Facebook Logo Youtube Logo
Bergrettungslogo

Bergrettung
 
 

Sommerhochtouren am Gletscher – eine steigende Gefahr?

Der Gletscherrückgang aufgrund der teilweise extremen Erwärmung in den Sommermonaten hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Alpengletscher. Diese Erwärmung bewirkt den Anstieg der Permafrostgrenze und der Schneegrenze (Firngrenze im Sommer). Eine negative Folgeerscheinung ist unter anderem der Nachlass der Festigkeit im Erdreich und loses Gestein. Gerade im Randbereich von Gletschern ist das Begehen vom Felsgelände zum Gletschereis (Randklüfte) und umgekehrt oft erschwert. Das Steinschlagrisiko aus Felswänden steigt an.

 

Durch das Abschmelzen der Schneedecke an der Oberfläche der Gletscher wird das Begehen aufgrund der fehlenden Schneebrücken über Gletscherspalten für ungeübte Bergsteiger extrem schwierig.

 

Gerade ab Juli, August werden Eis und Firnflanken am Gletscher immer steiler und die Absturzgefahr in Hangneigungen über 30 Grad gerade bei Blankeis oder hartem Firn steigt an. Zahlreiche Mitreißunfälle und der Absturz von Seilschaften sind hier bekannt.

 

Der Temperaturanstieg im vergletscherten Hochgebirge schafft derzeit in den Sommermonaten immer mehr gefährlichere und ungünstige Verhältnisse beim Begehen von Gletschertouren.

 

Wichtige Aspekte der Tourenplanung

Im Rahmen einer Tourenplanung mit Gletscherbegehung sind einige Punkte wesentlich um Risiken wie Spaltensturzgefahr, Abstürze in Eis- und Firnflanken oder Steinschlag aber auch Lawinengefahr am Gletscher zu reduzieren.

 

Einige Punkte, die unbedingt beachtet werden müssen:

  • Frühzeitiger Aufbruch zur Tour, Zeitbeurteilung
  • Eventuell „nicht aktuelle alte Tourenbeschreibungen“ sind kritisch zu beurteilen - Informationen über aktuelle Verhältnisse einholen
  • Richtige Anseilart wählen
  • Richtige Sicherungs- und Seiltechnik der Seilschaft am Gletscher um Spaltenstürze zu vermeiden
  • Richtige Sicherungs- und Seiltechnik ab einem Gelände von 30 Grad in Firn-/Eisflanken im Auf-/Abstieg um Seilschaftsabstürze zu vermeiden
  • Mitnahme der richtigen Ausrüstung (eine Eisgrundausrüstung mit Eisschrauben und Kletterhelm sind unbedingt notwendig)
  • Spaltenrettungsmethoden sollten beherrscht werden
  • Handyverbindungen im Hochgebirge  oft nicht vorhanden, Bekanntgabe der Tour  auf Hütten oder bei den  Angehörigen.

 

Bericht und Bilder: Gerhard Pfluger, Ausbildungsleiter LO Salzburg

 

Lesetipps:

Gottlieb Braun-Elwert, "Verbunden bis in den Tod", bergundsteigen 2/08, S. 55 
Interessante Gedanken, Informationen, Versuchsanordnungen zum Gehen am Seil und den Gefahren.

 

Jens Badura, Berechnen oder beurteilen, DAV Panorama 4/2017, S. 64-66
Über Risikomanagement im Bergsport (Jens Badura ist Philosoph und Bergretter der Ortsstelle Salzburg)

 

Im Rahmen des Alpinforums/KURASI gab es einen Block zum Thema „Kurzes Seil“ - hier ein Link zum Vortrag der entsprechenden SAC-Experten Klaus Hoi, Peter Popall und Kurt Winkler