch dazu eine Ankerkante den Karabiner, kann man nur noch beten, wenn noch Zeit ist. Wirkt wie eine Sollbruchstelle. Auch wenn Dein Klettersteigset hält, hat ein solcher Sturz meistens schwere Verletzungen zur Folge. Natürlich liegts an jedem selbst, dass er weiß, was er kann und tut. Gefährlich wirds vorwiegend für Anfänger, die eben glauben, das Klettersteigseil ist eine Nachstiegsicherung. Und wenn ein Anfänger von Dir liest, daß der Königsjodler schön zum Freiklettern ist .....

Nur, damits sicherer gegenüber früher wird, gleich in jede Wand einen Klettersteig hineinzubauen, ist sicher der falsche Weg. Neue Bohrhaken in die Kletterrouten sind da sinnvoller. Aber das ist ein anderes Thema....

Um noch klar zu stellen: Ich bin nicht gegen Klettersteige. Geh selbst ab und zu welche. Geht eben auch ohne Seilpartner, ist ein gutes Training und macht auch Spaß. Aber ich bin gegen den Trend, noch mehr, noch schwerer, noch schärfer, noch spektakulärer und das Ganze gar im Wettkampf.

Wenn ich aus Fenster schau, war ich nahe dran, Euch schon frohe Weihnachten zu wünschen. Also - alles Gute für Eure Bergzeit, egal, ob im Schnee oder Fels (was heuer sicher auch nochmal gehen wird),

Andreas Zauhar