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Bergrettung
 

Expeditionsbericht Peru 2011: Verschiedenste Gipfel durch Pongauer Bergretter

Gepäcktransport Ishincatal
Aufstieg Artesonraju
Aufstieg Artesonraju
Aufstieg Artesonraju
Hochlager Ranrapalca auf 5000m
Hochlager Ranrapalca
Sonnenaufgang Tocllaraju
Gipfel Tocllaraju
Gepäcktransport Ishincatal
Die Gruppe

Fünf junge Bergsteiger aus dem Pongau machten sich nach rund zwei Jahren Pause erneut auf den Weg nach Peru: Christian Wurzer, Simon Piberger, Helena Kestrankova, Robert Präauer und Bernhard Fritz, die alle ehrenamtlich im Dienst der Bergrettung Salzburg stehen. Während Christian, Simon und Robert schon vor zwei Jahren einmal die Reise nach Peru angetreten sind, reihten sich Helena und Bernhard unter die neuen Bergsteiger ein. An die bisherigen Gipfelerfolge durch die Besteigung des Alpamayo (5497m) und den Copicalqui (6357m) vor zwei Jahren, sollten sich auf dieser Expedition fünf weitere Gipfel in die Liste der erfolgreichen Besteigungen einreihen. In der Expeditionszeit von vier Wochen waren folgende Berge geplant:

1. Urus Este (5495m) über die „East Ridge“ (Normalroute)
2. Tocllaraju (6032m) über die „West Face Direct“
3. Ishinca (5530m) über die „Southwest Ridge“
4. Ranrapalca (6162m) über die North Face
5. Artesonraju (6025m) über die „Southeast Face“ (Normalroute)

Nach einer langen Anreise musste Christian sofort eine große Enttäuschung hinnehmen – das wertvolle Gepäck mit der kompletten Ausrüstung war auf dem Weg nach Lima verschwunden. Die ersten Tage in Huaraz verliefen auf Grund des fehlenden Gepäcks -gerade für Christian - etwas unentspannt und auch der Rest der Gruppe wurde durch die Situation unruhig. Nach vier Tagen Bangen und Hoffen erreichte der Hotelmanager die zuständigen Personen am Flughafen Lima, die glücklicherweise bestätigten, dass das Gepäck am Flughafen zur Abholung bereit stünde. Hilfsbereitschaft wird auch in Huaraz groß geschrieben. So hatte sich ein holländisches Pärchen, das dort beheimatet ist, dazu bereit erklärt, gemeinsam mit Christian und Bernhard zurück zum Flughafen in Lima zu fahren. Nach 12 Stunden Autofahrt und einem kurzen Zwangshalt durch die örtliche Polizei auf der Pan Americana konnte die Geldstrafe mit entsprechenden Sprach-Kenntnissen und zwei Packungen Keksen verhindert werden.

Robert, der mit den anderen währenddessen in Huaraz geblieben war um Proviant für die ersten Tage im Ishinca Tal, sowie die Eseltransporte zu organisieren, wurde durch einen Magen-Darm Virus heimgesucht. Trotzdem hielt die Gruppe am Plan fest, da er sich sichtlich auf dem Weg der Besserung befand. Simon und Helena machten sich vorab schon mal mit dem größten Teil der Ausrüstung Richtung Basecamp für die ersten vier Berge auf. 

Sonnenaufgang Urus
Nur einen Tag später konnte sich auch der Rest der Gruppe - nach Roberts Genesung - auf den Weg ins Basecamp machen. Nach dem Lageraufbau fanden sich alle fünf schnell in ihren Schlafsäcken wieder, denn die Nacht sollte nur kurz werden. Um 02:00 Uhr wärmte ein frisch gekochter Tee und stärkte ein Frühstück und um 03:00Uhr ging es los - auf den Urus (5495m). Die Gruppe erreichte den Gipfel bei Sonnenaufgang und perfekten, aber dennoch sehr kalten Wetter. Der erste 5000er wurde zu einem schönen Erfolg und brachte viel Motivation für das gesamte Team. Zeit für ein paar Bilder und einen kurzen Augenblick auf dem Gipfel, folgte danach der Abstieg ins Basecamp zurück. Rechtzeitig zum Mittagessen, das zum größten Teil aus dehydrierter Trockennahrung bestand, konnten sich die fünf Pongauer den restlichen Tag entspannen.

Gipfel des Tocllaraju
Das erste Mal so richtig ernst wurde es nach einem Ruhetag im Basecamp, denn die komplette Ausrüstung, die rund 25KG pro Person ausmachte, wurde ins Moränenlager des Tocllarju auf 4900m getragen. Zum Standardprogramm nach der Ankunft im Hochlager gehörte der Zeltaufbau, Tee kochen und essen, da der Aufstieg über die Gletschermoränen sehr anstrengend war. Zur Abwechslung gab es wieder einmal dehydrierte Trockennahrung.  Um 24:00 Uhr ging es bei extremer Kälte und starken Wind, entgegen der Planung Richtung Gipfel über die „Northwest Ridge“ (Normalroute), los. Bei Sonnenaufgang standen die Pongauer Bergsteiger auf dem Gipfel des Tocllaraju (6032m). Stark ausgekühlt, aber glücklich blieb nur kurz Zeit für Fotos bevor der Abstieg begann. Gegen Mittag erreichte die Gruppe das Hochlager, welches gleich abgebaut wurde, um den Weg weiter ins Bascamp antreten zu können - am Abend trafen sie dort ein.

Ishinca bei besten Bedingungen
Nach einem weiteren Ruhetag ging es dann für die fünf wieder mit 25kg in das sehr abgelegene Hochlager des Ranrapalcas, das auf einer Höhe von 5000m liegt - am sogenannten „Ishinca-Ranrapalca Col“. Nach sehr anstrengenden Stunden über Gletschermoränen, Schotterhängen und Gletscher erreichten die fünf das Hochlager am Nachmittag. Nach dem Aufbau der Zelte nütze die Gruppe die verbleibende Zeit und stieg über die „Southwest Ridge“ auf den Ishinca (5530m). Der Gipfel wurde bei schönsten Wetter gegen Abend erreicht.

Büßereis und Gletscherspalte
Auch diesmal gab es für die Gruppe nur eine kurze Nacht. Gegen 02:00 Uhr ging es los in Richtung Gipfel des Ranrapalcas. Wie beim Tocllaraju musste die Gruppe entgegen der Planung wegen starken Stein- bzw. Eisschlags auf die Route über die „Northeast Face“ ausweichen. Der Aufstieg erwies sich als besondere Herausforderung, da in den ersten 400hm der Wand „Büßereis“ mit einer Höhe von bis zu 1m50cm auf die Bergsteiger wartete. Zudem verhinderte eine große Gletscherspalte auf einer Höhe von 5800m den weiteren Weg. Nach etlichen erfolglosen Versuchen die Spalte zu überwinden, wurde schnell deutlich, dass ein Weiterkommen nur mit einem hohen Zeitaufwand möglich gewesen wäre. Die Gruppe hätte nur durch Queren der kompletten Wand über eine Steinschlagzone den Gipfel erreichen können. Aufgrund der weit voran geschrittenen Zeit und der Tageserwärmung der Wand wäre eine sichere Begehung ohne Steinschlag nicht mehr möglich gewesen. So entschloss man sich gemeinsam zum Abstieg. Am Abend desselben Tages erreichten sie sehr erschöpft das Basecamp. Um Kräfte aufzutanken, ging es am darauf folgenden Tag  aus dem Ishinca-Tal zurück nach Huaraz.

Artesonraju und Titicaca-See
Fünf Tage später erfolgte der Aufbruch ins „Baron-Tal“ zum letzten Berg, den Artesonraju (6025m).
Vielen ist der Berg wohl eher bekannt durch das Logo der „Paramount Pictures“, einer sehr großen Filmproduktionsfirma. Die fünf Pongauer stiegen direkt ins Moränenlager, in 4900m Höhe auf. Der Gipfel sollte von diesem Lager aus bestiegen werden, auf eine zusätzliche Übernachtung im Hochlager wurde verzichtet. Beim Aufstieg hatte Christian bereits Probleme mit der körperlichen Verfassung, welche mit steigender Höhe stärker wurden. Die Schlechtwetterfront am nächsten Tag wurde zum Auskundschaften der Wand genützt. Das Schlechtwetter verzog sich dann gegen Nachmittag und so startete man zu viert gegen 23:00 Uhr den Gipfelgang über die „Southeast Face“. Christian musste aufgrund der Magen-Darm Infektion im Hochlager zurückbleiben, an einen Aufstieg war nicht zu denken. Nach einem langen, harten Aufstieg erreichte die Vierergruppe erfolgreich gegen Mittag den Gipfel des Artensonraju (6025m). Nur einige kurze Augeblicke am Gipfel für ein paar Fotos blieben, danach hieß es 17 Seillängen abseilen durch die Wand. Gegen 22:00 Uhr kamen sie müde und erschöpft ins Möränenlager zurück.

In den nächsten Tagen wurde das Hochlager abgebaut und das Baron-Tal verlassen. Die letzten verbleibenden Tage verbrachte die Gruppe am Titicaca-See, in Cusco und dem Machu Picchu um auch das Land Peru mit seinen vielen Facetten besser kennenzulernen.

Hintergrundinformation zu den Teilnehmern:
Christian Wurzer, 33 Jahre: Bergrettung Werfen, wohnt in Pfarrwerfen
Robert Präauer, 33 Jahre, Bergrettung Werfen, wohnt in Werfen
Bernhard Fritz, 28 Jahre, Bergrettung Mühlbach, wohnt in Mühlbach
Simon Piberger, 30 Jahre, Bergrettung Werfen, wohnt in Werfen
Helena Kestrankova, 27 Jahre, Bergrettung Werfen, wohnt in Werfen

...alle fünf Pongauer Bergsteiger sind auch Mitglieder des Bergsportvereins FünfCplus

PS: Ein Diavortrag ist geplant: Termin wird noch bekanntgegeben!

Text:  Sabrina Schulze und Christian Wurzer