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Bergrettung
 

Unterkühlung

Die Kälte und die durch sie verursachte Unterkühlung des Körpers ist eine große Gefahr - meist unterschätzt. Unzählige Bergkameraden konnten sich daraus nicht mehr lösen und schliefen für immer ein. Denn eine Unterkühlung hat nichts mit einem harmlosen Kältezittern zu tun, sie kann ein lebensbedrohlicher Zustand werden.

Unterkühlungen drohen bei längerem ungeschützten Aufenthalt im Freien bei niedrigen Temperaturen. Möglichkeiten dafür gibt es viele: Lawinenunglücke, Skiunfälle, Einbrechen im Eis oder ganz allgemein nach Unfällen.
 
Bei Unterkühlungen sinkt die Körpertemperatur unter 36 Grad. Anfangs empfinden unterkühlte Menschen Schmerzen, dann werden sie teilnahmslos und müde. Später fühlen sie sich beschwerdefrei und schlafen ein. Dann drohen Bewusstlosigkeit und in weiterer Folge Atem- Kreislaufstillstand.
 
Am wichtigsten ist es, einen Unterkühlten an einen windstillen Ort oder in einen warmen Raum zu bringen. Daher ist im Gebirge so rasch wie möglich der alpine Notruf 140 zu wählen und dadurch professionelle Hilfe zu alarmieren. Bis zum Abtransport soll der Ersthelfer den Unterkühlten wach halten, ihn aber nicht zu Bewegung oder Gehen auffordern. Am besten ist es, ihn in wärmende Decken (Rettungsdecke) oder zusätzliche Kleidungsstücke einzuwickeln.
 
In kurzen Abständen muss die Atmung kontrolliert werden. Setzt die normale Atmung aus, müssen Herzdruckmassage und Beatmung durchgeführt werden.
 
Ist der Unterkühlte an einen warmen Ort gebracht, soll der Unterkühlte von kalter oder nasser Kleidung befreit und in angewärmte Decken gehüllt werden. Heiße Getränke können ihm angeboten werden, wenn er bei Bewusstsein ist. Ist der Unterkühlte bewusstlos, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Zur Vorbeugung der Unterkühlung empfiehlt die Bergrettung frische trockene Kleidung, im Zwiebelschalenprinzip übereinandergezogen. Sie sollte atmungsaktiv sein und nicht zu dicht am Körper aufliegen. Die äußersten Schichten - wie Jacke und Hose sollten auf alle Fälle winddicht sein. Durch feuchte Kleidung geht Körperwärme verloren. Also immer Wechselwäsche mitnehmen (Achtung: Auch Funktionswäsche wird feucht!). Ein hungriger Mensch friert schneller, deshalb sollte man energiereiche Nahrung und gesüßte Getränke zu sich nehmen, aber keinesfalls Unterkühlten alkoholische Getränke verabreichen! Biwaksack und/oder Rettungsfolie gehören immer in den Rucksack.

Tipp: Wärmepackung
Die Unterkühlung verläuft in mehreren Stadien. Die leichte Hypothermie (Unterkühlung) zeigt sich darin, dass der Betroffene ängstlich reagiert, zittert und unruhig ist. Symptome der mäßigen Hypothermie sind reduziertes Bewusstsein und Reaktionsvermögen. Bei der schwere Hypothermie kommt extreme Müdigkeit hinzu, die als akutes Alarmsignal für eine sehr starke Unterkühlung bewertet werden muss.

Um diesen Prozess zu unterbrechen, gibt es die Möglichkeit, eine Wärmepackung zu "bauen". Mit dieser Methode kann der unterkühlte Körper langsam wieder aufgewärmt werden:

Drei Gore-Tex-Jacken werden geöffnet auf dem Schnee der Personenlänge nach ausgebreitet, eine Rettungsdecke (längs zur Hälfte gefaltet) auf Höhe des Oberkörpers darübergelegt. Den Patienten vorsichtig auf dieses Kreuz legen. Unterhemden oder T-Shirts zur Ziehharmonika falten, mit 1 Liter heißem Wasser oder Tee tränken und zwischen zwei Bekleidungsschichten auf die Brust des Opfers schieben.

Sämtliche Jacken sollten an ihren Reißverschlüssen sorgfältig geschlossen werden, damit keine Körperwärme entweichen kann. Sofern möglich, einen Biwaksack als Außenhülle darum zu wickeln. Wichtig ist bei dieser ganzen Prozedur vor allem, dass die Person so wenig wie möglich bewegt wird.