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Bergrettung
 
 

Skibesteigung Muztagh Ata 7546m Juli / August 2013

60 kg Expeditionsgepäck
Überschwemmung
Karakorum Highway
Abfahrt
Am Gipfel
Aufstieg Camp 2
Camp 2 6200m
Camp 1 5500m
Basecamp 4420m
Umkehr wegen Gewitter
Ãœbernachtung in Jurte
Blick auf Mustagh Ata
Marktbesuch in Kashgar

Zwei Bergrettungsmänner der Ortsstelle Dorfgastein brachen im heurigen Sommer zu einer Expedition auf den Muztagh Ata auf. Der Muztagh Ata, auch „Vater der Eisberge“ genannt, liegt im Pamir Gebirge am Rande der Taklamakan Wüste im äußersten Westen Chinas. Gemeinsam mit dem ihm gegenüberliegenden Kongur Shan 7719m stellt der Muztagh Ata mit seinen 7546m eine der höchsten Erhebungen in diesem Gebiet dar. Aufgrund seiner Topographie, Hänge mit 25°-35° Steilheit und moderaten technischen Schwierigkeiten stellt er für jeden ambitionierten Höhenbergsteiger, vor allem in der Kombination mit Tourenskiern, ein regelrechtes Traumziel dar.

 

Vorbereitung

Den vergangenen Winter über wurde versucht, möglichst viele Höhenmeter mit den Tourenskiern zu machen. Im Mai erfolgten noch ein Bergrettungsausflug in die Ötztaler Alpen, mit Besteigungen der Wild- und Finailspitze und ein weiteres Hochtourenwochenende im Ortlergebiet mit erfolgreichen Besteigungen der Königsspitze und des König Ortler. Somit standen im Frühjahr immerhin 80.000 Hm zu Buche. Danach hieß es zu Fuß und mit dem Mountainbike weiter zu trainieren, um den letzten Feinschliff zu erhalten. Dieses Mal wollten wir aber nichts dem Zufall überlassen und somit begannen wir ca. 3 Wochen vor Abflug gemeinsam mit unserem Kooperationspartner GAIRRIT mit dessen Hypoxiesystem zu arbeiten. Unter fachkundiger Anleitung von Gerrit Glomser erfolgte damit eine Vorakklimatisation sozusagen im Schlaf.

 

Anreise

Die Abreise erfolgte am 12/07 und führte uns über Istanbul nach Bishkek, der Hauptstadt von Kirgistan. Von dort ging es in einigen Tagesetappen mit dem Bus durch dieses wilde Land in Richtung chinesische Grenze. Es erfolgten einige Akklimatisationstouren bis auf Höhen von ca. 3500m.

Übernachtet wurde in traditionellen Jurten und als Krafftfutter gab es unter anderem Manggeieintopf (Manggei=Murmeltier). Nach der etwas komplizierten Einreise in China (unzählige Kontrollen und stundenlanges Warten) und einem Zwischenstopp in Kashgar ging es über den berühmt berüchtigten Karakorum Highway Richtung Berg.

Einige Autopannen und Straßenüberflutungen später erreichten wir Subashi auf 3730m, unseren Ausgangspunkt für die Besteigung.

Am nächsten Tag erfolgte der Anmarsch, mit Hilfe von Kamelen, in das Basecamp welches auf 4420m am Rande einer Gletschermoräne liegt. Wir erreichten das Basecamp am 17/07 dem 6. Tag unserer Reise.

 

Besteigung

Ganze 18 Tage standen nun für die Besteigung des Muztag Ata zur Verfügung. Nachdem wir uns im Basecamp häuslich eingerichtet hatten, erfolgten bereits die ersten Materialtransporte ins Skidepot auf 5150m und in das Camp 1 auf 5500m.

Für uns kam natürlich nur eine Besteigung „by fair means“, das heißt ohne die Verwendung von künstlichem Sauerstoff und ohne jeglicher Trägerhilfe in Frage.

Camp 1 wurde auf 5500m und Camp 2 später auf 6200m errichtet. Wir entschieden uns dazu auf das sonst übliche Camp 3 auf 7000m zu verzichten und unseren Gipfelsturm von Camp 2 aus zu starten.

Dies bedeutete zwar einen Höhenunterschied von 1350 Hm am Gipfeltag, was in dieser Höhe nicht gerade wenig ist. Dennoch glaubten wir, daß die Vorteile (besserer Schlaf als auf 7000m, Kraft sparen durch nicht notwendigen Lageraufbau) überwiegen würden.

Nachdem die Lagerkette aufgebaut und uns auch der Wettergott hold war, starteten wir am 25/07 einen ersten Versuch Richtung Gipfel. Diesen mussten wir allerdings bereits nach ein paar Stunden auf ca. 6900m aufgrund eines aufziehenden Gewitters abbrechen. Mit Hilfe des GPS fanden wir zurück ins Camp 1 da die Sichtweite tlw. nur 10m betrug und wir uns in einem Whiteout wiederfanden. Wir entschieden uns für einen weiteren Abstieg bis ins Basecamp, um neue Kraft zu tanken.

Nach 1,5 Tagen Regeneration und süßem Nichtstun wurde es wieder ernst.

Der Wetterbericht war vielversprechend und wir wollten es nun wissen. Am Nachmittag des 27/07 erfolgte der Aufstieg ins Camp 1 5500m.

Für die 1100 Hm benötigten wir mittlerweile nur mehr 2,5h. Nach einer kurzen Nacht stiegen wir am nächsten Tag weiter zum Camp 2 6200m auf.

 

Dieser Abschnitt war mitunter der gefährlichste, da er durch einen Eisbruch führte und die Gletscherspalten durch die stabile Schönwetterphase von Tag zu Tag weiter aufgingen. Die Schlüsselstelle stellte ein ca. 70° steiler Aufschwung dar, der jedoch bereits mit einem Fixseil abgesichert war.

Wir erreichten Camp 2 zu Mittag und verbrachten den restlichen Tag mit essen und trinken. Wir versuchten so viel Flüssigkeit wie möglich zu uns zu nehmen, um das sowieso vorhandene Flüssigkeitsdefizit so gut als möglich auszugleichen. Um 21 Uhr war Zapfenstreich und jeder verkroch sich mit dem Kopf voller Gedanken vor dem großen Tag in seinen Schlafsack. Ich muss sagen ich habe schon einmal besser geschlafen. Aber auch das gehört zu so einer Unternehmung dazu.

Um 4 Uhr war Tagwache und um 5 Uhr 30 erfolgte der Abmarsch. Zuerst im Schein der Stirnlampe und gut eingepackt in die Daunenjacke ging es los. Nach unzähligen Spitzkehren wurde nach 3:45 h das Camp 3 der Chinesen auf 7000m erreicht. Dort gab es erstmals eine etwas längere Rast. Als Verpflegung gab es sogenannte Powergels die mit etwas Flüssigkeit runtergeschluckt werden. Alles andere wollte nicht wirklich gegessen werden. Wie in Zeitlupe ging es danach weiter Richtung Gipfel, wie es aussah hatten wir einen richtigen Traumtag erwischt.

Es war windstill und ein blauer Himmel ohne Wolken lachte uns entgegen. Nach weiteren endlos erscheinenden Stunden und dem einen oder anderen Kampf mit sich selbst (Warum tue ich mir das eigentlich an ?) tat sich plötzlich ganz unscheinbar der Blick zum Gipfel auf. Zuerst glaubte ich schon fast an eine Fata Morgana. Aber nein, wir waren wirklich da. Nach 7:20 h und 1350 Hm Aufstieg war es wirklich geschafft und wir standen am 29/07 um 13:00 Uhr am Gipfel des Muztagh Ata auf 7546m.

 

Die Fernsicht reichte bis ins Karakorum mit K2, Broad Peak, Nanga Parbat und wir mussten ans unsere Kameraden denken die gerade dort waren. Emotional war dies sicher der schönste Gipfelerfolg bisher und jeder hatte mit seinen Gefühlen zu kämpfen.

Die Temperaturen waren so angenehm dass wir 2h am Gipfel verbrachten und die Eindrücke in vollen Zügen genossen.

Um 15 Uhr machten wir uns für die Abfahrt bereit. Bis auf ca. 7000m hatten wir mit windgepresstem Schnee und einigen vereisten Passagen zu kämpfen. Die Beine waren ja auch nicht mehr ganz frisch, deshalb waren wir froh bis ins Camp 2 in bestem Firn abfahren zu können.

 

Nachdem Camp 2 geräumt war, schließlich wollten wir ja nicht noch einmal aufsteigen müssen, fuhren wir weiter bis ins Camp 1 ab.

Die Schneeverhältnisse wurden durch die starke Sonneneinstrahlung und die doch schon fortgeschrittene Zeit immer schlechter, und somit hieß es Obacht geben um nicht mit einer aufgeweichten Schneebrücke in eine Spalte zu stürzen. Wir fuhren bis ins Skidepot auf 5150m und stiegen dann zu Fuß weiter ab. Um 19 Uhr erreichten wir müde aber überglücklich das Basecamp. Natürlich kamen wir nicht umhin das eine oder andere Gipfelbier und Schnapserl zu trinken, wir wurden regelrecht dazu genötigt. 


Die nächsten Tage erholten wir uns (auch von der Gipfelfeier) und nachdem auch unsere Kollegen erfolgreich waren, stiegen wir noch einmal ins Camp 1 auf um auch dieses zu räumen und alles wieder ins Basecamp zu schaffen. Am 02/08 nach nunmehr 17 Tagen am Berg verließen wir das Basecamp wieder und traten mit zufriedenen Gesichtern unseren Rückmarsch in die Zivilisation an.

 

Abreise

Nach einer wiederum etwas abenteuerlichen Fahrt zurück über den Karakorum Highway erreichten wir Kashgar, eine Stadt mit ca. 160.000 Einwohnern in der wir die nächsten Tage verbrachten. Kashgar liegt an der alten Seidenstraße und ist seit jeher eine Oase in dem ein Völkergemisch aus Uiguren, Kirgisen, Kasachen, Tadschiken, Usbeken usw. lebt. Wir besuchten unter anderem den traditionellen Sonntagsviehmarkt auf dem nicht nur Tiere verkauft werden, sondern auch schon einmal die eine oder andere Hochzeit ausgemacht wird. An diesem Tag kommen die fliegenden Händler von weit her und es heißt, dass an diesem Tag noch einmal die gleiche Anzahl an Auswärtigen nämlich 160.000 zu den Einwohner dazukommt.


Uns blieb nur ein knappes Zeitfenster für den Grenzübertritt da am Wochenende die kirgisisch/chinesische Grenze gesperrt ist und auch das Ende des Ramadan immer näher kam. Am Ende des Ramadan wird wegen der Feierlichkeiten die Grenze meist für ein paar Tage gesperrt. Somit hatten wir genau 2 Tage um die Grenze nach Kirgistan zu passieren. Schlussendlich aber verlief alles gut und wir fuhren bis zum Issyk Kul See. Dort machten wir Halt und ein Teil unserer Gruppe blieb dort um noch ein paar Tage zu baden. Wir setzten unseren Weg bis Bishkek fort. Dort übernachteten wir noch einmal und am nächsten Tag frühmorgens startete unser Rückflug in die Heimat.

 

 

Somit kamen wir nach einem Monat wieder zu Hause an und wurden von unseren Liebsten empfangen. Im Nachhinein betrachtet war dies sicher eine der schönsten Expeditionen die wir gemacht haben. Landschaftlich wunderschön und abwechslungsreich und natürlich haben uns Land und Leute auch sehr beeindruckt. Auch vom GAIRRIT Hypoxiesystem sind wir voll überzeugt worden, es ist uns beiden noch nie so gut in der Höhe ergangen. Nicht einmal der sonst übliche Höhenkopfschmerz ist aufgetaucht. Wir können es somit also nur wärmstens weiterempfehlen und hoffen dem einen oder anderen mit diesem Bericht einen Gusto gemacht zu haben, um vielleicht auch einmal den Muztagh Ata zu besteigen.

 

Berg Heil!

Günter Langegger & Christian Zimmerebner