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Bergrettung
 

Zwischen Fangriemen und Stockschlaufen einbetoniert

Und manche glauben noch immer, es gäbe gewisse Zeiten, wo man keine Notausrüstung wie LVS-Gerät, Schaufel und Sonde brauche. Dem ist vehement zu widersprechen - eh klar!
Aber hat sich seit den Untersuchungen im Jahre „Schnee“04/05 etwas geändert? Hier der Link dazu..

Die Verschüttung ist die überwiegende Todesursache von Lawinenopfern. Keine Notfallausrüstung kann die Lawine und die Verschüttung verhindern. Den Verschütteten bleibt meist nur dann eine Überlebenschance, wenn sie innerhalb kurzer Zeit (15 - 20 Minuten) geborgen werden. Jeder Betroffene muss auch Kameradenhelfer sein können, so wie jeder Helfer auch Lawinenopfer sein kann. Deshalb ist das Mitführen der Bergegeräte Schaufel und Sonde ein „Muss“.

 

Jeder, der den gesicherten Skiraum verlässt, muss bei Abgang einer Lawine damit rechnen verschüttet zu werden. Damit die Ortungsmöglichkeit in jedem Fall gegeben ist muss das Ortungssystem unabhängig von einer Mitwirkung des Betroffenen ständig in Funktion sein und in allen Fällen anzeigen. Dies ist nur mit dem LVS-Gerät möglich.

Nur selten wird man es schaffen, einer Lawine durch die so oft propagierte Schussflucht zu entkommen. Dazu müsste man sich vorher die Richtung überlegen, sofort die Bewegung des Hanges merken, selbst in Bewegung und ein sehr guter Schifahrer sein. Schussflucht ok, in Freeridevideos oft gesehen…Was aber, wenn ich im Aufstieg bin, meine „Pelzchen“ mir an der Schneeoberfläche den nötigen Halt geben - an eine spontane Ab/Ausfahrt gar nicht zu denken ist? Was mach ich mit den Stockschlaufen? Wie viele von uns verwenden im Aufstieg überhaupt die Stockschlaufen?

Von Schi und Stöcken trennen - Da diese dann wie ein "Anker" wirken, können sie uns in die Tiefe der Lawine ziehen. Außerdem sollten wir als erstes, wenn mitgeführt, Avalung, Airbagsystem oder den Lawinenball auslösen. Deshalb vor der Abfahrt: Hände aus den Stockschlaufen und die noch immer sehr häufig verwendeten antiquierten Fangriemen durch Schistopper ersetzen!

Wenn wir die Hände in den Stockschlaufen haben, können wir uns kaum gegen den Sog einer Lawine wehren! Wenn wir im Aufstieg auch nicht in den Schlaufen sind- wozu dann überhaupt Stockschlaufen?

Mit Schwimmbewegungen gegen die Schneemassen ankämpfen- (wenn das geht - Gratulation!)
Es wird immer wieder empfohlen, sich durch Schwimmbewegungen so lange wie möglich an der Oberfläche der Schneemassen zu halten und gegen eine Verschüttung zu kämpfen. Zur selben Zeit sollten wir aber eine Atemhöhle herstellen, indem wir mit Hilfe der Hände einen Hohlraum vor Mund und Nase schaffen und vorher natürlich Airbagsystem-Lawinenball auslösen - uns von Stöcken trennen…Es heißt: Wenn du stürzt, kämpfe gegen die Lawine! Wehre dich gegen das Hinuntergezogen werden! Gegen den Schnee treten und mit den Armen kraulartig nach oben drücken. Wenn du merkst, dass die Lawine langsamer wird, Hockstellung einnehmen, Arme vor Brust und Gesicht kreuzen, das Gesicht mit den Händen bedecken.
Meine Erfahrung: das Wichtigste ist die Hockstellung und die Atemhöhle.

 

Wer heutzutage ohne VERSCHÜTTETEN-SUCHGERÄT, SCHAUFEL UND SONDE abseits der Piste unterwegs ist, handelt der FAHRLÄSSIG?
Es ist wie in vielen anderen Bereichen auch – die Standardversorgung ist das Mindeste, was uns zur Verfügung stehen soll. Dazu gehören LVS-Geräte (Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte).  Noch immer sind viele (fast die Hälfte!), abseits der Piste ohne vollständige Notfallausrüstung unterwegs. Einige haben gar nichts dabei oder nur ein (mitunter veraltetes) LVS-Gerät. Schaufel und Sonde brauche ich aber um den verschütteten Freund, den ich mit dem Pips geortet habe, auch ausgraben zu können! Das heißt: Wer nur ein Pips mitführt, kann gerettet werden, aber nicht retten! Das großartigste LVS-Gerät nützt nichts, wenn ich seinen Einsatz nicht beherrsche. Beherrschen geht weit über das hinaus, was in der Gebrauchsanweisung steht: Einschalten, Ausschalten, Batteriewechsel… Nur wer mit seinem Gerät wirklich fit ist, kann unter dem enormen Stress, der entsteht, wenn man um das Leben des Partners kämpft, noch zielgerichtet arbeiten.

VS-Kontrolle! Kaum jemand überprüft deren Funktion vor der Tour.
Einen LVS Checkpoint gibt es bereits in vielen Schi- und Freeridegebieten. Dieser hier ist  gleich neben der Bergstation der Dachstein Seilbahn. Die Anlage stellt eine sehr wichtige Schnittstelle zwischen der gesicherten Piste und dem freien Gelände dar. An diesem Checkpoint kann die korrekte Sendefunktion deines VS-Gerätes überprüft werden. Man geht mit einem auf Senden gestellten VS-Gerät in einem Abstand von 1-2m Entfernung am Checkpoint vorbei. Wenn dein Sender korrekt funktioniert, dann beginnt die grüne Signallampe zu blinken und gleichzeitig ertönt das Sendesignal aus dem Lautsprecher.

Text und Bilder: Sepp Schiefer