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Bergrettung
 
 

Hitze: Früh aufbrechen und genug trinken!

Schattige Aufstiege suchen
und früh aufbrechen.
Erfrischung tut gut,
aber Vorsicht beim
Sprung in eiskalte Gebirgsseen!
Bergeeinsätze aufgrund
von Kreislaufproblemen
Der leitende Bergrettungsarzt
Dr. Joachim Schiefer

Bei hohen Temperaturen leiden viele Bergsteiger unter Kreislaufproblemen oder Erschöpfungszuständen. Der leitende Salzburger Bergrettungsarzt, Joachim Schiefer, gibt einige wichtige Tipps...


Steigt die Temperatur im Sommer über 30 Grad kommt es jedes Jahr vermehrt zu Einsätzen der Bergrettung aufgrund von Kreislauf- oder anderen Hitzeproblemen.
Die Ursache für sogenannte „Hitzeschäden“ liegt im Wesentlichen in einer Störung des Wärmehaushalts im Körper. Unser Körper hält eine konstante Kerntemperatur von ca. 37 Grad aufrecht. Steigt die Umgebungstemperatur beginnen wir zu schwitzen, um unsere Körperkerntemperatur aufrecht zu erhalten, der Körper gibt also Wärme ab. Ein zusätzlicher Windzug oder ein Bad im frischen Wasser fördern diesen Vorgang. Oft vergessen wir in dieser Situation ausreichend - das heißt mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit - zu trinken und es kommt zu einer Erschöpfung. Dies ist im einfachsten Fall ein vermehrtes Müdigkeitsgefühl oder verminderte Leistungsfähigkeit, manchmal beobachtet man aber auch erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität.

Hitzekollaps und Hitzeschlag
In schlimmeren Fällen kommt es auch zu einem Hitzekollaps. Aufgrund des Flüssigkeitsmangels ergibt sich ein plötzlich starker Blutdruckabfall. Die Therapie dafür wäre dementsprechende Flüssigkeitszufuhr, Hochlagern der Beine und Aufsuchen eines kühlen Platzes. Kommt es zusätzlich zu Verwirrtheit des Betroffenen oder zu einer Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit dann liegt sehr wahrscheinlich ein Hitzschlag vor. Kopfweh, Übelkeit und Mattigkeit sind erste Anzeichen, manchmal kann man auch unkonzentriertes, torkelndes Gehen beobachten - das birgt zusätzlich auch die Gefahr eines Abrutschens vom Wanderweg.
Die Ursache für den Hitzschlag ist das Versagen der Wärmeregulation und eine daraus resultierende starke Erhöhung der Körperkerntemperatur auf über 40°,was einem hohen Fieber gleich zu setzen ist. Hier ist eine ärztliche Versorgung dringend notwendig.
Herz-Kreislaufprobleme und totale Erschöpfung können ebenso als Folge des Wanderns bei hohen Temperaturen eintreten. Um einen vollständigen Hitzekollaps zu entgehen, sollte die Tour schnellstmöglich abgebrochen und/oder ausgiebig an einem schattigen Platz gerastet bzw. Hilfe gerufen werden.
Eine weitere Erkrankung ist der Sonnenstich, der bei übermäßigem Sonnenbad auftreten kann. Es kommt dabei aufgrund einer Reizung der Hirnhäute zu starkem Kopfschmerz, auch Übelkeit und Erbrechen. Vermeiden der Sonne und kühle Umschläge an der Stirne und am Nacken führen meist rasch zu einer Besserung.
Vorsicht übrigens beim Sprung in ein kaltes Gebirgswasser! Der Sprung in einen kalten Bergsee kann in erhitztem Zustand lebensgefährlich sein. Wichtig: Vorher abkühlen, Brust, Handgelenke zuerst ins Wasser.

Besondere Vorsicht Kinder und Ältere
Vermehrt betroffen von den Auswirkungen der Hitze sind einerseits Kinder als auch ältere oder bereits geschwächte Personen. Alle Sportler sollten bei diesen Temperaturen unbedingt vermehrt trinken und wenn möglich, den Sport an die kühleren Stunden des Tages verschieben. Wählen Sie bei der Tourenplanung überhaupt eher schattseitige Bergtouren aus und achten Sie möglichst auf Anstiege durch Wald oder schattiges Gelände. Brechen Sie möglichst früh auf! Ab ca. 14 Uhr ist die maximale Tagestemperatur erreicht. Wer früher unterwegs ist, schwitzt weniger! Gleichzeitig kann so die Gefahr deutlich verringert werden, in Gewitter zu geraten, die laut Statistik erst ab Nachmittag aufziehen. Meiden Sie auch Gebiete mit Steinschlaggefahr! Durch das Abschmelzen von Schnee- und Eisfeldern besteht die Gefahr von Rutschbewegungen in Geröllfeldern. Das Eis, das geröllige Hänge ansonsten wie Zement bindet, ist im Schmelzen begriffen, wodurch Felsstürze ausgelöst werden können. Auch das Begehen von Gletschern ist in anhaltenden Hitzeperioden besonders mit Vorsicht zu genießen: Bei Gletschertouren besonders auf Spalten achten, die Schneebrücken können - so vorhanden - in sehr fragilem Zustand sein. Durch Ausaperung können selbst kleine Spalten und die Randzonen der Gletscher zu unüberwindbaren Hindernissen werden. Selbst in scheinbar spaltenarmen Zonen sollte unbedingt angeseilt gegangen werden.
Aufpassen sollte man auch mit dem Alkohol, der einerseits zu einem vermehrten Flüssigkeitsverlust führt und andererseits die Wärmeregulation negativ beeinflussen kann.
Weiters sollte man an heißen sonnenreichen Tagen auf den ausreichenden Haut- und Augenschutz achten. Sowohl ein Sonnenbrand als auch chronische Hautschäden (darunter versteht man verschiedene gut aber auch bösartige Tumore der Haut und deren Vorstufen) und Augenschäden (grauer Starr) lassen sich durch Sonnencremes, Kopfbedeckung und Sonnenbrillen problemlos vermeiden.

Noch schöne Wandertage wünscht,

Dr. Joachim Schiefer
Leitender Bergrettungsarzt Salzburg