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Bergrettung
 

1959 - 2009 50 Jahre Sahara Kundfahrt

Bei der Sahara Kundfahrt des Edelweiß-Club Salzburg vor 50 Jahren mit 5 Teilnehmern -  Marcus Schmuck (Expeditions-Leiter), Albert Morocutti, Hans Egger, Otto Wintersteller und Lois Schwaiger  - waren alle, ausgenommen des Letztgenannten, Kameraden der Bergrettung Salzburg. Das Ziel waren Besteigungen im Hoggar, dem Bergland im Zentrum der algerischen Sahara.

 

Eine Expedition, und als solche kann man das Unternehmen durchaus bezeichnen, war damals ein echtes Abenteuer mit völlig anderen Anforderungen, als wir uns das heute vorstellen können. Das gilt insbesondere für die technische Ausrüstung, die geografischen und politischen Verhältnisse, als auch die heute unvorstellbaren Verkehrs- und Straßen-verhältnisse – nicht nur in Nordafrika, auch bereits auf der Anreise in Europa.

 

Am 27. 2. 1959 startete die Mannschaft in Salzburg mit Ausnahme von Schmuck, der erst eine Woche später nachfliegen konnte und in Algier zur Mannschaft stoßen sollte. Die Ausrüstung bestand neben dem notwendigen bergsteigerischen Zubehör aus einem  wüstentauglich gemachten ganz normalen aber übervollen VW – Bus, 30 PS, kein Allrad, kein GPS, Handy oder Funk, ohne genaue Landkarten, aber mit teilweise guten Informationen früherer französischer Kundfahrten.

 

Die Anreise am Landweg bis Palermo, danach per Schiff bis Tunis und weiter nach Algerien, ohne Autobahnen, stand unter großem Zeitdruck um rechtzeitig in Algier Marcus Schmuck aufnehmen zu können. Von dort sollte es fast 2000 km auf Wüstenpisten südwärts ins NW-Hoggar-Gebiet gehen. Doch die Träume platzten bereits vor der tunesisch-algerischen Grenze, wo die Einreise trotz genehmigter Papiere wegen der akuten Kämpfe der algerischen Aufständischen mit der französischen Kolonialmacht verweigert wurde. Also wieder alles zurück und versuchen, über Marseille nach Algier zu gelangen. Nach vielen bürokratischen Hindernissen und enormem Zeitverlust gelang das schließlich auch.

 

Nach abenteuerlicher, strapaziöser Fahrt war man schließlich im Tidikmar-Massiv, dem ersten geplanten Bergziel, angekommen. An den griffarmen, fast rißlosen und sehr gewöhnungsbedürftigen Basalttürmen gelangen etliche schwierige Besteigungen an Gipfeln bis ca. 1600 m und Wandhöhen von ca. 500 m. Klettern war wegen der Hitze bis 50 ° C nur bis 10:00 Uhr vormittags möglich.

 

Am Weg zur 700 km entfernten Oase Tamanrasset gelangen im Taourit-Gebiet wieder einige Kletteranstiege auf die bis 2.100 m hohen Gipfel. 80 km nach Tamanrasset wurde schließlich das Atakar erreicht, das Zentrum des Hoggar-Gebietes. Dort gelangen zahlreiche Besteigungen und Klettertouren auf teilweise neuen und schwierigsten Routen auf Basalttürmen und Berge bis 3.003 m Höhe, dem höchsten Hoggargipfel Tahat. Wintersteller und Egger gelang am 1. 4. 1959 die Südwand (800 m Wandhöhe, 5 +) des Ilamane 2.919 m, dem wohl schönsten Berg des Hoggar.  Am Borian-Turm scheiterten 2 Versuche eine Neutour zu eröffnen. Albert Morocutti entdeckte und archivierte in einem Wadi bei Asekrem  urgeschichtliche Felszeichnungen, die bis 10.000 Jahre alt waren.

 

Der Rückweg führte über teilweise fast unpassierbare Pisten mehr geschoben als gefahren in das östliche Hoggar-Vorland. Dort wurden bei bis zu 60  Hitze noch einige unbenannte Gipfel des bergsteigerisch noch völlig unerschlossenen Gebirges erstiegen, bevor es über  2000 km Wüste unter höchstem Zeitdruck nach Algier und weiter nach Europa ging.

 

Von den fünf Expeditionsteilnehmern von 1959 genießen vier den verdienten Bergsteiger-Ruhestand (Marcus Schmuck ist leider vor wenigen Jahren verstorben). Wir wünschen allen noch viele Jahre der Erinnerung an diese Kundfahrt, die mit einfachsten Mitteln große Erfolge zustande brachte.

 

Der vorliegende Bericht unter Mithilfe von Hans Egger ist eine Kurzfassung des ausführlichen Aufsatzes von Albert Morocutti in den „Salzburger Alpenvereins-Nachrichten“, Heft 213 von April – Juni 2009. Wer mehr Details wissen will, möge dort nachlesen.