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Bergrettung
 
 

Die Ortsstelle Saalbach-Hinterglemm des Österr. Bergrettungsdienstes feierte 1997 das
50- Jahr-Jubiläum; nachfolgend ein Überblick aus unserer Festschrift:


1947
wurde die Ortsstelle Saalbach durch Herrn Peter Bauer gegründet.

Vor dem Krieg wurden die Aufgaben der Bergrettung hauptsächlich von Mitgliedern des Wintersport- vereines (heute Skiclub) und von Skilehrern wahrgenommen.

Waren es vor dem Krieg hauptsächlich verletzte Skitourengeher die geborgen werden mußten, verlagerte sich die Arbeit des Bergrettungsdienstes mit Beginn der Lifterschließung auch auf die Pistenrettung. Nach und nach wurde diese Aufgabe aber von den Bergbahnen selbst übernommen, da sie von den freiwilligen Bergrettern nicht mehr bewältigt werden konnte.

Die Tätigkeit der Bergrettung konzentrierte sich wieder auf den freien Schi- und Bergraum.

1957 wurde auch in Hinterglemm eine Rettungsstelle eingerichtet, die vom Volksschuldirektor, Herrn Hannes Margreiter,   geleitet wurde.

Peter Bauer und Hannes Margreiter stellten aus begeisterten Freiwilligen, welche zum Teil schon nach den Satzungen des Bergrettungsdienstes ausgebildet wurden, schlagkräftige Einsatzmannschaften zusammen.

Wenn man bedenkt mit welch bescheidenen Mitteln von diesen Männer schwierige Einsätze gemeistert wurden, verdient dies unsere volle Hochachtung.

Sind es heute Hubschrauber, Einsatzfahrzeuge oder Pistenraupen, welche Hilfsmannschaft und Ausrüstung rasch zum Verunfallten bringen, war man damals gezwungen die gesamte Ausrüstung in stundenlangen Anmärschen zum Einsatzort zu tragen. Dann mußte noch genügend Kraft vorhanden sein, um den Verletzten rasch und sicher zu Tal zu bringen.

Die Verständigung der Rettungseinheiten untereinander war kaum möglich, da Funkgeräte erst Ende der 60iger Jahre zum Einsatz kamen. Da gab es noch CB-Funkgeräte, unhandlich, mit sehr langen Antennen und die Einsatzmöglichkeiten waren sehr begrenzt.

Lawineneinsätze zählen heute noch zu den schwierigsten Aufgaben der Bergrettung. Solche Einsätze hatten die Bergretter von 1947 bis 1975 einige zu bewältigen (Schwarzachergarben, Schönhoferwand udgl.); die Arbeit der Helfer mußte sich damals auf Schaufeln und Sondieren beschränken. Verschüttetensuchgeräte gab es noch keine. Unsere, heute unverzichtbaren, vierbeinigen Spürnasen waren nicht, oder nur sehr wenige vorhanden.

Trotz der Gewissheit, oft genug einen von vornherein aussichtslosen Kampf um das Überleben der Verunfallten zu führen, haben diese Männer nie resigniert und mit Mut und Begeisterung ihre Aufgaben erfüllt. Deshalb sind diese Leistungen nicht oft genug zu würdigen.

1962 wurde schließlich die Ortsstelle Saalbach aufgelöst, da sich Nachwuchsprobleme einstellten und die wenigen Bergrettungsmänner die immer größer werdenden Anforderungen nur mehr sehr schwer erfüllen konnten.

Alle anfallenden Einsätze wurden nun von der Ortsstelle Hinterglemm durchgeführt.

1973 wurde in Saalbach wieder mit dem Aufbau einer Ortsstelle begonnen und bald war eine achtköpfige, gut ausgebildete Einsatzmannschaft aufgestellt, sodaß 1975 in Saalbach wieder eine Rettungsstelle mit entsprechender Ausrüstung gegründet wurde.

1977 übernahm dann die neue Ortsstelle auch die Aufgaben der Bergrettungsstelle Hinterglemm. Die Ausrüstung der Ortsstelle war in den Kellerräumen des Hallenbades untergebracht und in einem Anbau an das ehemalige Wieserhaus (offene Holzgarage) stand 1978 zusammen mit dem Rot-Kreuz-Fahrzeug das erste Einsatzfahrzeug der Bergrettung in Salzburg.

1982 wurden die neu errichteten Räume im Infocenter von Bergrettung und Rotem Kreuz bezogen. In diesem Jahr wurde auch die Funkausrüstung modernisiert und eine Funkverbindung von Bergrettung und Rotem Kreuz geschaffen. Dies war wieder ein Novum im Bundesland Salzburg. Unsere Mannschaft war inzwischen auf 15 Mann angewachsen. Der Gedanke an ein neues größeres Einsatzfahrzeug wurde laut.

1983 konnte dies nach einem, gemeinsam mit dem Roten Kreuz, veranstaltetem Waldfest und mit namhafter Unterstützung der Gemeinde und der Wirtschaftstreibenden aus Saalbach-Hinterglemm realisiert werden.

Für die nun 20 Mann starke Mannschaft des Bergrettungsdienstes ergab sich großer Platzmangel in den Kellerräumen des Infocenters, so wurde die Gelegenheit genützt als die neue Einsatzzentrale geplant wurde.

Bergrettung und Rotes Kreuz konnten ihren Platzbedarf bekanntgeben und schließlich 1988 mit einer beeindruckenden Feier zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr, der Trachtenmusikkapelle und der Rettung, die Einsatzzentrale beziehen.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Saalbacher Bergrettung war sicher die rettungsmäßige Abwicklung der Alpinen Ski WM 1991. Über 140 Bergrettungsmänner aus dem ganzen Bundesland waren bei dieser Veranstaltung eingesetzt und haben zu einer ausgezeichnet gelungen WM beigetragen.

Ein wichtiges Anliegen war es uns auch immer die schnellstmögliche Einsatzbereitschaft der Bergrettungsmänner zu gewährleisten. Aus diesem Grund wurde darauf Bedacht genommen, daß jeder Bergretter die Sommer-, bzw. Winterausrüstung einsatzbereit im Rucksack zu Hause hat.

Ebenso wurde das Verständigungs- und Funksystem weiter ausgebaut. Da es bei den leider immer häufigeren Lawinenabgängen sehr auf die Schnelligkeit der Einsatzmannschaften ankommt wurde ein fertig gepackter Anhänger mit der nötigen Ausrüstung angeschafft.

Sehr schnell erkannte man in unserer Ortsstelle auch die Vorteile des Faserseiles gegenüber dem Stahlseil für unseren Einsatzbereich. Mit diesem Material arbeiten wir seit einigen Jahren zu unserer vollen Zufriedenheit.

Im Februar 1997 konnte in einer eindrucksvollen Übung zusammen mit Alpingendarmerie und Hubschrauber eine Bergung aus dem 200 m hohen, gefrorenen Wasserfall bei der Saalalm gezeigt werden.

Der Betrieb einer funktionierenden Bergrettung verursacht einen sehr hohen finanziellen Aufwand, dieser Aufwand wird von der öffentlichen Hand nur sporadisch und spärlich abgedeckt.

Der größte Teil unseres Budgets mußte daher durch Spendensammlungen und Fördereraktionen zusammengebettelt werden. Trotzdem mußte sich jeder Bergrettungsmann seine Ausrüstung zum Teil aus eigener Tasche bezahlen. Außerdem fehlt die gesetzliche Anerkennung als Rettungsorganisation und damit auch die finanzielle Sicherstellung des Bergrettungsdienstes.

Es ist besonders erfreulich, daß hier Änderungen im Gange sind und zum Teil schon beschlossen wurden. Für diese Änderungen war wiederum die Ortsstelle Saalbach-Hinterglemm federführend verantwortlich.

Es konnte durchgesetzt werden, daß auch bei Bergrettungseinsätzen nach dem Verursacherprinzip abgerechnet werden kann und der Kostenersatz entsprechend erhöht wurde. Es obliegt jedoch der jeweiligen Ortsstelle selbst, ob in entsprechenden Fällen überhaupt eine Rechnung gestellt wird.

Seit 1994 sind wir in Saalbach-Hinterglemm in finanzieller Hinsicht wiederum einen Schritt voraus. In einem einstimmigen Gemeindevertretungsbeschluß ist uns die Finanzierung unseres Ortsstellenbudgets nach einem jährlich zu erstellenden Voranschlag zugesichert worden.

An dieser Stelle möchte sich die Bergrettung nochmals bei unserem Bürgermeister Peter Mitterer, der selbst seit 20 Jahre aktiver Bergrettungsmann ist, und seiner Gemeindevertretung für diesen Beschluß bedanken.

Die Ortsstelle Saalbach-Hinterglemm hat sich als Hausaufgabe das Projekt Bergrettung 2000 auferlegt. Jeder angehende Bergretter muß nun 3 Wochen Ausbildung in Fels und Eis, sowie ein Wochenende "Erste Hilfe" absolvieren. Sein Wissen und Können muß stets vertieft und erweitert werden durch regelmäßigen Besuch der Ortsstellenschulungen.

Über 150 Bergrettungseinsätze mußten von der Ortsstelle in 22 Jahren geleistet werden. Dazu kommen noch etwa zwei Dutzend falsche Alarmierungen.

In den Anfangsjahren waren unsere Einsätze vorwiegend nächtliche Suchaktionen, die meisten davon im Winter. In dieser Richtung spielen sich auch die blinden Alarme ab. In günstigeren Fällen waren es Gäste, die etwas verspätet zurück ins Quartier kamen, weil der Hüttenzauber zu verlockend war.

Suchaktionen sind jetzt nicht mehr so häufig, meistens gelten sie wirklich in Bergnot geratenen Menschen. Dafür mehren sich in den letzten Jahren die Lawinenabgänge. Meistens sind es sogenannte Variantenfahrer die mit Unbekümmertheit und Ignoranz alle Warnungen mißachtend, solche Ereignisse auslösen. Nichtsahnend in welche Gefahr sie sich selbst manövrieren und in Folge auch die Rettungsmannschaften in Lebensgefahr bringen.

Die Ortsstelle Saalbach-Hinterglemm zählt derzeit 28 ausgebildete Bergrettungsmänner. Bis vor kurzem standen zwei Lawinenhunde der Ortsstelle zur Verfügung.

Unser Kamerad Peter Seidl mit seinem ausgezeichneten vierbeinigen Helfer hat seine Funktion als Hundeführer nach 20 Jahren erfolgreicher Tätigkeit leider aus beruflichen Gründen aufgeben müssen. Er dient weiterhin der Bergrettung als Bergrettungsmann und in seiner Funktion als Schriftführer.

Kamerad Hias Schwabl ist weiterhin engagierter Hundeführer und stellvertretender Bereichsleiter. Ein Hundeführer muß neben seiner Ausbildung als Bergrettungsmann enorm viel Zeit und Mühe aufwenden um seinen Hund und sich selbst auszubilden und in Form zu halten.

Diesen Kameraden gehört deshalb ein besonderer Dank ausgesprochen. Nicht zuletzt bedankt sich die Bergrettung herzlich bei einem der seine Funktion stets unbedankt und im Hintergrund ausübt. Unser Ortsstellenarzt Dr. Ulf Scheuch ist stets bemüht uns in der Ersten Hilfe weiterzubilden und unsere Sanausrüstung evident zu halten und zu verbessern.

Es wird in Zukunft noch mehr Augenmerk auf die Erste-Hilfe-Ausbildung gelegt werden müssen; ein Bergretter sollte das gleiche Wissen und Können, wie ein Rot Kreuz Helfer haben, diese aber auch in schwierigen Situationen anwenden können.

Werner Binder