Facebook Logo Youtube Logo
Bergrettungslogo

Bergrettung
 
 

Alaska Expedition: Mount Sanford oder doch Mount Bona (5.005m)

Ein halbes Jahr haben sich neun Bergretter der Ortstelle Salzburg akribisch auf ihre Alaska Expedition zum 4.949m hohen Mount Sanford vorbereitet, doch erstens kommt es anders und zweitens als man plant… Hier der Bericht:

 

Einen Tag nachdem wir in Anchorage gelandet waren, ging es mit dem Truck in einer ca. sechs Stunden Autofahrt nach Citina zum Flugfeld der Ultima Thule (http://www.ultimathulelodge.com) am Rande des Wrangel – Elias Nationalpark. Von dort wollten wir eigentlich direkt auf den Sheep Gletscher des Mount Sanford fliegen, doch unser Pilot, Paul Claus berichtete von den schlechtesten Verhältnissen der letzten 40Jahre und das eine Landung aufgrund des total offenen Gletschers nicht möglich sei.


Als Alternativziel schlug uns Paul den 5.005m hohen Mount Bona (fünfthöchster Berg der USA) in der Eliaskette vor, welcher aktuell sehr gute Bedingungen aufweisen sollte. Nach kurzer Beratung stimmten wir zu, wurden etwas später von zwei Flugzeugen abgeholt und zu seiner Lodge mitten im Nationalpark geflogen.


Aufgrund guter Wetterbedingungen ging es am nächsten Tag mit dem Flugzeug gleich weiter auf den Klutlan Gletscher, wo wir auf ca. 2.000m landeten und uns schlagartig - hundert Kilometer von der nächsten Hütte entfernt - in einem großartigen, vergletscherten Gebirge befanden.


Die darauf folgenden Tage zogen wir unsere Schlitten kilometerweit über den moderat ansteigenden Gletscher bis auf ca. 3.000m zu einer über 1000 hm hohen Schneeflanke. Schnell wurde ein Lager auf 3.600m eingerichtet, wobei uns das unsichere Alaska-Wetter immer wieder zu einigen Rasttagen zwang. Manchmal stürmte es so stark, dass wir kaum unsere Zelte verlassen konnten. Zusätzlich machten uns auch noch die tiefen Temperaturen zu schaffen.

 

Für Mittwoch den achten Mai, wurde uns von der ZAMG Innsbruck – mit der wir mittels Satellitentelefon in Kontakt standen - ein einzelner Schoenwettertag angekündigt und wir wollten die Gunst der Stunde nutzen, um direkt von 3.600m einen Gipfelversuch zu unternehmen.


Normalerweise würde man aufgrund der verbleibenden Höhenmeter und der weiten Entfernung ein zweites Hochlager auf ca. 4.400m errichten um die Gipfelchancen zu verbessern. Der immer enger werdende Zeitplan und die instabile Wetterlage machte dies jedoch unmöglich.


Da das Wetter erst spät am Vormittag aufklarte und die Vorbereitungen einiges an Zeit beanspruchten konnten wir erst um 11:00 Uhr starten. Wir kamen gut voran und erreichten nach ca. vier Stunden das Plateau auf ca. 4.400m. Aufgrund der extremen Kälte (ZAMG meldete -32°C) mussten Anni, Gerald und Karli, den Gipfel in Sichtweite, umdrehen.


Der Rest der Gruppe marschierte langsam weiter und hatte zwei Stunden später das riesige Gipfelplateau überquert. Hier drehten dann auch Sabine, Christian und Jens um. Da nur mehr ein 60m Seil zur Verfügung stand und ein Abfahren ohne Seil viel zu gefährlich gewesen wäre, wurde dies kurzerhand in der Mitte zerschnitten.


Die Gipfelgruppe, bestehend aus Sepp, Christian R. und Alex, tauschten die Schi gegen Steigeisen und Pickel und stiegen dann noch weitere zwei Stunden die letzten 400 Höhenmeter nach oben. Um ca.20 Uhr und einer Temperatur von mittlerweile unter -35°C + Wind erreichte die Gipfelgruppe glücklich und erschöpft den Gipfel. Nach ein paar Fotos wurde auch schon der Abstieg angetreten, da die Temperaturen ein längeres Verweilen unmöglich machten.

Der große Vorteil zu dieser Jahreszeit, in Alaska ist, dass es sehr lange hell ist und man dem Wetter angepasst auch große Teile der Nacht zum Bergsteigen nutzen kann.


Die Gipfelgruppe erreichte erst um 22 h wieder gesund das Hochlager, wo die Erleichterung groß war.


Das Wetterfenster von ca. 16h hatten wir optimal genutzt, denn mitten in der Nacht traf uns die nächste Schlechtwetterfront mit ganzer Kraft. Wir verbrachten den ganzen nächsten Tag im Zelt. An ein kochen in der Apsis war nicht zu denken. Am darauf folgenden Tag konnten wir, bei leichter Wetterbesserung das Hochlager abbauen und im Sturm zum Klutlan Gletscher abfahren.


Beim Basislager angekommen sahen wir die Auswirkungen der Stürme, denn ein zurückgelassenes Zelt war zerfetzt und zwei ursprünglich gut verankerte Schlitten nicht mehr auffindbar. Bei sehr starkem Wind bauten wir unsere drei verbliebenen Zelte des Hochlagers auf und erlebten eine extreme Sturmnacht. Wind mit einer Geschwindigkeit jenseits der 100km/h peitschte die ganze Nacht über unsere Zelte und wir waren heilfroh, dass diese Stand hielten. Nicht auszudenken, wenn die Stangen gebrochen wären!


Am nächsten Tag hatte sich der Wind wieder so weit gelegt, dass wir zum Landeplatz des Flugzeuges abfahren konnten. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse musste der gesamte Rückweg mittels GPS und den vorher zurückgelassenen Wegmarkierungen (Bambusfähnchen) navigiert werden.
Am späten Nachmittag erreichten wir vereinbarten Landeplatz. An eine sichere Landung war aufgrund der widrigen Wetterbedingungen allerdings nicht zu denken. Erst zwei weitere Tage später (am letztmöglichen Tag um unseren Rückflug nach Europa zu erreichen) gelang es Paul, uns zur Lodge auszufliegen.

 

Die ganze Expedition war, wie erwartet aufgrund des extremen Wetters und der arktischen Verhältnisse sehr anspruchsvoll. Danke dem ganzen Team für die tolle Zusammenarbeit, nur so war dieser großartige Erfolg möglich.

 


Vielen Dank an dieser Stelle auch an unsere Sponsoren:


• Sziols
• IKO
• ZAMG
• Komperdell
• Expeditionstechnik.de
• Bergrettung Salzburg

 

Bericht und Fotos: Christian Nedomlel und Alex Gruber, Mai 2012