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Konsequente Erziehung

„Ich habe gehört, dass konsequente Erziehung des Hundes wichtig für die Rangordnung sei“, meint Frau Anna B. aus St. Gilgen. Sie möchte wissen warum und fragt, wie dies in der Praxis geschehen kann.

Unsere Meinung:

Der Hund richtet sein Verhalten nach unserem Verhalten aus. Bei sogenannten "Befehlen" wie z.B. "Platz" ist es eigentlich einfach konsequent zu sein. Beim Kommando "Fuß" ist das schon schwieriger, er geht vielleicht fünf Schritte bei Fuß, aber dann lenkt ihn irgendetwas ab und aus ist es mit "Fuß".

Ohne Konsequenz  lernt der Hund sehr schnell, ob er selbst entscheiden kann - "Fuß" oder nicht...

Viel schwieriger ist es aber, den Alltag in eine konsequente Tabuwelt einzuteilen. Und da entsteht der ungeklärte soziale Status des Hundehalters.

 

 

"Konsequenz im Alltag"- Teil 1

„Konsequenz im Alltag“

 

Eine wichtige Erkenntnis in der Hundeausbildung ist für uns, dass die meisten Hundehalter mit der „Konsequenz“ Schwierigkeiten haben.

Durch sehr viele Kontakte zu Hundebesitzern wissen wir, dass wirklich fast alle nur das Beste für ihre Hunde wollen, und es ist ihnen auch bekannt, dass man in der Hundeerziehung eine gewisse  „Linie durchziehen sollte“, und sie haben auch gehört, dass man sich „durchsetzen muss“, (was immer man darunter versteht) und so weiter…

Wie das aber in der Praxis – also im täglichen Zusammenleben ausschauen soll, davon haben die wenigsten eine klare Vorstellung.

„Ich bin von Haus aus ein genauer Mensch und immer sehr konsequent bei meinem Hund – ich füttere ihn täglich zwei mal, mache ausgiebige Spaziergänge, spiele mit ihm – aber wenn ich ihn rufe, dann kommt der undankbare Kerl meistens erst beim 3. oder 4. Pfiff, oder oft gar nicht“.

Diese Aussage eines Hundebesitzers ist kein Einzelfall und zeigt sehr deutlich, dass die Begriffe „konsequente Erziehung“ oder  „konsequentes Verhalten“ oft missverstanden werden.

Hundeerziehung findet nicht zweimal wöchentlich zwischen 15 und 16 Uhr statt, nein - es ist ein Prozess der im Zusammenleben Mensch – Hund einfach allgegenwärtig ist.

 

Hunde sind ausgesprochen gute Beobachter, vor allem können sie unsere Körpersprache – die wir Menschen meist unbewusst einsetzen – sehr gut lesen und kennen dadurch unsere typischen Verhaltensmuster in jeder Situation oder Stimmungslage, und sie merken ganz genau, dass wir Menschen mit der Konsequenz unsere Schwierigkeiten haben.

Für Hunde gibt es ja oder nein, wir kennen aber auch naja, oder vielleicht, oder heute ja und morgen ?....

Hunde brauchen immer Eindeutigkeit, denn sonst entscheiden sie, ob ja oder nein.

Gerade bei den Welpen machen wir auf diesem Gebiet die größten Fehler und wundern uns später, dass das „ausbügeln“ sooo schwierig ist.

Dorit Feddersen-Petersen behauptet sogar, wenn das soziale Lernen in der Jugendentwicklung nicht oder nur unzureichend stattfindet, wird die Erziehung des Hundes (Rangeinweisung) später stets problematisch sein.

Wie stark sich Hunde unsere Fehler im Umgang mit der Konsequenz zu Nutze machen, hängt allerdings auch von Rasse und Typ des Hundes ab.

Professor Raymond Coppinger, ein anerkannter Biologe, stellt fest, dass jeder Hund in gewisser Weise ein Opportunist ist (das ist jemand der sich bereitwillig an die jeweilige Lage anpasst, jedoch gezielt nach Zweckmäßigkeit handelt).

 Gezielt nach Zweckmäßigkeit handeln ist nichts anderes, als eine Ausnutzung einer Situation zum eigenen Vorteil.

 

Dieser überlebenssichernde Eigennutz ist dem Hund angeboren und war für seine Weiterentwicklung von wichtigster Bedeutung.

Wenn wir also im „Alltag“ versuchen konsequent zu sein, dann kann der Hund in der Sozialrangordnung keine Freiräume besetzen und wird sich unseren klaren Tabugrenzen gerne unterordnen.

Konsequenz ist daher nicht nur bei Übungen wie sitz, platz, hier usw. wichtig, sondern ganz besonders in täglichen Situationen, bei denen erfahrungsgemäß viele Hunde ihren Kopf durchsetzen und so Tag für Tag mehrfach erfahren (lernen), dass viel so geht wie sie es wollen.

 

Dazu einige Beispiele:

 

  • Der Hund drängt sich vor, wo es nur geht
  • zieht an der Leine
  • springt beim Öffnen der Autotür sofort aus dem Auto
  • läuft nach dem Ableinen einfach weg
  • frisst alles was er findet
  • undsoweiterundsofort……….

 

Wenn wir in solchen Alltagsituationen immer Signale (Hör – oder Sichtzeichen) einsetzen, lernt der Hund Konsequenz.

 

 

Beispiel Autofahren:

 

  • vor dem Einsteigen „sitz“ – Tür öffnen  „hopp“(oder Handzeichen)
  • Aussteigen – Tür öffnen – „bleib“(oder Handzeichen) nach einigen Sekunden – „hopp“ oder anleinen und „hopp …

...der Hund wird sich diesen Ablauf sehr schnell merken und man braucht bald nach dem Öffnen der Heckklappe keine Signale mehr verwenden und der Hund wird angespannt im Auto sitzen bleiben und auf das Zeichen zum Aussteigen (erlösendes „hopp“) warten.

 

Beispiel Anleinen:

 

  • vor jedem Anleinen ein Signal geben – außer der Hund sitz ohnehin schon vor.
  • Vor jedem Ableinen – „sitz“ und dann eventuell „frei“.

 

Das Signal „frei“ ist für konsequenten Umgang sehr wichtig, denn erst dann darf der Hund tun und lassen was er will und muss sich nicht mehr am Hundeführer orientieren.

Zur Konsequenz gehört auch – bestimmte Tabuzonen oder Grenzen einzuführen.

Wer keine Grenzen kennt, wird sich auch nie über seinen Freiraum bewusst.

 

Zur Konsequenz gehört auch – nie etwas verlangen, was ich im Moment nicht durchsetzen kann – denn sonst wäre ich bei Nichtbefolgung des Signals schon inkonsequent.

Das betrifft hauptsächlich die Welpenzeit.

 

Beispiele:

der Welpe schnüffelt unangeleint in einer Wiese und sieht plötzlich einen Artgenossen – seine ganze Aufmerksamkeit ist dorthin gerichtet – was wird sein, wenn ich „hier“ rufe?

Kein Hörzeichen geben, wenn ich weiß (oder ahne) er befolgt es jetzt nicht, schon gar nicht dreimal rufen…….

Ich gehe mit dem Hund einkaufen – vor dem Kaufhaus anbinden – „platz“ oder „bleib“ – ich bin weg - Hund steht nach 5 Minuten auf weil…. -  es erfolgt keine Korrektur, ich bin ja beim Einkauf  – der Hund lernt – bei platz kurz hinlegen, aber beenden, wenn etwas anderes wichtiger ist.

Daher- kein Hörzeichen geben, wenn ich auf die Befolgung des Signals nicht bestehen kann.

 

"Konsequenz im Alltag" – Teil 2

Unterbinden von „Manipulationsverhalten“ 

Zur Konsequenz gehört auch, das Manipulationsverhalten des Hundes zu unterbinden.

Der Hund ist ein Meister der Manipulation – siehe Opportunist – und wenn sich der Mensch dauernd vom Hund manipulieren lässt, dann sind alle Erziehungsbemühungen in Frage gestellt.

Das Interessante ist, dass die wenigsten Hundehalter bemerken, wann und wie sie von ihrem Liebling manipuliert werden.

Einige Beispiele:

Hund kratzt an der Tür – Frauli rennt und macht auf, er will ja hinaus…

Hund winselt bei der Futterschüssel – hast du Hunger - ja natürlich gibt´s sofort etwas…

Hund bringt die Leine vom Haken – Spaziergang…

Hund bringt den Ball – spielen…

Hund kommt daher, legt Kopf oder Fuß auf – ja braver, schmusen, streicheln….

Der Hund agiert – der Mensch reagiert und ist schon manipuliert – wer erzieht hier wen?

Richtig wäre, wenn der Mensch agiert und der Hund daraufhin reagiert – außer bei der Begrüßung, da sollte der Hund wedelnd ankommen….

Das Manipulationsverhalten des Hundes wird deshalb von Bedeutung, weil es täglich vorkommt, und der Hund merkt, dass er den Ton angibt.

Wie kann der Mensch das umstellen?

Beispiel:

Hund kratzt an der Tür, weil er hinaus will...  

Zwei Möglichkeiten:

  • Ignorieren bis er aufhört (ist, als wäre er nicht da - nicht reden, nicht anschauen, nicht schimpfen usw.)
  • oder auf den Platz schicken

In beiden Fällen einige Minuten ruhiges Verhalten des Hundes abwarten, dann Hund rufen – loben – und zur Tür….
Achtung - abwägen - muss er wirklich dringend pinkeln? Nicht quälen!

Hund will Futter - ignorieren oder auf Platz schicken , einige Minuten ruhiges Verhalten des Hundes abwarten (Hund muss abschalten, entspannen ….. dann Hund herrufen, ev. Futter herrichten und füttern, oder nur loben …. der Mensch agiert – der Hund reagiert.

So, oder ähnlich kann man auf alle Manipulationsversuche reagieren.

Das heißt natürlich nicht, wenn der Hund zum Spiel auffordert oder Sozialkontakt sucht, dies dem Hund zu verwehren – nein – wir müssen das ganze nur so gestalten, dass von uns der Auslöser kommt und nicht umgekehrt.

Sozialkontakte zwischen Mensch und Hund sind natürlich sehr wichtig und manche Hunde leiden direkt unter zu wenig körperlicher Zuwendung. Jedoch sollte auch auf diesem Gebiet der Mensch „agieren“ und der Hund „reagieren“.

Man kann sich auch einmal das Recht herausnehmen, den Hund einfach heranzurufen um ihn so richtig abzuknutteln, wenn er vielleicht auch im Moment nicht will – weil für ihn gerade etwas anderes wichtiger wäre – auch damit zeigt man seinem Hund, wer eigentlich das Sagen hat.

Konsequenz im Alltag sollte aber keinesfalls mit Unterdrückung des Hundes oder dauernder Manipulation des Hundes verwechselt werden, nein im Gegenteil, durch richtigen Umgang- und dazu gehört auch Konsequenz – erreiche ich ein besseres Sozialverhalten des Hundes und kann ihm daher viele bisher nicht gewährte Freiheiten ermöglichen.