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Bergrettung
 

BR Salzburg - OS Salzburg: Von den Anfängen bis heute!

Bergrettungsübung Tennengebirge
Scheiblingkogel-Schwer 1956

A) Die Zeit bis 1945:

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Bergsteigen im wesentlichen auf geografische Einzelaktionen mit Expeditionscharakter und unbekannte Aktionen einheimischer Jäger und Bauern beschränkt. Das Aufblühen von Touristik und Fremdenverkehr ab etwa 1860 und nachfolgend die Entwicklung des sportlichen Bergsteigens und Kletterns, als auch die rasche Verbreitung des Wintersports brachte dann zwangsläufig vermehrt alpine Notfälle und Unfälle mit sich. Der Alpenverein begegnete diesem Problem mit der Ausbildung der Bergführer im alpinen Rettungs- und Sanitätswesen, 1885 wurde die zwingende Hilfsverpflichtung für alle Bergführer eingeführt.

 

Im Bemühen, verunglückten Personen im Bergland organisierte Hilfe zu bieten, kam es 1896 zur Gründung des „Alpinen Rettungscomitee Wien“ und ein Jahr später zur Umbenennung in „Alpiner Rettungsausschuß Wien“. Dies war überhaupt die erste Einrichtung dieser Art im gesamten Alpenraum und der Erfolg gab den Anstoß zur schnellen Verbreitung eines Rettungswesens auch im übrigen Alpengebiet, u.a. in Deutschland, Frankreich , Schweiz, Italien und Slowenien. Im Ostalpenraum wurden in der Folge Rettungsausschüsse (heute Landesleitungen) 1898 in Innsbruck und München, 1901 in Salzburg und 1902 in Graz gegründet. Somit hatte sich aus dem dünnen Retternetz der zur Hilfeleistung verpflichteten Bergführer über den Ostalpenraum schnell ein erstes wohldurchdachtes und organisiertes Hilfssystem entwickelt. Der Vorläufer des Österr. Bergrettungsdienstes war erfolgreich geboren.

 

Zwischen 1902 und 1914 entstanden im Gebiet des Bundeslandes Salzburg und im angrenzenden Berchtesgadenerland bereits 24 Rettungsstellen (vergleichbar mit den heutigen Ortsstellen). Salzburg wurde vom bekannten Advokaten Dr. Moritz Zeppezauer geleitet und verfügte 1910 bereits über 58 Mitglieder inklusive Ärzte. Ein geregelter Sonntagsdienst wurde eingeführt, für dessen Durchführung die eingeteilten Truppführer verantwortlich waren. Aus den eingerichteten Meldestellen auf Zistel und Judenberg, Brauerei Guggental, Grödig, Rossitenwirt und  Untersberghaus, St. Leonhard, Gartenau und Leube kann man das wesentliche  Einsatzgebiet ersehen. Schwerpunkt der frühen Einsätze war der Untersberg. Waren bis 1919 insgesamt nur weniger als 10 ernste Rettungseinsätze zu verzeichnen, so brachte die Nachkriegszeit ab 1920 einen enormen Anstieg des Berg-und Schisports und damit verbunden der Unfälle.

 

Die Mühen eines damaligen Rettungseinsatzes z.B. am U-Berg sind heute kaum vorstellbar: Alarmierung durch persönliche Verständigung (Telefon war kaum verbreitet), Ausfassen der Ausrüstung und Fahrt nach Grödig per Fahrrad oder mit der „Roten Tram“, Aufstieg über das Grödiger Törl und Suche des Verunglückten, Abtransport mit primitiver und schwerer  Holztrage und schließlich Transport per Pferdefuhrwerk nach Salzburg ins Krankenhaus oder Friedhof. Das unter diesen harten Bedingungen überhaupt jemand lebend im Spital ankam ist für einen 21.Jhdt.-Menschen schwer vorstellbar - und doch hat es funktioniert. Die Leistung der meist wenigen Retter aber auch die Leiden der Verunglückten sind für uns, wo Handy, Funk, GPS und Hubschrauber samt Arzt selbstverständlich sind, kaum mehr nachvollziehbar.

 

1926 wurde das ganze Bergrettungswesen einer eigenen Landesrettungsstelle unterstellt. Die organisatorische und finanzielle Abwicklung des Bergrettungsdienstes wurde vom Alpenverein von Anfang an entscheidend gefördert und überhaupt ermöglicht. Bis 1939 gehörten auch Naturschutzüberwachungen zum Aufgabengebiet (Bergwacht). Der 2.Weltkrieg brachte, anders als der 1.Weltkrieg, keinen völligen Zusammenbruch der Bergwacht, obwohl diese, so wie auch der Alpenverein, in das System zwangsintegriert wurde. Im Gegenteil wurde sogar manches besser gefördert und unterstützt. Ab August 1939 wurde der neue Name „Alpenvereins - Bergwacht“ festgelegt, alle Naturschutztätigkeiten gestrichen und alles dem Sanitätsdienst des Heeres unterstellt (Heeressanitätsschule St. Johann in Tirol). Dadurch war gewährleistet, dass jede Rettungsstelle zumindest 4 einsatzfähige, meist ältere und frontdienstbefreite Männer für Gebirgseinsätze zur Verfügung hatte. Dies vor allem auch in Hinblick auf die Bergung von abgestürzten eigenen und feindlichen Flugzeugbesatzungen. Junge, leistungsfähige Kletterer dagegen mussten einrücken, worunter die erst 1938 geschaffene Spezialgruppe für schwierigste Einsätze rasch ausgedünnt wurde und zuletzt die Berg-HJ (AV Jungmannschaft) aushilfsweise herangezogen werden musste. Gleichzeitig brachte der Kriegseinsatz eine gewaltige Weiterentwicklung der alpinen Rettungstechnik und der Ausrüstung. Viele der auch heute noch verwendeten Einsatzgeräte, wie Gebirgstrage, Schischlitten, Akja, Stahlseilgerät, Bergesitz usw. wurden damals entwickelt. Das Kriegsende brachte das vorläufige Ende jeder alpinen Rettungstätigkeit, der Alpenverein wurde verboten und die Bergwacht aufgelöst.

Bergrettungsuebung Untersberg
Herbst 1957

 

B) Österr. Bergrettungsdienst - Neuanfang 1948 bis heute:

In der schweren Zeit bald nach Kriegsende befassten sich bereits wieder Idealisten mit dem Wiederaufbau eines alpinen Rettungswesens. Der größte Verdienst kommt dabei dem späteren langjährigen Landesleiter Hans Auer zu, der nicht nur unermüdlich in Salzburg den Neuaufbau betrieb, sondern letztlich auch der entscheidende Motor für einen 1949 gegründeten bundesweiten „Österr. Bergrettungsdienst“ wurde. Auf Grund der politischen Situation und trotz der amerikanischen Besatzungsmacht, welche jeder solchen Aktivitäten mit großem Misstrauen gegenüberstand, wurde eine neue selbständige, unpolitische Organisation angestrebt. Hans Auer legte sehr weitblickend allergrößten Wert auf völlige Unabhängigkeit und rein ideell ausgerichtete Tätigkeit mit ausschließlich freiwilligen, ehrenamtlichen Mitgliedern. Nach vielen Bemühungen konnte er am 19.2.1948 die Gründung des „Österr. Bergrettungsdienstes, Land Salzburg“ durchsetzen und die Grundlage unserer heutigen Tätigkeit schaffen.

 

Die Ortsstelle Salzburg hatte in den ersten Jahren und Jahrzehnten nach 1945 eine wesentliche, auch überregionale Bedeutung. Sie verfügte über eine Anzahl  hervorragender Bergsteiger und Spitzenkletterer (Mühlbacher, Auer, Palaoro, Gebr. Wintersteller,  Schmuck, Morocutti, Klingesberger, Hammer, Radauer, Meusburger usw.) die auf Grund ihrer häufigen Präsenz in den Bergen bei manchen schwierigen Einsätzen Hilfe leisten konnten. Die planmäßigen Einsätze gingen oft über das zugewiesene Einsatzgebiet (Region Gaisberg/Untersberg) hinaus und betrafen in der Anfangszeit des mechanisierten Wintersports auch Pistendienste in Zell am See/Schmittenhöhe, Glockner- und Sonnblickrennen etc. Darüber hinaus waren schwierigste Einsätze am Dachstein/Krippenstein (Heilbronner Schüler), Watzmann-Ostwand im Winter (Schimke-Suche), Dachstein-Südwand, Matterhorn 1957, sowie bei den großen Lawinenkatastrophen in Werfenweng und im Loferer Hochtal usw. zu leisten. Bis 2006 wurde am Untersberg im Winter ein planmäßiger Pistendienst gemeinsam mit der OS Grödig durchgeführt, umgekehrt aber der Pistendienst am Gaisberg mangels Bedarf eingestellt.

 

In den Jahren ab ca. 1980 erlebte die OS Sbg. einen erfreulich hohen Mitgliederstand an geprüften Bergführern (Eder, Stadler, Sattelberger, Karnutsch, Strouhal, Kaiser, Auer), was naturgemäß einem sehr hohen Ausbildungsstand aller zugute kam und sich auch in vielen niveauvollen Gruppen- und Gemeinschaftsbergfahrten niederschlug (Haute Route, Dolomitendurchquerung, Zakopane/Tatra, Velebit/Paklenica, Südfranzös. Klettergebiete, McKinley,  Mt Blanc etc.).

 

Die Ortsstelle war anfangs in der Franziskanergasse 3 untergebracht. 1957 konnte ein eigenes Bergrettungsheim in Maxglan, Eniglstr.1a bezogen werden, wo wir bis heute gemeinsam mit der Landesleitung unsere Heimstätte haben.   Ein entscheidender Meilenstein wurde 1985 durch die Einrichtung eines ständigen Stützpunkts in der Osterhorngruppe gesetzt. Auf Initiative von Erich Moltinger und Helmut Stundner konnte die Egglalm am Gennersattel 20 Jahre lang gepachtet und zur Salzburger Bergrettungshütte ausgebaut werden. Unser Einsatzgebiet wurde bis in die Osterhorngruppe/Gennersattel samt umliegende Gipfel  und Strubklamm (Canyoning) erweitert.

 

Dem enormen Zuwachs an Schitourengehern entsprechend wurde schrittweise die Hütte während der Schitourensaison an Wochenenden mit einer einsatzfähigen Mannschaft besetzt und mit entsprechenden Rettungsmitteln ausgerüstet. Vor Auslaufen des Pachtvertrags der Egglhütte reifte schließlich der Gedanke einer eigenen Hütte am Gennersattel heran. Mit gewaltigem persönlichen Einsatz gelang es dem Initiator dieses Projekts, Karl Schernhammer, die Finanzierung mit Unterstützung der Landesleitung sicherzustellen und gemeinsam mit dem OSL Paul Eybl die eigene Mannschaft dafür zu gewinnen. In nur 3-jähriger Bauzeit konnte schließlich der Neubau durchgezogen und das neue Haus am 5.9.2005 eingeweiht werden. Möglich war das Ganze mit Hilfe vieler Spenden und Unterstützung unserer Gönner, wofür nochmals herzlich gedankt sei. Der entscheidende Faktor für das Gelingen dieses Großprojekts war und ist aber die hervorragende Kameradschaft und der Zusammenhalt unserer Mannschaft (incl. auch unserer tüchtigen weibl. Mitglieder). Insgesamt wurden ca. 10.000 freiwillige und unbezahlte Arbeitsstunden geleistet und ein beträchtlicher Finanzbeitrag erbracht. Unser Haus am Gennersattel ist wie die alte Egglhütte in der Wintersaison an Wochenenden besetzt und mit allen notwendigen Rettungsmitteln, sowie elektr. Strom (Solar), Funk und Hüttentelefon ausgerüstet und entspricht damit den ständig steigenden Anforderungen in diesem immer beliebteren Wander- und Tourengebiet.

 

Als vorläufig letzte Großinvestition konnte 2007 ein modernes geländegängiges Einsatzfahrzeug angeschafft werden, womit die Ortsstelle Salzburg auf der „Hardwareseite“ für alle Erfordernisse bestens gerüstet ist. Ein nicht immer ganz so gut zu lösendes Problem stellt fallweise die „Software“ dar, nämlich die notwendige Mannschaft. In unserer modernen, zunehmend nur am eigenen Vorteil orientierten Zeit, wird es für Organisationen welche auf Idealismus (d.h. keinerlei Bezahlung) und Freiwilligkeit aufbauen manchmal schon schwer, Nachwuchs zu begeistern und bei der Stange zu halten. Die Anonymität einer Großstadt wie Salzburg ist dabei sicher nicht förderlich.

 

Trotzdem sind wir sicher, dass auch in Zukunft junge Menschen mit Bergerfahrung den Weg zu uns finden, aus der Stadt, aber auch aus den Umlandgemeinden. Was wir bieten können ist eine hervorragende Ausbildung und etwas das zunehmend selten wird - gute Kameradschaft und eine verschworene Gemeinschaft. Unsere Treffen und Schulungsabende finden normalerweise jeden Freitag um 19:00 Uhr statt.

 

Nicht zuletzt sei in dieser Chronik auch an unsere Kameraden erinnert, welche in den letzten  Jahren ihr Leben in den Bergen verloren:

  • Rupert Flöcklmüller  (Hochkogel W-Wand)
  • Anton Leeb  (Angerstein SW-Kamin)
  • Franz Hintschich  (Admonter Kaibling W-Wand)
  • Heinz Picolon  (Haute Route, Plateau de Couloir)
  • Radauer Wolfgang (Gennerhorn Südseite)

 

Besonders tragisch war der Unfall von Alois Plank, der im Rahmen einer Übung am Barmstein-Südgrat durch einen ausgebrochenen Griff abstürzte und dabei schwerste Verletzungen mit Dauerinvalidität erlitt. Großes Glück hatten dagegen 2006 drei Seilschaften unserer OS, die bei einer Ausbildungsklettertour in den Lienzer Dolomiten knapp unter dem Gipfel  vom Blitz getroffen und verletzt wurden. Durch die mutige Aktion des Hubschrauberpiloten konnten alle 6 Kameraden unmittelbar vor dem nächsten Gewitter ausgeflogen werden. Eine terrestrische Bergung durch unsere Männer, die bereits bis knapp unter den Gipfel vorgedrungen waren, wäre sehr gefährlich und zeitaufwändig geworden. Ebenso tragisch der tödliche Absturz unseres Kameraden Wolfgang Radauer am Gennerhorn in der Silvesternacht 2008/2009.

 

Ortsstellenleiter (OSL) der Ortsstelle (OS) Salzburg: 

  • Auer Hans                               1945 (Landesleiter 1948 -77)
  • Morocutti Albert                       1946 - 50
  • Wintersteller Fritz                    1950 - 53 (Erstbegeher Broad Peak 8047m  am 9.6.1957)
  • Klingesberger Franz                 1953 - 55
  • Wintersteller Fritz                    1955 - 58
  • Klingesberger Franz                1958 - 63
  • Wintersteller Fritz                    1963 - 66
  • Gruhn Erhard                           1966 - 75 ( Landesleiter  1977-95)
  • Eder Helmut                             1975 - 86
  • Auer Kurt                                 1986 - 90
  • Amtmann Sepp                        1990 - 93
  • Gann Helmut                           1993 - 94
  • Plank Alois                               1994 - 99
  • Eybl Paul                                 1999 - 2007
  • Gann Helmut                           2007 - 2013
  • Schimpke Roland                     seit 2013 (Bezirksleiter Stv., seit 2013)

 

Die OS Salzburg hat neben ihren eigenen Aufgaben auch immer wieder die Landesleitung in personeller Hinsicht unterstützt. So stellten wir u.a. seit 1947 drei von vier Landesleitern, sowie Bezirksleiter, Finanzreferenten, Landesausbildungsleiter usw.

  • Dr. Frölich“Die Männer mit dem Edelweiß im grünen Kreuz“
  •  Archiv Wintersteller Fritz
  • Archiv LL-ÖBRD Sbg.

 

Ein Herzliches „DANKESCHÖN“ an Gassner Wolfgang, der diese aufschlussreiche Chronik erarbeitet und geschrieben hat.