Stressmanagement nach psychisch besonders belastenden Einsätzen

Foto: Sepp Schiefer

Stressmanagement nach psychisch besonders belastenden Einsätzen -
gezeigt bei der Totbergung einer 60jährigen Salzburgerin am Nockstein

Beim oben erwähnten Einsatz bot sich für die Einsatzkräfte ein entsetzliches Bild: durch den Sturz aus ca. 200m Höhe kam der Leichnam der Verunglückten im steilen Gelände am Bergfuß des Nockstein zu liegen. Der entstellte Torso und die anderen sterblichen Überreste wurden in einen Leichensack gegeben und mit Hilfe einer Universaltrage (UT 2000) abgeseilt.

Defusing:
Unmittelbar nach der Bergung erfolgte das Defusing in einer sicheren Umgebung ca. 2 km vom Einsatzort entfernt. Defusing dient vor allem dazu, die emotionale Belastung zu verringern.
Es erfolgt vertraulich, jeder Kamerad spricht über das Erlebte und wie er damit momentan zurechtkommt. Durch die Schilderung des Ereignisses erhalten alle Beteiligten den gleichen Wissensstand und erfahren zugleich, dass auch bei den anderen Kameraden Stressreaktionen auftreten. Der Leiter des Defusing (Peer, Arzt, Psychologe) achtet vor allem darauf, dass keine belastenden Aussagen aber auch keine „Beschönigungen“ getroffen werden, informiert über mögliche Stressreaktionen in den nächsten Tagen und gibt Verhaltensempfehlungen zur Bewältigung dieser belastenden Situation.

Debriefing:
3 Tage nach der Totbergung erfolgte für die betroffenen Kameraden das Debriefing in unserer Ortsstelle. Debriefing ist die kognitive Bewältigung eines traumatisierenden Ereignisses und sollte ca. 72 Std. bis max. 4 Wochen nach Ende des Einsatzes erfolgen. Wichtig ist, dass das Debriefing vertraulich abgehalten wird und dass die emotionale Verarbeitungsphase bereits abgeschlossen ist.
Jeder einzelne Bergretter schildert noch einmal das Erlebte, seine Gedanken und Gefühle, aber auch seine beobachteten Reaktionen und Symptome in den letzten Tagen. Die Aufgabe des Psychologen besteht darin, mögliche Reaktionsverläufe zu interpretieren und weitere individuelle Verhaltensempfehlungen zu geben.

Das Defusing und Debriefing stellt nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft die effizienteste psychologische Methode zur Bewältigung traumatisierender Ereignisse sowohl bei Rettungskräften, Geretteten aber auch bei Angehörigen von Opfern dar. 
 
Einsatznachbesprechung in der Ortsstelle
Um den sogenannten Sozialen Bruch zu verhindern, erfolgte drei Tage nach dem Ereignis eine Nachbesprechung vor der gesamten Ortsstelle. Unter sozialen Bruch versteht man eine mögliche Entfremdung zwischen den Kameraden, die beim Einsatz anwesend waren und jenen, die nicht beteiligt waren. Der Einsatzleiter oder sein Vertreter präsentiert den Einsatzablauf im Detail von der Alarmierung bis zum Einsatzende. Ziel dieser Ortsstellennachbesprechung ist demnach, alle Kameraden mit möglichst vielen Informationen zu versorgen und eventuelle Einsatzverbesserungen durchzusprechen.


Dr. Hans Kirschner
Notfallpsychologe des ÖBRD
Ortsstelle Salzburg

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