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Karakorum Expedition 2011 - Bernd Tritscher

Geplant war der Versuch einer Erstbesteigung des Beifang Peak 7174m im zentralen chinesischen Karakorum.

Teilnehmer: Hans Honold (Expeditionsleiter Deutschland), Sander Christian (Deutschland), Mark Schär (Schweiz), Hans Hirschbichler und Bernd Tritscher aus Saalfelden (Salzburg) sowie Dendi Sherpa aus Nepal. 

Der Beifang Peak liegt im zentralen Karakorum an der pakistanisch chinesischen Grenze in unmittelbarer Nachbarschaft zum K2. Dieser Teil der Provinz Xingjiang ist ein ungeschliffener Diamant für unbestiegene Berge, da sie erst seit wenigen Jahren für Ausländer geöffnet ist. Der Beifang Peak wurde im Vorjahr erstmals von einer Schweiz-Französischen Expedition versucht zu besteigen. Der Versuch scheiterte am vielen Neuschnee und Zeitmangel, da die Erkundung des Zustieges vom ABC bis zum vorgeschobenen ABC (Lager am Berg) zu viel Zeit in Anspruch nahm. Dieser Zustieg stellt neben der geplanten Aufstiegsroute auch für uns eine große Unbekannte dar, doch wir hoffen, mit den Informationen vom Vorjahr nicht so viel Zeit dafür zu brauchen. 


 
Unsere Reise beginnt am Samstag 3.9.2011 in München, wo wir Hans Honold aus Ulm treffen. Wir fliegen nach Istanbul, wo wir Marc aus der Schweiz und Christian aus Deutschland treffen. Um 18.00 Uhr fliegen wir weiter nach Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisien, wo wir spät in der Nacht landen.
Nach dem Auschecken und Erledigung der Zollformalitäten  warten draußen schon Dendi Sherpa aus Kathmandu  und unsere Begleitmannschaft aus Kirgisien, die uns zur chinesischen Grenze bringen. Nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir den Isykulsee - wie doch die Zeit vergeht - vor genau 20 Jahren war ich das letzte Mal hier nach der Besteigung des Khan Tengri im Tien Shan Gebirge.

Jurtenlager chinesischen Grenze
Unser heutiges Ziel ist das Jurtenlager, das ca. 100 km von der chinesischen Grenze am Tourgartpass entfernt ist. Die Gegend erinnert mich stark an die Mongolei. Am späten Nachmittag erreichen wir das Jurtencamp. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir noch mit dem Besuch einer alten Karawanserei. Mit etwas weniger Wodka als unsere Kirgisischen Freunde schließen wir den Abend ab.
Am nächsten Morgen starten wir zeitig in der Früh. Heute geht’s zum Torugart Pass und weiter nach Kashgar. Gegen 11.00 Uhr treffen wir am Pass ein. Nun heißt es warten auf die chinesische Agentur. Doch gegen 13.00 Uhr trifft uns ein Schock. Nach einigen Telefonaten stellt sich heraus, dass Wayne (von der ch. Agentur) ein anderes Timetable hat und erst morgen mit uns rechnet. Wir sind mitten im Niemandsland und können weder vor noch zurück. Wir müssten wieder in Kirgisien einreisen - doch das geht aufgrund der Visa nicht.
Nach einigem Hin und Her versuchen wir einen LKW Fahrer zu überreden, dass er uns mitnimmt, was mit ein paar Scheinen auch gelingt. Nur wenig später müssen wir aber wieder absteigen, da ein chinesischer Grenzoffizier anderer Meinung ist. Nun heißt es warten. Wayne hat versprochen uns abzuholen und bereits einige Telefonate geführt. Was im Lonely Planet als unmöglich beschrieben wird, ist möglich. Spät abends werden wir abgeholt und die Grenze wird speziell für uns noch einmal geöffnet. Die Grenzoffiziere scheinen nicht erfreut über ihre Überstunden und nehmen die Kontrollen besonders genau. Jeder anwesende Chinese will unseren Pass und das Gepäck sehen. Nach dieser Kontrolle geht es weiter und wir erreichen gegen 2 Uhr hundemüde Kashgar, wo wir im Yulonghotel einchecken.
 
Kashgar
Kashgar grenzt im Osten an die Taklamakan-Wüste und das Kun-Lungebirge, im Süden an die Ali Präfektur. Sie ist eine Oasenstadt mit ca. 350.000 Einwohnern und einer Fläche von 162.000 km2.
 
Durch ihre Lage nahe den Grenzen zu Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan, Pakistan und Indien war die Lehm-Stadt Jahrhunderte lang wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Karawanen-Routen. Heute ist sie eine der Hauptattraktionen am chinesischen Teil der Seidenstraße. Nicht nur wegen der Altstadt und der seit Jahrhunderten konservierten Atmosphäre.
In der Isolation der innerasiatischen Landmasse entwickelte sich im Verlauf der vergangenen zwei Jahrtausende ein Völkergemisch aus Kirgisen, Uiguren, Kasachen, Tadschiken, Usbeken und vielen anderen kleineren Gruppen. Dieser bunte Strauß orientalischer Völker blüht - wo sollte dies sonst geschehen - am schönsten auf den Basaren des Ostens. Und Kashgar nimmt unter diesen eine ganz besondere Stellung ein. Der Sonntagsmarkt ist der interessanteste Ort bei einem Besuch Kashgars. Der Markt befindet sich am nordöstlichen Ende der Stadt. Früher handelten die Leute nur am Sonntag auf diesem Markt. Und auch wenn inzwischen hier jeden Tag Markttag ist, den Namen "Sonntagsmarkt" hat er behalten. Der Basar Kashgars ist der Inbegriff des orientalischen Marktes. Auf dem Viehmarkt am Flussufer werden baktrische Kamele, Esel, Rinder, Schafe und Ziegen angeboten, Pferde eingeritten, Zähne geprüft und Geschäfte geschlossen. Weiterab liegen Berge von Gemüse neben Schafsköpfen. Stiefel, Wolle, Tuche, Seidenstoffe, kurz alles nur Erdenkliche wartet auf Kundschaft. Hochzeitstruhen und Türrahmen, Bauholz und Hühner, geflochtene Strohmatten und Hüte. Dieser Basar ist keine Imitation aus touristischen Erwägungen heraus, sondern ein wirkliches, funktionierendes Instrumentarium zur Versorgung der Bevölkerung. Aber nicht nur zum Kauf kommt man hierher. Der Basar ist zugleich Informations- und Nachrichtenbörse, hier trifft man Bekannte aus Nachbardörfern, hier werden neue Beziehungen geknüpft und wohl so manche Vorverhandlungen späterer Hochzeiten geführt.
Die Heytgah-Moschee wurde im Jahre 1442 erbaut und zählt zu den größten Moscheen in China. Das Haupttor der Moschee wird an beiden Seiten von 2 duzend Meter hohen Säulen gesäumt. Die Gebetshalle befindet sich an der westlichen, also der nach Mekka zugewandten Seite des Hofes der Moschee. Es ist die größte Moschee Xinjiangs und gilt als eine der einflussreichsten Zentralasiens. Rundherum befinden sich Basare an denen man die kulturelle Atmosphäre,  Sitten und Bräuche dieser einzigartigen Stadt beobachten kann.

Aber Kashgar hat auch eine andere Seite
Xingjiang gilt wegen der Spannungen zwischen dem muslimischen Turkvolk den Uiguren und den Chinesen als Konfliktregion.
Im Juli 2009 wurde bekannt, dass die chinesischen Behörden große Teile der Altstadt von Kashgar-Stadt abreißen wollen. Offiziell wird diese Maßnahme mit dem Schutz vor Erdbeben begründet. Exiluiguren und weltweite Menschenrechtsorganisationen verurteilten diesen Schritt als Angriff auf die uigurische Kultur und Geschichte und als weiteren Schritt zur Sinisierung (= eine Kultur chinesisch formen) der uigurischen Bevölkerung. Die Oasenstadt Kashgar gilt immer noch als „geheime Hauptstadt“ der Uiguren.
Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Uiguren und Chinesen - so auch kurz vor unserer Ankunft.
Bei Messerstechereien in der Stadt Kashgar waren am Wochenende 19 Menschen getötet worden, 40 Menschen wurden verletzt. Laut der Staatsagentur habe eine Gruppe "bewaffneter Terroristen" am Sonntag ein Restaurant gestürmt und den Besitzer und einen Gast getötet. Das Restaurant hätten sie in Brand gesetzt. Auf ihrem weiteren Weg hätten sie Passanten wahllos niedergestochen, vier von ihnen getötet und weitere zwölf verletzt. Unter den Verletzten seien drei Polizisten gewesen.
Wir ergänzen und kontrollieren in Kashgar nochmals unsere Ausrüstung und genießen die einzigartige Atmosphäre; aber die Konflikte sind nicht zu übersehen. Die jüngsten blutigen Ausschreitungen in Kashgar führten wieder zu scharfer Polizeikontrollen.

Kirgisische Kameltreiber


Aufbruch Richtung Beifang
Am Donnerstag den 08.09.2011  fahren wir nach dem Verladen des Gepäcks endlich los. Wir brechen mit zwei Jeeps und unserem Lkw mit der gesamten Ausrüstung auf in Richtung Beifang. Aus der Stadt heraus geht es am Rande der Taklamakan entlang nach Yechen, wo wir im Hotel übernachten. Die Straßenverhältnisse wechseln von gut bis katastrophal. Teilweise fahren wir auf einer noch nicht freigegebenen, neuen Autobahn, dann wieder auf Feldwegen.
Von Yechen geht es in die Berge. Die Straßenverhältnisse werden schnell schlechter und schnell stellen wir fest, dass praktisch die gesamte Fahrstrecke eine riesige Baustelle ist. Am Nachmittag ist es dann soweit. Wir stehen an einer Straßensperre aus Erdaushub und riesigen Steinen. Die Baufirmen haben die Strasse blockiert um in Ruhe arbeiten zu können. 6 Stunden sitzen wir fest. Erst gegen Abend hilft das Militär weiter und räumt mit einem Bulldozer die Sperre weg. Fotografiert werden darf die streng geheime Militäraktion natürlich nicht, und wir müssen unsere Fotos unter Aufsicht der Soldaten wieder löschen. Wir fahren weiter über den Akzapass und den Muzapass nach Mazar, wo wir um Mitternacht eintreffen und in einem Baulager übernachten. Hundemüde fallen wir in die Lager.
Um 07.00 fahren wir weiter auf die letzte Etappe nach Ilik, wo wir mit den Kirgisen zusammentreffen. Kurz vorher müssen wir noch an einer Polizeistation unsere Pässe abgeben. Die Grenzer wollen damit verhindern, dass wir nach Pakistan weitermarschieren. Die Kirgisen empfangen uns mit einem kleinen Volksauflauf. 40 Familien leben in dem abgeschiedenen Ort und von Bergsteigern und Trekkern wie uns. Wir verladen die gesamte Ausrüstung auf nun 14 Kamele und starten mit zwei weiteren Eseln auf unsere erste Etappe entlang des Surukwat Rivers . Die Landschaft ist wüstenhaft. Motiviert vom langen Fahren laufen wir los und erreichen nach ca 3,5 Stunden unser heutiges Lager an einer Flussgabel auf 3780m auf. Ich fühle mich müde und habe etwas Kopfweh, das aber nach dem Abendessen vergeht. Mr. Woo, unser Koch, hat seine erste Bewährungsprobe bestanden.

11.09. Lager 1 - Fuß Aghilpass
Gegen 12.00 brechen wir heute erst auf. Das Wetter hat sich verschlechtert - in der Früh hat es stark geregnet. Die Kamele müssen erst eingefangen werden, da sie sich natürlich im Gelände nach Essbarem umschauen. Dann dauert es einige Zeit - bis alles verladen ist - und wir aufbrechen können. Knapp 10 km gehen wir heute durch die tiefe und enge Surukwat Schlucht, einem wahren Nadelöhr für Mensch und Tier. 
Nach 2 Stunden macht das Tal einen scharfen Rechtsbogen – hier zweigt das Seitental, das zum Aghil-Pass führt. Wir schlagen unser Camp in der Nähe eines Sommerlagers kirgisischer Nomaden, die hier mit ihren Schaf- und Yakherden weiden, auf 4300 m Höhe auf. Als die Zelte stehen fängt es wieder stark zu regnen und schneien an. 
In der Nacht war es um die 0 Grad kalt, aber das Wetter hat sich gebessert. Nach dem Packen der Kamele geht es heute zuerst in einem flachen Anstieg auf den 4800m hohen Aghilpass, auf der Passhöhe erwartet uns ein malerischer See, der geradezu zum Fotografieren einlädt. Von dort erwartet uns der 5-stündige Abstieg ins Shagsgam Tal. Mehrfach müssen wir stoppen, weil die Tiere ihre Ladung verlieren. Dann heißt es "Tschtschtschtschstch", damit sich die Tiere hinsetzen und an einem Stein angebunden werden. Neu beladen, verzurren und weiter.
Wir haben einen der wildromantisch-schönsten Plätze der Erde erreicht: das Hochtal des Shaksgamflusses! Auf rund 250 Kilometer Länge begrenzt das Shaksgam-Tal den Karakorum auf seiner Nordseite. Der riesige Talboden ist mit ungezählten Kieselsteinen und Schwemmsand gefüllt. Auf unserem Weg durch das, von herber Schönheit geprägte Tal,  müssen wir mehrmals den von Wüstenbergen umschlossenen Fluss überqueren; wir steigen -oder besser murksen uns - auf die Kamele und lassen uns hinübertragen. Zuerst ist es abenteuerlich auf den Tieren zu sitzen, aber schon bald wird uns klar, dass es überhaupt nicht lustig ist, hoch oben auf dem wackeligen Gepäck zu sitzen und durch den reißenden Fluss zu reiten. Ein Sturz vom Kamel kann fatale Folgen haben. Unser heutiges Camp ist die Oase Sukhet (Sughet Jangal, 3.890 m), hinter einer Biegung des gewaltigen Tals. Spät abends erreichen wir den Rastplatz an einer Grünfläche links des Ufers. Nach einem leckeren Abendessen beim Chinesen Mr. Woo fallen wir alle müde ins Bett.


Um 08.30 Uhr stehen wir heute gemütlich auf. Mr. Woo hat gemeinsam mit Ali - unserem Verbindungsmann und Dolmetscher - bereits das Frühstück gekocht. Gegen Mittag starten wir auf unsere nächste Etappe, mit einigen Flussüberquerungen, die wir auf dem Rücken der Kamele bewältigen, gehen wir das Shaksgamtal flussabwärts. Nach ca. 5,5 Stunden erreichen wir unseren Lagerplatz.

14.09.2011  Shaksam Tal - K2 Chinese Basecamp
Gegen Mittag starten wir zur letzten Etappe ins Chinesische Basecamp des K2. Die Kirgisen zeigen uns den Weg, der an der linken Seite des Flusses im Auf und Ab entlang führt. Nach 3 Stunden treffen wir auf den Yulin Fluss, wo wir das Shagsgamtal verlassen und den Yulinfluss aufwärts - direkt nach Süden - zum Chinese Basecamp des K2 gehen. Kurz vor dem Basecamp bereitet uns die Überquerung des reißenden Skyang Rivers nochmals Probleme. Erst wird der Esel angebunden und in den Fluss getrieben, um zu schauen, ob eine Querung möglich ist. Als der Esel ohne abzusaufen das andere Ufer erreicht, sind wir an der Reihe. Ich sitze zusammen mit Hochtie, dem Kameltreiber, auf dem ersten Kamel und bin heilfroh, als ich am anderen Ufer ankomme. Für Christian endet die Querung fast noch mit einem Sturz vom Kamel. Er kann sich aber gerade noch halten und ein Bad vermeiden. Das Lager liegt schön auf einer Höhe von 3800 hm am Fuße des 6040m hohen Tuofeng in einer grünen Oase, aber noch weit weg von unserem Ziel - dem Beifang Peak. Bis hierher ist der Transport mit Kamelen möglich. Abends zeigen unsere Kirgisischen Freunde dann ihr wahres Geschäftsgebaren. Sie verlangen 100 Yuan pro Kg bis 300kg und 70 Yuan ab 300 kg. Eine unvorstellbare Summe bei einem Wechselkurs von 60 Yuan/Dollar. Die Verhandlungen ziehen sich bis in die Nacht und enden ergebnislos. Sie wissen, dass wir auf einen Materialtransport mit Eseln angewiesen sind, da wir die sperrigen Sachen wie Küchenzelt, Gasflasche usw. unmöglich tragen können.

15.09. - 20.09.2011 Einrichten Materialtransport ins ABC Karatasch
Die ganze Nacht über hat es geregnet und bis auf ca. 4000m geschneit. Wir packen unsere Rucksäcke und wollen einen ersten Materialtransport in Richtung ABC, das ca. 8 Stunden entfernt liegt, machen.  Nachdem die Kirgisen feststellen, dass wir unsere Rucksäcke packen und in Richtung ABC aufbrechen, gehen sie mit dem Preis auf 60 Yuan / kg runter. Zunächst wiegen wir das Gepäck fürs ABC, das wir nicht tragen können und kommen zum Ergebnis von 230 kg. Die Kirgisen sind daran natürlich sehr interessiert. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es bei 230 kg bleibt, ansonsten wollen sie abreisen. Starten wollen sie aufgrund des leichten Regens nicht. Gegen Nachmittag klart es auf und so starten wir mit dem Materialtransport in Richtung ABC. Nach etwa 4 Stunden Gehzeit machen wir am ITA Camp ein erstes Depot und kehren gegen 17.30 ins BC zurück. Spät in der Nacht wollen die Kirgisen das Gepäck wiegen, da sie uns anscheinend nicht vertrauen. Nun ja, das beruht auf Gegenseitigkeit.
Am nächsten Tag beginnt es bereits in der Früh zu regnen und es sollte den ganzen Tag nicht mehr aufhören. Unser BC verwandelt sich in eine Schlammwüste, gemischt aus Kameldung und Esel-Exkrementen. Die Kirgisen, die eigentlich gegen 07.00 Uhr starten wollten, machen sich nun gegen 10.00 Uhr auf den Weg zum ABC (Karatasch). Das hätten sie mal besser gestern getan. Unsere Schadenfreude hält sich in Anbetracht der Summe allerdings in Grenzen. Wir statten sie aufgrund des Schneefalls bis auf 4000m noch mit Sonnenbrillen aus, um einer Schneeblindheit vorzubeugen. Ansonsten verbringen wir den Nachmittag mit Lesen und Schlafen.



In der Nacht hat sich das Wetter gebessert und wir machen heute einen weiteren Materialtransport ins ABC. Ebenso die Kirgisen, die mit den Eseln das restliche Material hochtragen. Mit ca. 25 kg schweren Rucksäcken machen wir uns auf den Weg - 6 bis 8 Stunden dauert der Aufstieg ins ABC. Der Aufstieg ist teilweise sehr Steinschlag gefährlich. Durch die Sonneneinstrahlung und das durch die Schneeschmelze durchfeuchtete Erdreich verschärft sich die Gefahr noch. Nachdem einige Meter neben mir eine Granate einschlägt, gehe ich lieber etwas weiter von der Wand entfernt. Am Depot lade ich noch einiges Material auf und schleppe den Rucksack hinauf auf 4700m zu unserem geplanten ABC, das wir unter Ausnutzung des Geländes so steinschlagsicher wie irgend möglich errichten. Riesige Felsblöcke liegen umher; diese haben erst vor kurzem das Lager der Kaltenbrunner-Expedition schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Ausblick auf K2 und die umliegenden Berge ist gigantisch. Den Beifang sieht man nur im oberen Teil, es hat viel Schnee. Der Zustieg zum Berg wird aber ein eigenes Kapitel werden. Hans und ich gehen nochmals zurück zum Depot und holen den Rest unserer Ausrüstung. Beim Zurückgehen versinke ich noch bis zu den Knien in einer kurz zuvor abgegangenen Schlammlawine. Saumüde erreiche ich gegen 21 Uhr das Lager. 
Vor allem fehlen uns jetzt noch die Zelte und die Verpflegung. Das ABC soll so eingerichtet werden, dass wir möglichst nicht mehr ins BC absteigen müssen. Wir steigen wieder ab ins Chinese Basecamp. Ich bin saumüde und beschließe erst morgen wieder aufzusteigen - der nochmalige Abstieg gestern war doch zuviel. Hans Honold, Dindi und Marc steigen wieder auf, während Hans Christian und ich im Basecamp bleiben. Am nächsten Tag tragen wir ausgeruht das restliche Material, Zelte und Verpflegung ins ABC auf 4700m. Hans, Dendi und Marc haben heute den weiteren Weg erkundet - zunächst über den K2 Gletscher und dann weiter taleinwärts zum Dong Qogori Gletscher. Sie markieren den Weg mit Fahnen, um die Orientierung auf dieser äußerst schwierig zu begehenden Etappe zu erleichtern.
 
20.09. ABC - Dong Qogori Gletscher
Mit schwer beladenen Rucksäcken machen wir uns auf ins Tal. Loses Geröll muss über mehrere Stunden im Schräghang überwunden werden. Dann geht es im Auf und Ab ständig am Gletscherrand unter meterhohen Eistürmen entlang taleinwärts. Nach 6 Stunden erreichen wir eine Geländeecke und sehen den weiteren Weg über den Gletscher vor uns. Entfernt sehen wir den Aufstieg am Beifang und müssen feststellen, dass sehr viel Schnee in den Flanken hängt. Die Aufstiegsroute verläuft entgegen unserer Informationen deutlich weiter unter den Seracs wie vorgesehen. Vereinzelt sieht man Lawinenanrisse. Aus den Flanken der anderen Gipfel fallen riesige Staublawinen die Hänge herunter. Der Weiterweg macht ebenfalls keinen Mut. Nach langem Studium erscheint uns der Aufstieg einfach zu gefährlich, wir würden uns ständig in Falllinie von Kirchturm-großen Seractürmen befinden. Wir wären zwar in der Lage, das ganze Material nach hinten zu schaffen, würden aber mindestens ein Woche dafür benötigen . Bei einem Unfall wäre nicht sichergestellt, dass wir einen Verletzten bis ins BC abtransportieren könnten. Hubschrauberbergungen sind nicht möglich - wir sind vollkommen auf uns allein gestellt… In Anbetracht dieser Voraussetzungen entschließen wir uns schweren Herzens, das Unternehmen Beifang Peak aufzugeben und andere Ziele in Betracht zu ziehen.
Wir treten den Rückweg ins ABC an.

Pläne für die umliegenden 6000er werden geschmiedet. Ein 6302m hoher unbenannter Gipfel im Osten bietet sich gut zur Akklimatisation und zum Gewinnen einer ersten Übersicht an. Wir wollen diesen Berg mit einem Hochlager besteigen.


22.09.2011
Bepackt mit allem was wir für die Besteigung brauchen, machen wir uns auf den Weg ins Lager 1, das wir auf einem Pass nördlich des Gipfels auf geschätzten 5300m aufschlagen wollen. Nach 45 Minuten Gehzeit ist die Tour allerdings beendet. Dendi hat sich bei der Gletscherquerung auf dem Geröll den Fuß eingeklemmt und wir müssen aufgrund unserer ersten Diagnose mal davon ausgehen, dass es sich um eine schlimmere Verletzung handelt. Wir kühlen und schienen Dendis Fuß und bringen ihn zurück ins ABC, wo ich Dendi nochmals anschaue; gebrochen scheint er nichts zu haben, dürfte „nur“ eine schwere Quetschung sein. Dendi bleibt erstmal im ABC. Jetzt zeigt es sich bereits, dass die Entscheidung, den Beifang abzubrechen richtig war. Selbst eine kleine Verletzung am Berg hätte eine gewaltige Kraftanstrengung bedeutet, bis der Verletzte draußen wäre, und bis er zur ärztlichen Versorgung käme, würde mindestens eine Woche vergehen.
Hans und ich beschließen, nun den Berg am nächsten Tag mit wenig Gepäck und ohne Hochlager zu versuchen.


 
23.09.2011
Es ist noch stockdunkel und kalt, als wir um 7 Uhr (chines. Zeit) morgens losgehen. Nach der Gletscherüberquerung steigen wir durch ein breites Tal bis auf 5000m auf . Bei der ersten Gelegenheit steigen wir nordseitig durch eine anstrengende steile Geröllflanke bis zum Gletscher auf. Der Schnee wird tiefer und erschwert die Spurarbeit. Es ist zwar nicht steil, aber endlos lang, bis der steile Gipfelaufbau in Sicht kommt. Die fehlende Akklimatisation und der lange Anstieg machen sich bemerkbar. Nach einer kurzen Pause spuren wir knietief den ca. 45 Grad steilen Gipfelhang hinauf und erreichen gegen 16 Uhr den 6302m hohen, stark überwächteten Gipfel. Eine grandiose Aussicht lässt uns die Mühen des Aufstiegs vergessen. Die Rast ist nur kurz; der lange Abstieg wartet noch. Der Abstieg, der Rückweg durchs Tal und der abschließende Gegenanstieg über den Gletscher raubt uns die letzten Kräfte. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das ABC, wo uns Dendi mit einer warmen Suppe erwartet. Seinem Fuß geht es besser, er kann schon auftreten und durchs Lager humpeln. Viel bringe ich nicht hinunter. 1900HM Auf- und Abstieg und dazu die anstrengende Spurarbeit hinterlassen Spuren. Hans Honold, Christian und Mark errichten ein Lager auf ca. 5500m und erreichen am nächsten Tag den Gipfel, während Hans und ich einen Rasttag einlegen und weitere Pläne schmieden.


Aus einer Notlösung wurde nun Bergsteigen in seiner ureigensten Form: ohne jegliche Informationen müssen wir nun mögliche Anstiege erkunden. Wenn möglich, wollen wir Hochlager vermeiden und mit wenig Gepäck in einem Tag rauf und runter. Das setzt allerdings sicheres Wetter, gute Akklimatisation und eine solide körperliche Verfassung voraus. Die umliegenden Berge sind alle schwer zu besteigen - entweder nicht zugänglich, oder riesige Gletscherbrüche und Seraczonen versperren den Weg. Wir erkunden den Anstieg zum South Skyang Peak 6523m und entschließen uns, diesen Berg in unmittelbarer Nachbarschaft des K2 zu versuchen.

26.08. - 28.08.2011 South Skyang Peak 6523m

Nach einem Schlechtwettertag mit nicht allzu viel Neuschnee brechen wir zu viert - Marc, zweimal Hans und ich - auf zum vom S Skyang Peak. Dendi und Christian, dem der Anstieg nicht gefällt, bleiben im ABC. Wie auf einer Allee geht es auf der Mittelmoräne des K2 Gletschers mit seinen beeindruckenden Eistürmen ins Talinnere. Der schwere Rucksack drückt auf den Schultern. Bis auf 5000m steigen wir hinauf, um uns von hinten an den Gletscherrand zu nähern, da hier der Gletscher ruhiger verläuft, und die Spalten besser überwunden werden können. Das Lager schlagen wir 50m vom Gletscherrand entfernt, in einer sicheren Zone auf einer Höhe von 5100m auf. Von hier können wir auch die Route gut einsehen. Immer wieder gehen Lawinen an den umliegenden Bergen ab, besonders beeindruckend die Abgänge über die Nordwand des K2. Die Nacht verläuft sternenklar, aber bitterkalt. Wie immer ist das Aufstehen, Frühstücken und Zusammenpacken eine Überwindung und braucht seine Zeit.


1400 Hm Auf- und Abstieg in unbekanntem Gelände stehen auf dem Programm. Wir wollen den Berg in einem Tag besteigen - ohne Erkundung, ohne Lager und nur mit dem Notwendigsten im Rucksack. Gleich hinter dem Lager klettern wir einen Eisbruch hinunter. Bevor der eigentliche Anstieg beginnt, bricht Hans durch eine Eisschicht und steht fast bis zur Hüfte im Gletscherbach. In kürzester Zeit gefrieren Schuhe und Kleidung und er muss die Besteigung abbrechen. Marc, Honold Hans und ich setzen den Aufstieg fort. Über eine gut begehbare Rinne geht es hinauf bis auf ca. 5500m, wo wir nach rechts auf den Gletscher queren. Die Spurarbeit ist zum Teil sehr mühevoll und der Schnee reicht stellenweise bis zur Hüfte. Auf 6000m erreichen wir den letzten ansteigenden Aufschwung über die noch 500m hohe und bis zu 60° steile Westwand des Berges.


Es ist bereits 15 Uhr. Wir überlegen kurz und entschließen uns dann, die Rucksäcke und Seil zurückzulassen und nehmen nur eine Jacke und Reservehandschuhe für den Gipfelanstieg mit, um schneller zu sein. Wir steigen nach Überquerung der Randspalte, in der ich fast versinke, im unteren Teil - rechts der Gipfelfalllinie im Blankeis - auf, das erspart uns die Spurarbeit. Nachdem wir ca. 200m hoch in der Flanke sind, löst sich im Gipfelbereich eine Lawine und kommt genau auf uns zu ,wir rennen was geht nach rechts und entkommen nur knapp. Glück gehabt. Wir queren nach links in kombiniertes Gelände, wo wir nicht in Falllinie der Gipfelwächten sind. Die Spurarbeit bleibt mir überlassen, der Schnee ist extrem trocken und ausgefroren. Ich halte mich zwischen den Felsen, wo ich hoffe, dass es sicher ist. Ich habe keine Hoffnung, dass mich jemand beim Spuren abtauscht, da es auch schon relativ spät ist und die Zeit drängt.



Teilweise grabe ich mit der Hand und dem Eisbeil Wächten ab, dass ich durchkomme, und denke mir einige Male, ob es das Risiko wert ist… Durch die Sonneneinstrahlung brechen im Gipfelbereich immer wieder Wächten ab und gehen als kleinere Staublawinen ab. Wir haben den Anstieg und die Steilheit, sowie die Verhältnisse, sicher etwas unterschätzt. Kurz vor dem Gipfel warte ich auf Hans und Marc. Zu dritt graben wir uns durch die Wächte und stehen um 18: 30 Uhr am 6523m hohen South Skyang Peak. Es ist ein gewaltiger Moment, die Aussicht in die Nordwand des K2 ist gewaltig Auf der anderen Seite der Beifang. Von dieser Seite sieht man den Aufstieg auf den Beifang sehr genau, und wir bereuen nichts mehr. Tage wie dieser sind ein Geschenk, kurz ist alle Anstrengung vergessen und man ist glücklich, das erleben zu dürfen. Wir fragen uns, ob je schon wer hier heroben war, mir ist’s egal - ich dränge zum Abstieg. Es ist schon 19:30 Uhr. Nochmals ist vollste Konzentration gefragt. Nochmals geht eine Lawine über unsere Abstiegsroute ab, wir queren einzeln, und so schnell als möglich nach rechts. Ein Sprung über die Randspalte und wir sind bei den Rucksäcken. Jetzt kann es auch dunkel werden. Nach einer kurzen Rast steigen wir ab und erreichen um 23 Uhr unser Lager. Hans liegt im Zelt, er hat eine Stunde lang seine Füße massiert und den ganzen Tag seine Schuhe getrocknet. Den Gipfel kennt zwar niemand, niemand weiß, ob wir die ersten waren, aber für mich war es sicher einer der schönsten Tage am Berg. Nach einer kalten Nacht bauen wir unser Lager ab und marschieren zurück ins ABC. Den Geröll bedeckten Gletscher verwünsche ich. Das ständige Auf und Ab und der schwere Rucksack zieht mir den letzten Nerv. Ich spüre den gestrigen Tag und stolpere mehr oder weniger dem ABC entgegen. Ali unser Verbindungsmann ist mit frischen Brot aus dem BC hochgekommen und nimmt schon mal einige Ausrüstungsgegenstände mit ins Tal.

30.09. -31.09.2011
Heute brechen wir das ABC ab. Ich bin froh, dieses nicht ganz steinschlagsichere Lager zu verlassen. Zusammenpacken, Müll verbrennen und alles für den Abtransport vorbereiten. Die schweren Sachen werden die Kirgisen in zwei Tagen holen, wenn sie mit ihren Eseln und Kamelen kommen. Dendi ist vom BC aufgestiegen und wird uns beim Abtransport unterstützen. Seinem Fuß geht es wieder gut, nur der Knöchel schmerzt noch etwas. Zur Überraschung bringt er den Koch mit, was eigentlich niemand wollte. Wir packen unsere Rucksäcke, wie ich den tragen soll, ist mir noch ein Rätsel, nur nicht nochmals diese Geröllhalde aufsteigen.
35 kg - wie wir später wiegen - schleppt jeder ins Tal. An manchen Hängen besteht extreme Steinschlaggefahr, besonders bei Schlechtwetter. Ich bin froh, als ich am Gletscherende ankomme, bevor nochmals ein 200Hm Anstieg kommt. Von da geht es dann in einer Stunde ins Basislager. Ich deponiere etwas Material, das ich morgen holen werde; steige mit leichteren Rucksack gemütlich ab und genieße die grandiose Landschaft und die Ruhe. Ich bin dankbar, das erleben zu dürfen. Abends stellt sich heraus, dass Mr. Woo, der Koch, aufgestiegen ist, um einige Dollars beim Materialtransport zu machen. Das misslang allerdings gänzlich, denn er kommt erst um 00.45 im BC an und verursacht dadurch fast eine Suchaktion durch unser Team.

02.10. - 03.10.2011
Da das Wetter nach einem wechselhaften Tag wieder gut ist, beschließen wir nach einem Rasttag noch den Tuofeng, einen schönen 6040m hohen Gipfel, der über dem Basislager thront, zu besteigen. Nach dem Frühstück packen wir die Rucksäcke und bereiten uns auf den 2-tägigen Aufstieg vor. Ich fühle mich heute wieder gut; der Rasttag gestern hat gut getan. Ein erfrischendes Bad im Fluss und wieder mal halbwegs kultiviert, geht gleich alles besser.
Über steile Schotterflanken steigen wir dann über schneebedeckte Hänge ins Gletscherbecken unterhalb des Gipfelaufbaues auf. Der Schnee ist wie immer tief und ungut zu spuren. Nach 6 Stunden bauen wir unser Hochlager auf ca. 5100m im spaltenreichen Gletscherbecken auf. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen. Die Aussicht in die umliegenden Täler und in die darüber schneebedeckten Berge ist grandios.



Wüste trifft auf Hochgebirge. Nach Sonnenuntergang wird es gleich empfindlich kalt und wir verkriechen uns in die Zelte. Am nächsten Morgen ist es saukalt und auf die Sonne können wir nicht warten. Es ist Anfang Oktober, das merkt man. Das Frühstück wird hinuntergewürgt, danach zusammenpacken - was bei dieser Kälte gar nicht so einfach ist. Ich bin froh, dass ich die dicken Ex-Handschuhe, die ich nicht mal am McKinley oder Mt. Logan gebraucht habe, mitgenommen habe. Gegen 10:30 starten wir erst über den spaltenreichen Gletscher - danach im tiefen Schnee einen NO Hang hinauf zum Beginn des Grates, der zum Tuofeng zieht. Die Sonnenstrahlen werden aufgesaugt, und ich muss erst mal meine Zehen und Finger aufwärmen. Danach spuren wir den nicht allzu schweren Gipfelgrat hinauf und erreichen um 14 Uhr den Gipfel des Tuofeng (6040m). Innerhalb von 10 Tagen der dritte 6000er. Die Aussicht ist wie immer grandios; K2, Ogre - bis weit nach Pakistan hinein, auf der anderen Seite China, hier der Übergang in die wüstenartigen Täler den Anfängen der Takla Makan. Nach dem langen und anstrengenden Abstieg freue ich mich aufs Essen. Doch die Auswahl ist nicht mehr groß - haben doch wilde Kühe 2-mal unser Gemüselager geplündert und dabei auch noch für die Belüftung des Küchenzeltes gesorgt. Gestern sind auch unsere Kameltreiber eingetroffen und haben heute das restliche Material von unserem ABC ins Tal gebracht. 

Der hintere Gipfel ist der von Bernd Tritscher bestiegene, unbenannte Gipfel

05.10.- 08.10.2011  Rückmarsch nach Ilik
In 4 Tagen wollen wir zurück in Ilik sein. Das Packen der Kamele nimmt immer 2 Stunden in Anspruch. Gegen 11.00 Uhr verlassen wir das BC und starten auf unsere heutige ca. 6-stündige Etappe ins Shaksgam Tal, das wir am zweiten Tag flussaufwärts bis zum Fuße des Aghilpasses verfolgen. Das Wasser ist aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit und der kalten Temperaturen stark zurück gegangen, und wir kommen gut voran.  Eine Schlechtwetterfront, die uns verfolgt, zwingt uns zu einem frühem Aufbruch um den Aghilpass zu überqueren. Am Pass oben ist es bitterkalt und es schneit leicht, im Laufschritt geht es talwärts.  Man merkt deutlich, dass der Winter kommt. Unser drittes Lager schlagen wir so weit wie möglich unten im Tal, bei bereits einbrechender Dunkelheit auf. Da der gestrige Tag sehr lang war, starten wir die letzte Etappe relativ spät und erreichen so Ilik erst gegen Abend, wo wir uns bei unserem Imam (Bürgermeister, Geistlicher, Oberkameltreiber) einquartieren. Die übrigen Kameltreiber warten sehnsüchtig auf ihr Geld - für den Gepäck-Transport ins ABC. Das bringen jedoch die Fahrer mit, da dies das „Problem“ unserer chinesischen Agentur ist. Die Drohungen, die ausgesprochen werden, zeigen ihren Charakter. Die Fahrer kommen erst spät in der Nacht und wir liegen noch in den Schlafsäcken, als die Kirgisen am Morgen wieder dastehen und endlich bezahlt werden können.

ABC Lager

09.10.- 10.10.2011 Rückfahrt nach Kashgar
Nach dem beladen des LKW´s verabschieden wir uns von den Kirgisen und treten die Rückfahrt nach Yechen an. An der Polizeistation erhalten wir unsere Pässe zurück und müssen alle Fotos vorzeigen. Die Bauarbeiten sind zwar immer noch im Gange, aber wir kommen bis auf zwei kleine Stopps, wo wir die Straße händisch freiräumen, gut durch und erreichen spät in der Nacht Yechen. Nach einer kurzen Nacht geht die Fahrt weiter nach Kashgar, teilweise fahren wir auf einer noch nicht freigegebenen Autobahn. In Kashgar hat uns das normale Leben wieder: Lärm, Menschen, Autos, Gestank - anstatt Einsamkeit,  unendliche Weite,  Berge und Kamele.

Im Nachhinein betrachtet, war es für mich ein wunderbares Erlebnis in einer grandiosen einsamen Bergwelt - und vor allem noch unberührter Natur. Hier kann man nur hoffen, dass dies lange so bleibt.
 
Ich möchte hier auch unserem Poolpartner Prem Walter von Skinfit Salzburg für seine Unterstützung danken.   
 
Tritscher Bernd